Yui Yaegashi entwickelt ihre Malerei in einer stringenten, dabei offenen Auseinandersetzung mit Systemen. Textile Elemente waren ein wichtiger Ausgangspunkt für ihre künstlerische Praxis und dienten sowohl als formale Komponente als auch als konzeptioneller Anstoß. Sie arbeitet hauptsächlich in Öl auf kleinformatigen Leinwänden und baut ihre Kompositionen anhand selbstauferlegter Regeln auf. Diese legen im Voraus Format, Palette, Werkzeuge und die Reihenfolge der Farbaufträge fest. Diese Parameter schränken die Arbeit nicht ein, sondern bringen sie erst hervor, sodass jedes Bild das Ergebnis eines strukturierten und zugleich kontingenten Prozesses ist.
Die intimen Dimensionen von Yaegashis Gemälden laden zum genauen Hinsehen ein und ziehen die Betrachtenden in eine räumliche und zeitliche Begegnung mit dem Werk hinein. Von Weitem wirken die Kompositionen wie kohärente Strukturen; tritt man jedoch näher, zerfallen sie in Bruchstücke, offenbaren abgelagerte Schichten, verborgene Gesten und Momente des Zögerns, sind luzide, dann wieder mehrdeutig, stabil, nur um sich im nächsten Augenblick aufzulösen. Zeit scheint in ihnen eine wichtige Rolle zu spielen: In einer schnelllebigen Kunstökonomie, die von Aufmerksamkeit lebt und Produktion verlangt, malt Yui Yaegashi in stiller Konzentration eine Ölfarbschicht nach der anderen und wartet oft monatelang darauf, dass die eine trocknet, um die aufgewendete Mühe unter der nächsten zu verbergen. Ein Plädoyer für Langsamkeit und Un-Produktivität wird so zu einem Mittel, der gedankenlosen Geschwindigkeit der zeitgenössischen Kunstwelt zu trotzen.
Künstler:innen
Yui Yaegashi wurde 1985 in Chiba, Japan, geboren und lebt in Tokio, Japan.
Kuratiert von Haris Giannouras