abgeschlossen
Luxemburg

Video Killed the Radio Star: The 1980s and their Cultural Echoes

Die 1980er Jahre markierten eine Zäsur – zwischen den letzten Zügen des Kalten Krieges und dem Aufstieg des Neoliberalismus unter Thatcher und Reagan vollzog sich ein grundlegender Wandel der westlichen Kultur. Dieses Jahrzehnt wurde von den späten 1970er Jahre geprägt, die das Aufkommen postkolonialer, queerer und feministischer Diskurse mit sich brachten – Diskurse, die damals dominante kulturelle Paradigma herausforderten. Kennzeichnend für diese Periode waren Paradoxien, die zunehmend über Bilder vermittelt wurden. Die gleißende Oberfläche der Popkultur wurde überlagert von den tiefen Rissen der Weltpolitik; neue Technologien kreuzten sich mit alten Ideologien; die Geburt von MTV und der Schatten von Tschernobyl erreichten ihr Publikum durch dieselbe mediatisierte Linse.

 

Ausgehend von der Mudam-Sammlung, internationalen Leihgaben und Archivmaterialien widmet sich Video Killed the Radio Star: The 1980s and Their Cultural Echoes erneut den ‚langen 1980er Jahren‘, einer entscheidenden Periode, die Ende der 1970er Jahre einsetzte und Anfang der 1990er Jahre ausklang, in dem das Bild die Stimme verdrängte, in dem Zugänglichkeit Eigentum ablöste und in dem Macht begann sich in neuen ästhetischen Formen zu vermitteln. Die Ausstellung untersucht die sich wandelnden Wahrnehmungen und Empfindsamkeiten einer Welt im Übergang in ein hypermediatisiertes Zeitalter.

 

Die Mudam-Sammlung ist in diesem Jahrzehnt verwurzelt. Im Jahr seines zwanzigjährigen Jubiläums reflektiert Video Killed the Radio Star: The 1980s and Their Cultural Echoes die intensive Beschäftigung mit dem Erbe der 1980er Jahre. Die Ausstellung untersucht, wie die Veränderungen der 1980er Jahre unsere Gegenwart prägen – sie kehrt zu diesem Jahrzehnt zurück und horcht seinen Echos im Heute nach. Sie reflektiert eine Kontinuität mit unserer zeitgenössischen Geschichte und lädt uns zugleich ein, die blinden Flecken der sogenannten westlichen Kunstgeschichte zu hinterfragen.

 

Aus dieser Perspektive bezieht ihr Parcours Beiträge jüngerer zeitgenössischer Positionen sowie Archivmaterial ein, um eine vielschichtige Argumentation aus den – und rund um die – 1980er Jahre zu entfalten. Die entstehenden Begegnungen erzeugen Verbindungen zwischen den Generationen, befragen die Themen und Ästhetiken der Epoche und zeichnen ihre Fortschreibung in der Gegenwart nach. Eine kritische Auseinandersetzung mit Fotografie und Film zieht sich durch die gesamte Ausstellung: von inszenierter Porträtfotografie und institutionellem Blick hin zur mediatisierten Konstruktion historischer Ereignisse.

 

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile. Der erste untersucht, wie Künstler:innen der 1980er Jahre und der Gegenwart dominante Repräsentationsregime in Fotografie, Malerei, Mode und Institutionskritik herausfordern. Der zweite wendet sich jenen geopolitischen und medialen Transformationen zu, die das Ende des Jahrzehnts prägten – vom Zusammenbruch kommunistischer Regime bis zur Herausbildung einer globalisierten Welt, in der sich die Grenzen zwischen Zentrum, Peripherie und Rändern zunehmend verschieben. Die beiden Teile werden durch das Foyer verbunden, ein Zwischenraum, konstruiert aus doku-mentarischen Archiven, die die Mechanismen des Übergangs von der Demokratisierung der Konsumkultur zur Herausbildung der Aufmerksamkeitsökonomie freilegen.

