Rotundenprojekt 2025 – Part I
Zweifellos sind die Skulpturen von Stefan Rinck keine Leichtgewichte. Und doch erscheinen sie wie federleichte Phantasiespiele, in denen der Bildhauer Facetten der High- und Low-Kultur mit Epochen der Kultur- und Kunstgeschichte wagemutig verwirbelt. Ihre widersprüchliche Natur wirkt bezwingend, da sie weniger als steinschwere Monumente denn mehr als freigeistige Capriccios Eindruck machen. Es ist diese Selbstverständlichkeit, die einnehmend auf uns wirkt. Allesamt sind es künstlerische Parameter, die Stefan Rinck in seinem Werk verfolgt. Mit Fingerspitzengefühl justiert er sie von Skulptur zu Skulptur fortwährend neu aus. Vice versa stimulieren sie seine künstlerische Auseinandersetzung mit der Welt.
Unter seinen Händen wachsen sich rohe Gesteinsbrocken zu unbekannten sublimen Wesen aus. Schon bei der Vorauswahl der jeweiligen Steinart denkt er die für das Material spezifischen Bearbeitungsmethoden mit, um der allure der zukünftigen Skulptur gerecht zu werden. Mit der Kennerschaft des Steinmetzes kann sich sein Blick sprunghaft vom eher spröden, lehmfarbenen Elbsandstein hin zum harten und farbintensiven blauen Macauba- oder grünen Atlantis-Quarzit wenden, um unvermutet einen Block schneeweißen Statuario-Marmor, das Nonplusultra jedes klassischen Bildhauers, für seine nächste folie ins Auge zu fassen. Die Material-Melange seines Skulpturenparks beschwört ein phantastisches Panoptikum flirrender Lebensgeister herauf, denen er Leben einhaucht. Mit ihrem vielfach überdrehten Habitus erinnern sie an Picassos extraterrestrische Gaukler der blauen und rosa Periode. Wie sie bevölkern Rincks Statuen unsere Lebenswelt, ohne unsere Realität zu teilen. Das macht sie für uns so anziehend. Unvermittelt werden wir berührt von der Fremde ihres märchenhaften Habitats, das aus der Nähe, aber mit sicherem Abstand betrachtet, unserer menschlichen Natur mit ihren Sehnsüchten und Ängsten nicht unähnlich ist.

