Das Bauhaus Museum Dessau ist anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses am 8. September 2019 eröffnet worden. Bisher war die Präsentation der wertvollen Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau im Bauhausgebäude nur eingeschränkt möglich. In dem neuen Museum gibt es erstmals geeignete Räumlichkeiten für eine umfassende öffentliche Präsentation. Die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau umfasst rund 50.000 katalogisierte Exponate und ist die zweitgrößte Sammlung zum Thema Bauhaus weltweit. Das Museum mit einer Ausstellungsfläche von 2.100 Quadratmetern hat insgesamt eine Nutzfläche von 3.500 Quadratmetern.
Die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau ist die zweitgrößte und gleichzeitig eine der jüngsten Sammlungen zum Bauhaus weltweit: Der erste Ankauf wurde 1976 in der damaligen DDR getätigt, im Zuge der Wiedereröffnung des Bauhaus Dessau als Wissenschaftlich-Kulturelles Zentrum. Seither ist sie stetig gewachsen. Vor allem Schülerarbeiten, Aufzeichnungen aus dem Unterricht, Entwürfe und Prototypen aus den Werkstätten prägen ihr Profil.
Die knapp sieben Jahre Dessauer Bauhaus (1925–1932) waren die Hochphase der Bauhaus-Architektur. Darum befinden sich die meisten Bauhausbauten in Dessau: das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser, die Siedlung Dessau-Törten, das Kornhaus, Haus Fieger, das Stahlhaus und das Arbeitsamt.
Veranstaltungen und Ausstellungen
After modern Brightness. Ecologies of Light
Die 1926 von Marianne Brandt entworfene Lampe ME 94 ist das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen, dem Kapitalismus, kulturellen Veränderungen durch Massenproduktion und Werbung sowie ökologischen Veränderungen im Zusammenhang mit der Elektrifizierung Deutschlands.
Ein Jahrhundert später ist Elektrizität selbstverständlicher Teil unseres Alltags. Doch Stromausfälle oder Energiekrisen machen deutlich, wie eng unser Leben nach wie vor mit materiellen Infrastrukturen verwoben ist. Das Stromnetz, das unsere Städte und Häuser durchzieht, bleibt oft unsichtbar – ebenso wie die komplexen ökologischen, politischen und sozialen Prozesse, die es ermöglichen. After modern brightness. Ecologies of light beleuchtet diese unsichtbaren Verflechtungen, indem sie wichtige Umgebungen in denen Elektrizität erzeugt, verteilt und genutzt wird untersucht. Dabei wird nicht nur die ME 94-Lampe in ihrem historischen Kontext betrachtet, sondern auch gezeigt, wie Design auf technologische wie gesellschaftliche Entwicklungen reagiert – von den Lüftungsöffnungen an Brandts Entwurf bis zu den externalisierten Umweltkosten der Energieerzeugung.
Durch die gesamte Ausstellung zieht sich eine eng vernetzte Geografie der Elektrifizierung. Orte wie Dessau, Zschornewitz, Berlin und Weißwasser sind über Infrastrukturen des Abbaus, der Energieproduktion und des Konsums miteinander verbunden. Diese Stromlandschaften werfen grundlegende Fragen auf: Was bedeutet es heute, sich mit moderner Helligkeit auseinanderzusetzen? Die Gesundheitsrisiken einer kontinuierlichen künstlichen Lichtexposition sind weit verbreitet und gut dokumentiert, sowohl für Menschen als auch für andere Spezies. Dennoch ist unsere Beziehung zur künstlichen Beleuchtung enger denn je zuvor. Die Widersprüche im Kern der modernen Helligkeit bestehen fort: Versprechen von Fortschritt und verbesserten Lebensbedingungen werden von unbeabsichtigten Folgen überschattet, die uns und unsere Umwelt weiterhin prägen.
Eröffnung: 31. Juli 2025, 14–18 Uhr
Mitwirkende
After modern Brightness. Ecologies of Light ist eine Gemeinschaftsarbeit, die von einer internationalen Gruppe von Architekten, Designern, Kuratoren und Forschern im Rahmen der Ausgabe 2025 des Bauhaus Lab Programms in Global Modernism Studies entwickelt wurde.
Die Teilnehmer des Bauhaus Lab 2025 sind: Valena Ammon, Sofia Boarino, Benton Ching, Dominik Hoehn, Jorge Marinho, Sofía Nercasseau, Alina Paias, Lily Chishan Wong, mit Unterstützung von Regina Bittner und Philipp Sack (Stiftung/Akademie Bauhaus Dessau).
Sbstz. Schrift als Kontinuum
Das Leipziger Schriftkollektiv Camelot Typefaces hat für das Bauhaus Dessau den »Variable-Font« Beta Bauhaus entwickelt. Ihre multimediale Installation in der Raumbühne des Bauhaus Museums Dessau befasst sich mit der Gestalt von Buchstaben und ihren digitalen Wandlungsmöglichkeiten. Schriftzeichen nehmen verschiedene Aggregatzustände an; unterschiedliche formale und ideologische Prinzipien kollidieren, konkurrieren und lösen sich auf.
Die Ausstellung befindet sich aktuell im Aufbau, also im »Beta«-Stadium ihrer Entwicklung, und wird zum 12. Dezember fertiggestellt.
Bakelit | Glasur | Farbe. Schenkungen an das Bauhaus Dessau
Wann, wenn nicht jetzt! Ein solches rundes Jubiläum ist der beste Anlass, die Personen zu würdigen, ohne deren Schenkungen die Sammlungen der Stiftung Bauhaus Dessau nicht kontinuierlich bereichert würden. Im Bauhaus Museum Dessau werden ausgewählte Stücke gezeigt, die die Stiftung seit der Eröffnung des Museums 2019 erhielt. Begleitend zur Ausstellung finden in der Veranstaltungsreihe Aus der Vitrine öffentliche Gespräche und Vorträge mit Wissenschaftler:innen und den Schenkenden statt.
Eröffnung: 4. Dezember 2025, 18 Uhr
Soda | Linsen | Fluff. Antje Schiffers
2025 reisen die Künstlerin Antje Schiffers und ihr Partner Thomas Sprenger zu ausgewählten Abbauorten von Rohstoffen. Sie besuchen Fertigungs- und Verkaufsstätten von Zement, Ziegel und Glas in Sachsen-Anhalt, in Kuba und der Türkei. Von ihren Reisen bringen sie Objekte und Geschichten über Begegnungen mit. Diese werden in der Ausstellung auf Regalen aus der ehemaligen Alten Ziegelei in Westeregeln, Sachsen-Anhalt, präsentiert, die heute Industrie- und Baudenkmal sowie Museum ist.
Eröffnung: 12. Februar 2026, 18 Uhr

