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Berlin

Skandal! Hermione von Preuschen und der Mors Imperator

Die Alte Nationalgalerie widmet sich in der Ausstellung »Skandal! Hermione von Preuschen und der ›Mors Imperator‹« der Malerin, Schriftstellerin und Weltreisenden Hermione von Preuschen. Im Mittelpunkt steht ihr 1887 entstandenes Gemälde »Mors Imperator«, dessen Zurückweisung durch die Berliner Akademie der Künste sie schlagartig bekannt machte.

 

»Das Genie [ist] so frei, sich nicht ans Geschlecht zu kehren, es fliegt in die Seelen wem und wie es will«. Diese Worte äußerte die Malerin, Dichterin und Weltreisende Hermione von Preuschen auf dem »Internationalen Frauenkongress« in Berlin 1896, auf dem sie sich mit ihrer Rede »Über das künstlerische Studium der Frau« für die Emanzipation der Frauen einsetzte, denen damals die Ausbildung an den Akademien verwehrt war.

 

Die 1854 in Darmstadt geborene Künstlerin hatte ab 1872 für drei Jahre Malunterricht bei Ferdinand Keller in Karlsruhe genommen, unter dessen Einfluss sie ihren dekorativen, pathetischen Stil entwickelte und das »historische Stillleben« für sich entdeckte.

 

1887 schuf sie ihr bemerkenswertes Gemälde »Mors Imperator«, mit dem sie eine Reihe großformatiger symbolistischer Kompositionen eröffnete. Im Zentrum des Gemäldes steht ein Skelett als Herrscherfigur im Purpurmantel mit Hermelinpelz. Mit der rechten Hand auf ein Schwert gestützt, stößt es mit der linken in einer autoritären Geste den prächtigen Thron um. Die Gestalt trägt auf dem Schädel eine eiserne Zackenkrone, während eine mit Edelsteinen besetzte Krone zu Boden fällt. Der rechte Fuß steht auf einer Erdkugel – der Tod erscheint hier als triumphierender Herrscher über die Welt.

 

Von Preuschen sandte das Werk 1887 nach Berlin zur Akademieausstellung. Deren Jury lehnte das Bild jedoch ab, weil sie in der Darstellung eine Anspielung auf den 90-jährigen Kaiser Wilhelm I. sah. Auch nachdem es der Malerin gelungen war, die Erklärung des Kaisers zu erwirken, keinen Einwand zu erheben, verweigerte die Akademiejury weiterhin die Annahme des Gemäldes. Inzwischen war auch die künstlerische Ausführung kritisiert worden, die man zuvor noch gelobt hatte: »Der unkünstlerische Ausdruck eines schiefen Gedankens.«

 

Der weitere Verlauf offenbart von Preuschens hervorragendes Verständnis für die Mechanismen des Kunstbetriebs und die Macht öffentlicher Aufmerksamkeit sowie ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein in einer Zeit, in der Künstlerinnen erheblichen Widerständen begegneten. Als taktischen Gegenzug mietete sie in Berlin Räume in der Leipziger Straße 43, um das umstrittene Gemälde, dessen Zurückweisung bereits in der Presse diskutiert wurde, gegen Eintritt öffentlich zu zeigen. Der Erfolg war überwältigend. Zahlreiche Besucher strömten herbei, Zeitungen berichteten ausführlich, und nicht wenige Kritiker stellten die Entscheidung der Jury offen in Frage. Die damals 33-jährige Malerin konnte ihren Triumph feiern: Der Skandal um »Mors Imperator« wurde zum Stadtgespräch und machte sie schlagartig berühmt.

 

Neben dem Gemälde werden Publikationen, Briefe und Fotos präsentiert, die sowohl den Skandal um von Preuschens wohl bekanntestes Bild als auch ihr Wirken als Schriftstellerin, Weltreisende und Bauherrin des »Tempio Hermione« in Lichtenrade, einem Vorort Berlins, dokumentieren.

 

Kuratorin: Birgit Verwiebe

Diese Ausstellung endet in
24
Tage
20
Std
15
Min
52
Sek
Termine
Start22.03.2026
Ende15.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Alte Nationalgalerie
Alte NationalgalerieBodestraße, 10178 Berlin

Der Bestand der Alten Nationalgalerie geht auf das Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener an den preußischen Staat im Jahre 1861 zurück. Er hatte 262 Gemälde zusammengetragen, vor allem Werke der Düsseldorfer Malerschule und der belgischen Historienmalerei, aber auch Caspar David Friedrichs »Einsamen Baum« und Karl Friedrich Schinkels »Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer«. Sie bilden den Grundstock für die Sammlung der Nationalgalerie mit Meisterwerken der Romantik, des Realismus und Impressionismus. Bis zur Eröffnung des neuen Hauses 1876 war der Bestand der Nationalgalerie durch Ankäufe und Stiftungen von Gemälden, Skulpturen und Grafik verdoppelt worden. Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie seit 1896, erwarb mit gestifteten Mitteln gegen den Widerstand des Kaisers und der Ankaufskommission wichtige Werke der französischen Impressionisten, darunter Édouard Manets »Im Wintergarten« und Claude Monets »Ansicht von Vétheuil«. Die Nationalgalerie war damit das erste europäische Museum, das impressionistische Kunst erwarb und zeigte. Anders bahnbrechend wirkte Ludwig Justi, der Tschudi 1909 als Direktor folgte. Nach der Revolution 1918 richtete er im ehemaligen Kronprinzenpalais Unter den Linden eine einzigartige Ausstellung zur modernen Kunst des Expressionismus ein. Er erwarb Meisterwerke wie Franz Marcs heute verschollenes Gemälde »Der Turm der blauen Pferde«. Was aus dieser Dependance der Nationalgalerie den nationalsozialistischen Bildersturm und den Krieg überdauerte, gehört heute zum Bestand der Neuen Nationalgalerie. Die Alte Nationalgalerie verwahrt derzeit etwa 2.000 Gemälde und ebenso viele Skulpturen, von denen etwa 400 Gemälde und 100 Skulpturen auf allen drei Ausstellungsgeschossen zu sehen sind.

Weiterführende Literatur