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Münster

ton not. not ton.

Konzert, Performance, Ausstellung: ton not. not ton. widmet sich dem Klang und dem was Klang hervorruft, lässt ihn in akustischen Interventionen und Objekten im Raum in Erscheinung treten – vibrierend und haptisch, verkörpert und körperlos. Nach drei erfolgreichen Ausgaben 2021, 2023 und 2025 findet 2027 die vierte Ausgabe von ton not. not ton. statt. Erstmals dienen dabei nicht nur die Räumlichkeiten der Kunsthalle Münster mit dem angegliederten Atelier 4.1 als Spielstätten, sondern auch die Dominikanerkirche in Münsters Innenstadt.

 

Der Fokus der vierten Ausgabe von ton not. not ton. liegt auf der Stimme und ihrer Beziehung zum Atmen. Die Stimme als vielleicht ursprünglichstes Instrument und der Atem als Grundlage des Lebens sowie Sprache, Wortlaut und Gesang als mündliche verkörperte Realitäten bilden das Thema der Ausstellung. Mehr als in den vorherigen Ausgaben von ton not. not ton. geht es damit in dieser Edition um die Verbindung von Körper und Klang.

 

Der Atem wird als Ausdruck für den lebendigen Körper in den Blick genommen ebenso wie als tongebendes Material. ton not. not ton verbindet die lebenswichtige körperliche Aktivität des Atmens mit grundlegenden Fragen zum Leben. Das altgriechische Wort »pneuma« bedeutet »Atem« und wird im altgriechischen Kontext sowohl in physiologischer als auch in spiritueller und philosophischer Hinsicht verwendet. In der Philosophie der Stoiker wird »pneuma« zu einem zentralen kosmologischen Prinzip; es bezeichnet den Lebensatem, der als Mischung aus Luft und Feuer entsteht und sowohl den Kosmos als auch das irdische Leben ordnet. Der Atem liegt auch dem Wort für Seele (Psyche) zugrunde, das nach einigen Interpretationen »Leben« bedeutet.

 

Der Atem ist zudem die Grundlage für die Stimme, mit der verschiedenste Teile des Lebens sowohl diskursiv als auch ästhetisch gestaltet werden. Die Stimme ist eines unserer wichtigsten Merkmale; sie wird jederzeit ganz spontan genutzt, in der Regel ohne groß darüber nachzudenken. Sie entspringt in uns, sowohl körperlich als auch in unserem Geist. Sie ist vergänglich; auch wenn sie das Potenzial hat in unseren Köpfen nachzuhallen, sobald sie dem Körper einmal entwichen ist. Durch experimentelle Einsatz- und Verhandlungsmöglichkeiten der Stimme ist ton not. not ton ein Versuch, ihrem vieldeutigen Wesen Gestalt zu verleihen, die Emotionen und Bedeutungen zu offenbaren, die in ihr mitschwingen.

 

Dabei wird die Resonanz mündlichen und akustischen Wissens gegenüber dem akademischen in den Blick genommen. Es geht um ungehörte, unterdrückte und mitunter versagende Stimmen, um Verletzlichkeit, Fragilität und Sprachlosigkeit. Ebenso handelt es von stimmlichen Überwindungen persönlicher und gesellschaftlicher Widerstände und spekulativen, sprachlichen Ausbrüchen und Verbindungen. Stimme und Atem erscheinen intim und konkret, als Metaphern und politisches Material. »Eine Stimme haben« wird gemeinhin mit dem Recht assoziiert, mitreden zu dürfen, nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich stattzufinden.

 

Gezeigt werden neben Installationen, Fotografien, Malereien, Video - und Audioarbeiten verschiedene Performances und Konzerte, die von intimen akustischen Darbietungen bis hin zu immersiven audiovisuellen Erlebnissen reichen. Gezeigt werden laute und leise Werke. Zu hören sind mitreißende Schreie, verzerrte Seufzer, sinnliche Lieder und durchdringende Pfeiftöne. Zu sehen sind klagende Kehlköpfe, sehnsüchtige Lungen, klingende Stimmen, aber auch der Stille/dem Schweigen wird Raum gegeben. Im Zusammenkommen von Werken der bildenden Kunst mit den performativen Künsten und Musik auf gleichberechtigter Ebene geht es bei ton not. not ton. auch um synästhetische Erfahrungen, die Beschreibungen jenseits des eigenen Genres zulassen und Kategorisierungen überwinden. Es geht um das Anklingen von Tönen in anderen Medien, das Sichtbarmachen von Stimmen, die bildhauerische Qualität von Luft strömen. Wenn der Körper zur Stimme und die Stimme zum Raum wird, entsteht ein Klangraum, der gemeinsam betreten werden kann.

