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Berlin

Stolz und Vorurteil – Juden im Blick

Stereotype, Verzerrungen und Antisemitismus prägen das Bild von Jüdinnen und Juden in der Öffentlichkeit – in sozialen Medien, in Filmen, auf den Straßen. Das ist kein neues Phänomen, wird aber durch die Bilderfluten generativer KI und seit dem 7. Oktober 2023 zusätzlich verschärft. Zeit, sich die Frage nach der visuellen Repräsentation von Jüdinnen und Juden in Europa neu zu stellen.

 

Woher weiß eine KI, wie Juden aussehen? Woher wissen Sie es? Und kann es das überhaupt geben: ein Bild von Jüdinnen und Juden, das der Vielzahl jüdischer Lebenswirklichkeiten, ihrer widersprüchlichen Geschichte und Gegenwart gerecht wird? Versuche, dieses Bild zu kreieren hat es immer gegeben – in der Kunstgeschichte, in Hollywood und neuerdings auf Social-Media-Plattformen wie TikTok. Auch der Filmemacher Nico Beyer hat diesen Versuch unternommen. Seine hier gezeigten Kurzfilme sind Porträts, Miniaturen jüdischer Gegenwart in Europa, die als skizzenhafte Einblicke keinen Anspruch auf Gesamtdarstellung erheben. Trotzdem wollen sie zeigen, mit welchem Stolz, welchem Zweifel, welcher Normalität sich ihre jüdischen Protagonist:innen vor der Kamera inszenieren. Das Credo der Filme: viele Bilder, statt des einen Bildes von Jüdinnen und Juden.

 

Nur sind auch diese vielen Bilder umkämpft. Sie müssen sich vor dem Blick von außen, den Zuschreibungen einer nichtjüdischen Mehrheit, ebenso behaupten wie im innerjüdischen Ringen um Repräsentationsansprüche.

 

 

Wer zeigt hier also wen und wie?

 

Hörbar werden diese Behauptungskämpfe in der Audioinstallation, die die Filme von Nico Beyer umgibt. Dort finden sich alle Schwierigkeiten, die der heutige Blick auf Jüdinnen und Juden sowie ihre (Selbst-)Darstellung in Bildern mit sich bringt: verzerrende Stereotype, Hasskommentare in den sozialen Medien, KI-Fakes, antiisraelische Bildpropaganda infolge der Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und die grundsätzliche Frage, ob es unabhängig von dieser antisemitischen Bilderflut ein selbstbestimmtes, wahrhaftiges Bild von Jüdinnen und Juden geben kann.

Termine
Start28.08.2026
EndeLäuft auf unbestimmte Zeit
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–15:00
Samstaggeschlossen
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum JudaicumOranienburger Straße 28–30, 10117 Berlin

»Tuet auf« steht für eine Öffnung, die die meisten Juden in Deutschland seit der Emanzipation anstrebten – hin zur Stadt und Gesellschaft der Umgebung. Dabei betont die Fortsetzung des Zitats bei allem Teilhabewillen das feste Stehen im Judentum . Mit anderen Worten: Die Inschrift weist auf eine Gleichzeitigkeit von Öffnung und Tradition hin, so wie die Neue Synagoge insgesamt ein architektonisches Symbol für das Selbstverständnis war, deutsch, berlinerisch und jüdisch gleichermaßen zu sein. Das Ringen um die Anerkennung einer eigenen Identitäts-Melange wie die entsprechenden innerjüdischen Auseinandersetzungen darum begleiteten die deutschen Juden ohne Unterlass. Von der gewaltsamen Zerstörung jüdischer Leben und Lebenswelten legt das Fragment des Gebäudes Zeugnis ab. Seit dem 5. September 1991 leuchtet nun die Inschrift wieder in die Stadt hinein. Die Stiftung Neue Synagoge Berlin begreift die Botschaft des »Tuet auf« als zeitlos und als Grundlage auch für ihre Agenda: Sie thematisiert die Herausforderungen kultureller Vielfalt und Differenz sowie die verschiedensten Ausprägungen des Jüdisch-Seins – und all dies in Geschichte und Gegenwart. Jüdische Geschichte in Berlin sieht die Stiftung auch als ein Beispiel dafür, Geschichte überhaupt aus verschiedenen Perspektiven zu sehen – und durch das Prisma Berlin ein Stück Welt zu denken. Mit ihrer Dauerausstellung zur Biografie der Neuen Synagoge und ihrer Menschen erzählt die Stiftung Neue Synagoge Berlin Berliner und deutsch-jüdische Geschichte; in temporären Ausstellungen greift das Haus Themen auf, die einen Bezug zu Berlin haben und gleichzeitig darüber hinausblicken. Die Neue Synagoge beherbergt eines der weltweit wichtigsten Historischen Archive zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland. Kern ihres Bestands ist ein großer Teil des früheren in Berlin ansässigen Gesamtarchivs der deutschen Juden, das Akten von jüdischen Gemeinden und Institutionen sammelte. Auf all diesen Feldern kooperiert das Haus national und international mit anderen Institutionen, ermöglichen Forschung und initiieren eigene Forschungsprojekte .