Das Clemens Sels Museum Neuss bildet mit seiner Dependance dem Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik, den archäologischen Ausgrabungen im Romaneum und dem Pavillon »Fossa« ein modernes Mehrspartenhaus mit dem Schwerpunkt Kunst. Insbesondere seine Sammlung zum Symbolismus wird international hochgeschätzt. Deutschlandweit besitzt es den bedeutendsten Bestand an Werken des hierzulande nur selten in Sammlungen vertretenen Gustave Moreau, »Vater des Symbolismus« und späterer Lehrer der Fauves sowie Vorbild der Surrealisten. Darüber hinaus machen die hochkarätigen Werke der Alten Kunst, der Präraffaeliten, des Rheinischen Expressionismus, der Kunst der Naiven sowie der Farbmalerei den Bestand des Hauses einzigartig.
Von herausragender Bedeutung sind auch die Funde aus römischer Zeit, die eindrucksvoll belegen, dass Neuss zu den ältesten Städten in Deutschland gehört. Im Sommer 2021 wurde der Niedergermanische Limes in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. So kann Neuss nun mit dem Koenen-Lager und dem Kleinkastell am Reckberg zwei wichtige Standorte mit Weltkulturerbe-Status vorweisen, deren Geschichte im Clemens Sels Museum Neuss lebendig erzählt wird.
Seine Sammlung, seine Wechselausstellungen und sein breites Vermittlungsangebot verleihen dem Clemens Sels Museum Neuss ein unverwechselbares Profil innerhalb der deutschen Museumslandschaft.
Hervorgegangen ist das Clemens Sels Museum Neuss aus dem 1839 gegründeten Altertumsverein. 1908 vermachte Pauline Sels, die Witwe von Dr. Clemens Sels, der Stadt Neuss eine umfangreiche Kunstsammlung sowie einen hohen Geldbetrag, mit dem ein Museum in zentraler Lage gebaut werden sollte. 1912 konnte das Museumsgebäude am Markt der Öffentlichkeit übergeben werden. Nach dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zieht das Museum mit seiner Sammlung ins Obertor. Aufgrund des enorm angewachsenen Museumsbestands wird ein Neubau notwendig. Dieser bei dem Architekten Harald Deilmann in Auftrag gegebene Museumsbau mit einem Übergang zum Obertor wird 1975 eröffnet und 2015 umfangreich saniert.
Das Clemens Sels Museum Neuss befindet sich in kommunaler Trägerschaft. Neben den wichtigen Funktionen des Erwerbens, Bewahrens, Präsentierens, Vermittelns und Erforschens versteht es sich vor allem als lebendige multimediale Plattform und als gesellschaftlich relevanter Ort der Begegnung, an dem ein offener Diskurs zu Kunst und Kultur geführt und die Zukunft aktiv mitgestaltet werden kann.
Daher ist es unser erklärtes Ziel, für alle Bürger:innen der »Neuen deutschen Stadtgesellschaft« einen möglichst barrierefreien Zugang zu unseren kulturellen Angeboten bereitzustellen, wobei analoge zunehmend durch hybride und digitale Formate ergänzt werden.
Das Clemens Sels Museum Neuss sieht sich als lernende und innovative Organisation, deren wichtigste Ressource ihre Mitarbeiter:innen mit ihrer Kreativität, ihren spezifischen Fachkompetenzen, Fähigkeiten und ihrer Leistungsbereitschaft sind. Menschen jeder Herkunft und jeden Alters arbeiten ungeachtet ihrer Lebensweisen gleichberechtigt miteinander.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Untiefen des Raums – Simon Schubert im Feld-Haus
Mit seiner raumgreifenden und vielschichtigen Papierinstallation »Untiefen des Raums« reagiert der Kölner Künstler Simon Schubert unmittelbar auf das Gebäude des Feld-Hauses, einer Architekturskulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby (1939–2018).
Der Ausstellungsraum wird durch Schubert in einen White Cube aus weißem gefaltetem Papier verwandelt. Dabei oszillieren die filigranen Flachreliefs seiner großformatigen Faltungen im Wechselspiel von Licht und Schatten zwischen Grafik und Skulptur, zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Aus dem Papier, das hier zugleich Bildträger und Gestaltungsmaterial ist, treten dabei illusionäre architektonische Räume hervor. Das Verschwinden, die Abwesenheit oder die innere Wahrnehmung von Erinnerung sind immer wiederkehrende Themen im Œuvre des Künstlers. Im Zentrum der Rauminstallation steht eine monumentale, begehbare, mit Grafitpulver beschichtete Papierskulptur.