 

Kurator:innen: Nguyen Phuong-Dan + Merle Radtke
Kuratorische Assistenz: Heiko Lietz

 

Eröffnung: 12. Februar 2027, 18 Uhr

Diese Ausstellung beginnt in
101
Tage
12
Std
23
Min
42
Sek
Termine
Start13.02.2027
Ende09.05.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag12:00–18:00
Mittwoch12:00–18:00
Donnerstag12:00–18:00
Freitag12:00–18:00
Samstag12:00–18:00
Sonntag12:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunsthalle Münster
Kunsthalle MünsterHafenweg 28, 48155 Münster

In Münster befindet sich eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Kunst im öffentlichen Raum. Über Jahrzehnte angewachsen, geht ein großer Teil dieser Sammlung der Stadt Münster auf die Skulptur Projekte zurück, die seit der Skulptur Ausstellung in Münster 1977 im Rhythmus von zehn Jahren stattfinden. 1977, 1987, 1997, 2007 und 2017 wurden international renommierte Künstler:innen eingeladen, Kunstwerke im Stadtraum zu realisieren. Im Anschluss an die Ausstellungen konnten einige der künstlerischen Beiträge durch die Stadt Münster, die Westfälische Wilhelms-Universität und das LWL-Museum für Kunst und Kultur erworben werden und somit dauerhaft in der Stadt verbleiben. Somit ist auch die Sammlung der Stadt Münster mit jeder Ausgabe der Skulptur Projekte gewachsen. Mittlerweile befinden sich Werke von so bedeutenden Künstler:innen wie Daniel Buren, Claes Oldenburg, Donald Judd, Rebecca Horn, Per Kirkeby, Maria Nordman, Oscar Tuazon und Silke Wagner im Besitz der Stadt. Und auch jenseits der Skulptur Projekte wird die Sammlung der Stadt Münster immer wieder um Werke ergänzt, zuletzt um Gerhard Richters Installation Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel (2018). Zudem zählen Werke zur Sammlung der Kunst im öffentlichen Raum, die bereits seit den 1950er Jahren im Stadtgebiet platziert wurden, darunter etwa Norbert Krickes Raum-Zeit-Plastik (1955) oder George Rickeys Three Squares Gyratory II (1973–1975). Die Kunst im öffentlichen Raum prägt das Erscheinungsbild der Stadt. Sie handelt von einer Transformation ästhetischer Praxis im 20. Jahrhundert, von einer Neudefinition des Verhältnisses von Kunst und Öffentlichkeit, die die Stadt zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung gemacht hat. Entstanden mit dem Ziel, den Dialog mit der Umwelt und der Gesellschaft zu suchen, entsteht durch die künstlerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Orten nicht nur ästhetisch, sondern auch sozial ein anderer Raum. Die Kunstwerke befragen urbane, soziale und politische Strukturen, die einen Ort definieren. Sie formatieren den Raum und ermöglichen andere Lesarten: eine Entdeckung des Unalltäglichen im Alltag, eine Gegenüberstellung von Momenthaftem im Monumentalen. Für Münster bedeuten die Kunstwerke eine Vielzahl von Orten des Innehaltens, der aufmerksamen Betrachtung und des Nachdenkens. Durch die Skulptur Projekte sowie die Öffentliche Sammlung ist die Stadt zu einem wichtigen Referenzort für eine kritisch-reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst geworden, ebenso wie für Fragen der Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum. Die Verortung im sich stetig verändernden Stadtraum hat sie zu einem Katalysator für eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem sich wandelnden Selbstverständnis der Stadt gemacht. Diese Art von ästhetischem, philosophischem und sozialem Freiraum zu erleben gehört zu den wichtigsten Erfahrungen im Kontext der Kunst im öffentlichen Raum.

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