 

Video Killed the Radio Star schildert die 1980er Jahre als einen kulturellen Wendepunkt, in dem viele der heutigen Werkzeuge, Spannungen und Sehnsüchte erstmals Form annahmen. Die Ausstellung gibt uns Anlass zu fragen, was von dieser Epoche geblieben ist und die heutige Landschaft algorithmischer Einflussnahme, mediatisierter Intimität und Post-Truth-Politik mitprägt – und zu verfolgen, wie die visuellen Codes und politischen Subtexte der 1980er Jahre intersektionalere Lesarten der Postmoderne prägten. Sie nähert sich dem Jahrzehnt als einem letztendlich unabgeschlossenen Projekt, dessen Bilder, visuelle Codes und ideologische Spannungen Wahrnehmung, Glauben und Macht in der Gegenwart weiterhin organisieren. 

 

 

Künstler:innen

 

4FSB | Charles Atlas | Alvin Baltrop | Bernd & Hilla Becher | BLESS | Leigh Bowery | Daniel Buren | Cops | Rhea Dillon | Harun Farocki | General Idea | Günther Förg | Jack Goldenstein | Peter Halley | Anne Imhof | Joyce Joumaa | Isaac Julien | Michel Majerus | Martin Margiela | Park McArthur | Albert Oehlen | Grayson Perry | Sondra Perry | Julika Rudelius | Julian Schnabel | Cindy Sherman | Lorna Simpson | Andrzej Steinbach | Thomas Struth | Andrei Ujică | Vivienne Westwood | Angharad Williams | Martin Wong | Hélène Yamba Giumbi | Leyla Yenrice 

 

Kuratorinnen: Bettina Steinbrügge mit Caroline Honorien und Alexine Taddeï

Termine
Start12.06.2026
Ende11.10.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–21:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Mudam – Das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg
Mudam – Das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg3, Park Dräi Eechelen, 1499 Luxemburg

Die größte Sammlung für zeitgenössische Kunst – inhaltlich wie konzeptuell konsequent international – umfasst mehr als 800 Werke aller Medien von Künstlern aus Luxemburg und der ganzen Welt. Dabei besteht ein kleiner Teil der Sammlung aus Mode- und Designobjekten. Über 54 Werke in der Sammlung waren Auftragsarbeiten für das Mudam und entstanden unter Berücksichtigung seiner spezifischen architektonischen Gegebenheiten. Eckdaten für den Sammlungsaufbau waren die ersten Erwerbungen in den 1990er-Jahren, die Gründung des Museums 1998 und seine Eröffnung 2006. Wenngleich die 1960er-Jahre als historischer Bezugspunkt für die Gegenwartskunst gelten, datiert die Mehrzahl der Werke in der Sammlung aus den Jahren 1989 bis heute. Eine der seltenen Ausnahmen bildet das Möbelensemble für das Paimio-Sanatorium, welches zwischen 1930 und 1933 von dem Architekten Alvar Aalto entworfen und 2000 durch das Mudam erworben wurde. Die Mission des Mudams ist das Sammeln, die Aufbewahrung und die Präsentation der bedeutendsten zeitgenössischen Kunst unserer Zeit und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Mit seinen Ausstellungen, Publikationen und künstlerischen sowie pädagogischen Programmen fördert das Mudam Forschung und Dialog während es dabei der sich wandelnden Natur der Kunst und ihrer Produktion in der Welt besondere Aufmerksamkeit widmet. Das Mudam hat sich zum Ziel gesetzt, ein Referenzmuseum für zeitgenössische Kunst und eine vorbildliche Einrichtung in Luxemburg in Bezug auf künstlerische und kulturelle Exzellenz zu sein. Das Mudam fördert Kreativität, visionäres Denken, Offenheit und kulturelle Teilnahme für alle. Wie Luxemburg hat das Mudam seinen Sitz in Europa mit einer Vision für die ganze Welt. Das Mudam setzt sich für eine integrativere, tolerantere sowie ökologisch und sozial verantwortungsvollere Welt ein, in welcher Museen eine führende Rolle bei der Übertragung unseres zeitgenössischen kulturellen Erbes an künftige Generationen spielen.