Simon Schubert wurde 1976 in Köln geboren und studierte bei Prof. Irwin Kamp Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er zudem von 2001-04 Assistent des Schweizer Philosophen Prof. Paul Good war. 2008 erhielt er den ZVAB-PHÖNIX Kunstpreis. 2019 widmete ihm das Museum Morsbroich in Leverkusen eine große Einzelausstellung.
Antike Reloaded – Von Asterix bis Amor
Die Faszination für die Antike ist bis heute ungebrochen. Doch wie hat sich der Blick auf diese Epoche über die Jahrhunderte hinweg verändert? Gemälde und Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Comics geben Auskunft über die Antike als reiche Inspirationsquelle und ihre vielgestaltigen Einflüsse auf Mythen und Mode, auf Architektur und Bildhauerei. Anhand von rund 100 Werken des 16. bis 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Clemens Sels Museums Neuss zeigt sich einmal mehr, was »Antike Reloaded« bedeuten kann.
Die Begeisterung für Erzählungen der Mythologie rund um das Leben, Lieben und Leiden von Venus, Mars, Amor & Co. erlebt aktuell insbesondere in der Popkultur eine wahre Renaissance – von Serien und Filmen über Romane und Comics bis hin zu Computerspielen. Die Abenteuer antiker Götter und Göttinnen, Helden und Heldinnen waren bereits für Künstler:innen seit der frühen Neuzeit eine Quelle der Inspiration. Die einstige Allgegenwart mythologischer Themen lässt sich eindrücklich an zahlreichen Werken nachvollziehen: von Sonnengott Apollo und der Jagdgöttin Diana bis hin zu Herkules und fabelhaften Monstern wie der Sphinx oder dem dreiköpfigen Höllenhund Zerberus. Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Drucke von Gustave Moreau, Odilon Redon oder Ker Xavier-Roussel, Walter Crane, Max Klinger und Hendrick Goltzius laden zu einem spannenden Streifzug durch die Welt antiker Mythen und Sagen ein.
Auch der Einfluss der antiken Mode auf die künstlerischen Darstellungen von Bekleidung ab dem 16. Jahrhundert lässt sich in vielfachen Varianten nachweisen. Die Gewänder – von Tunika und Toga bis hin zur antiken Rüstung – inspirierten und beflügelten das Schaffen vieler Künstler:innen. So lassen sich in Werken von Albrecht Dürer und Georg Pencz über Angelika Kauffmann und Dante Gabriel Rossetti bis hin zu Max Klinger und James Ensor vielgestaltige Formen von antikisierenden Bekleidungsstücken finden.
Seit Goethes berühmter Reise verbinden sich mit Italien südliche Sehnsuchtsbilder, die viele Künstlergenerationen magisch anzogen. Über Jahrhunderte hinweg war Rom Traum und Ziel unzähliger Reisender. Namhafte Künstler:innen von Giovanni Battista Piranesi über Guido Reni bis hin zu Johann Wilhelm Schirmer folgten den Spuren jener Grand Tour, die seit dem späten 16. Jahrhundert Adelige nach Italien unternommen hatten. Sie ließen sich von den antiken Schätzen und der lichtdurchfluteten Campagna inspirieren und setzten Rom in zahlreichen Arbeiten ein faszinierendes Denkmal.
»Die spinnen, die Römer!« – Dieser Ausspruch der Comic-Helden Asterix und Obelix ist längst legendär. Die beiden unerschrockenen Gallier hatten ihren ersten Auftritt 1961 und noch immer erfreuen sich die Kultfiguren aus Frankreich großer Beliebtheit. Die erfolgreichsten Comicfiguren Europas prägten über Generationen das Bild der römischen Antike. Eine gezielte Auswahl historischer Comics, Animationszellen und -zeichnungen sowie Spielfiguren lädt zu einer Zeitreise in das Jahr 50 v. Chr. ein, als ganz Gallien von den Römern besetzt war. Und in einer Comic-Leseecke können Besucher:innen in allen bisher erschienen Asterix-Heften nach Herzenslust schmökern.
Eröffnung: 30. November 2025, 11:30 Uhr

