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Stuttgart

Where on Earth Are You?

Haytham el-Wardany, Jess Flom, Dani Gal, Patricia Gómez / María Jesús González, Johan Grimonprez, Hassan Khan, Rosalind Nashashibi, Noh Suntag

 

Die Frage, auf welcher Seite man steht, hat in den letzten Jahren (wieder) enorm an Gewicht bekommen: rechts oder links, arm oder reich, auf der Seite Israels oder Palästinas, vor oder hinter dem Grenzzaun. Die einen Positionen sind wählbar, die anderen nicht – doch in beiden Fällen können sie weitreichende gesellschaftliche und existentielle Folgen haben. Nationale Grenzpolitiken verschärfen sich. Wer versucht, diese Grenzen zu durchbrechen, riskiert sein bzw. ihr Leben. Eine ungewünschte politische Haltung kann den Job, die Reputation oder die Förderung kosten. Während die Grenzüberschreiter:innen der Festung Europa ihr Recht auf etwas anderes als ein prekäres Leben mit großem Mut und Beharrlichkeit einfordern, führt auf der anderen Seite des Zauns die Angst vor dem Verlust von Privilegien dazu, dass Haltung, Solidarität und Empathie schwinden. Die Ausstellung Where on Earth Are You? plädiert dafür, mehr Haltung, Solidarität und Empathie zu wagen. Sie zeigt Werke zeitgenössischer Künstler:innen, die den sich zuspitzenden prekären und autoritären Verhältnissen der Gegenwart auf kritische, widerständige und zugleich empathische Weise begegnen. Im Zentrum stehen dabei Konfliktlinien, die von den geopolitischen Neuordnungen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt sind. Der Titel entstammt dem gleichnamigen Essay der britischen Autorin Frances Stonor Saunders (1966–2026) über die Technologien und tödlichen Konsequenzen heutiger Grenzregime.

Ein Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Figur des Geflüchteten: als eine Figur, die jene auf den Geburtsort fixierte Konstruktion des Nationalstaats infragestellt. Anstelle der Dehumanisierung geflüchteter Menschen rückt sie deren Insistieren auf Leben und Zukunft in den Blick.

Ein besonderer Fokus gilt Gaza und anderen besetzten palästinensischen Gebieten, deren von völkerrechtswidriger Gewalt, Vertreibung und Zerstörung geprägten Zuständen in Deutschland trotz zehntausender Toter mit weitgehender Apathie begegnet wird. Die Ausstellung zeigt sie als Schwellenorte zwischen Alltag und Eskalation, Leben und Überleben, Isolation und Solidarität, Gewalt und Fürsorge.

Die zunehmenden ideologischen Verhärtungen und autoritären Politiken erinnern in Teilen an die Atmosphäre des Kalten Krieges. Nord- und Südkorea zählen zu jenen nationalen Gefügen, deren Grenzen bis heute aus den geopolitischen Verwerfungen dieser Epoche resultieren. Die Ausstellung nähert sich dieser Lage ebenso wie Momenten innerhalb des Kalten Krieges, in denen andere Formen von Gemeinschaft als der Nationalstaat möglich schienen – wie sie etwa in den dekolonialen und blockfreien Bewegungen der 1950er- und 1960er-Jahre diskutiert wurden.

Das Display der Ausstellung basiert auf der vorangegangenen Ausstellung resistant theatre von siren eun young jung. Es umfasst eine Plattform für Austausch und Diskussion, die auch im Rahmen von Where on Earth Are You? genutzt wird. Wie in einem Palimpsest schreibt sich die neue in die vorherige Ausstellung ein.

 

Eröffnung: 16. Oktober 2026, 19 Uhr

Diese Ausstellung beginnt in
3
Tage
13
Std
52
Min
50
Sek
Termine
Start17.10.2026
Ende10.01.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–18:00
Mittwoch11:00–20:00
Donnerstag11:00–18:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Veranstaltungsort
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Württembergischer Kunstverein StuttgartSchlossplatz 2, 70173 Stuttgart

Der 1827 gegründete Württembergische Kunstverein, der sich im Zentrum der Stadt Stuttgart direkt am Schlossplatz befindet, gehört mit seinen rund 2.500 Mitgliedern, einer Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche von über 1.700 qm, Werkstätten und einem Atelierhaus zu den größten Kunstvereinen in Deutschland. Sein gleichermaßen lokal wie global ausgerichtetes Programm, das immer wieder neue und ungewöhnliche Formen der Präsentation, Vermittlung und Partizipatio n auslotet, wird nicht nur in Stuttgart, sondern auch auf breiter internationaler Ebene beachtet. Der Kunstverein versteht sich als Ort einer offenen, auch kontroversen Auseinandersetzung mit den vielfältigen Methoden und Praktiken der zeitgenössischen Künste und mit ihren weitreichenden gesellschaftspolitischen Bezugsfeldern. Ausstellung und Debatte, Kunst und Theorie, Forschung und Produktion sind dabei ebenso von Belang, wie das Erproben kollektiver und partizipativer Arbeitsweisen sowie die Öffnung des Hauses für diverse Gemeinschaften. Es geht um einen Handlungsraum, in dem die Beziehungen zwischen Kunst, Künstler:innen, Institution, gesellschaftspolitischen Fragen und verschiedenen Öffentlichkeiten beständig neu ausgehandelt werden: in Gesprächen, Diskussionen, Arbeitsgruppen, Workshops oder Aktionen sowie durch den Zugriff auf Publikationen und andere Materialien und Infrastrukturen. Zu diesen Infrastrukturen zählen nicht zuletzt die Räume des Kunstvereins selbst, die lokalen Akteur:innen und Gruppen als Shared Spaces auch für eigene Treffen, Veranstaltungen und Artikulationen zur Verfügung stehen. Neben dem eigenen Programm finden in den Räumen des Kunstvereins so auch zahlreiche Aktivitäten anderer lokaler Initiativen statt. Der Kunstverein hat keine Sammlung , sondern kann und muss sich und seine Schwerpunkte immer wieder neu definieren. Dies erlaubt es, nahe an der zeitgenössischen Kunst zu arbeiten und lässt Raum für einen offenen Kunstbegriff.