C/O Berlin ist ein Ausstellungshaus für Fotografie und visuelle Medien. Als gemeinnützige Stiftung präsentiert C/O Berlin Werke renommierter Künstler:innen, fördert junge Talente und lädt zu Entdeckungsreisen durch unsere Bildkultur ein. Als Ort der Begegnung veranstaltet C/O Berlin Artist Talks, Panel Discussions, Film Screenings sowie Führungen und bietet so den Besucher:innen einen direkten Austausch über das Ausstellungsprogramm und aktuelle Debatten der Bildmedien. Die Förderung junger Talente auf ihrem künstlerischen Weg ist ein integraler Bestandteil von C/O Berlin. Als einziger Förderpreis in Europa zeichnet der C/O Berlin Talent Award jährlich ein Tandem aus Artist und Theorist bis 35 Jahre aus.
Der Bereich C/O Berlin Education ergänzt das Programm um den wichtigen Teil der visuellen Bildung und Kunstvermittlung. Die Formate Junior, Teens, Adults und Perspectives bieten die Möglichkeit, Fotografie, Film und Design unter professionellen Bedingungen kennen zu lernen und spielerisch in eigene Ideen umzusetzen.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Graciela Iturbide – Retrospektive
C/O Berlin präsentiert die erste große Retrospektive von Graciela Iturbide (*1942) in Berlin und gibt einen tiefen Einblick in das Werk einer der bedeutendsten Foto-graf:innen Mexikos. In enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entwickelt, zeigt die Ausstellung ikonische Serien sowie bislang unveröffentlichte Aufnahmen und bietet einen Überblick über mehr als fünf Jahrzehnte ihres Schaffens. Iturbide dokumentiert die mexikanische Kultur und beleuchtet die Rolle der Frauen, etwa in den Gemeinschaften der Zapotek:innen in Juchitán, Oaxaca, wo Frauen Machtpositionen innehaben und stereotype Geschlechterrollen durchbrochen werden, oder in ihrer Auseinandersetzung mit Frida Kahlo und ihrer Casa Azul, die das Leben der Künstlerin jenseits des Mythos zeigt. Weitere zentrale Werkgruppen widmen sich der indigenen Gemeinschaft der Seri im Nordwesten Mexikos, dem Ritual der »La Matanza« in der Mixteca- Region sowie selten gezeigten Aufnahmen von Reisen nach Indien und Bangladesch. Während ihre Arbeit oft die Menschen und Kulturen porträtiert, auf die sie ihren Fokus gelegt hat, inspiriert ihre poetische Sensibilität zu einer transzendenten Perspektive, die über die reine Dokumentation hinausgeht. Die Retrospektive zeigt die Entwicklung einer einzigartigen fotografischen Praxis, deren Einfluss weit über Mexiko hinausreicht. Kuratiert von Sophia Greiff und Melissa Harris.
Sheung Yiu – (Inter)faces of Predictions. C/O Berlin Talent Award 2025
In seinem Gewinner-Projekt untersucht Sheung Yiu (*1991), wie Gesichter in unterschiedlichen Kulturen und technologischen Kontexten zur Vorhersage von Charaktereigenschaften und der Zukunft verwendet werden. Er verbindet traditionelle ostasiatische Praktiken der Gesichtsanalyse mit westlichen physiognomischen Theorien sowie zeitgenössischen Gesichtserkennungstechnologien. Anhand der Analyse seines eigenen Gesichts zeigt er auf, wie sowohl historische Glaubenssysteme als auch moderne algorithmische Verfahren ähnliche Vorurteile und stereotype Vorstellungen reproduzieren. Das Projekt lädt dazu ein, kritisch über die Art und Weise nachzudenken, wie wir Gesichter interpretieren und welche Annahmen wir dabei treffen. Indem Yiu historische mit gegenwärtigen Diskursen, Archivmaterial mit eigenen fotografischen Arbeiten und technologische Methoden mit künstlerischer Praxis verbindet, schlägt er inhaltlich wie methodisch eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Wissenschaft. Kuratiert von Veronika Epple.
Dörte Eißfeldt – Archipelago
In Dörte Eißfeldts (*1950) Bildern ist nichts so, wie es scheint – und nichts bleibt, wie es ist. Anstatt Wirklichkeit einfach nur abzubilden, wird Fotografie in ihrem Werk zu einem Medium der Verwandlung. Mit einem zarten, poetischen und stets neugierigen Blick erkundet Eißfeldt die Welt um uns herum, den menschlichen Körper und das Medium selbst. Ein Schneeball schmilzt auf einem Bild, auf einem anderen wirkt er felsartig und wie ein Himmelskörper. Eine Messerklinge erscheint wie ein Megalith, Oberflächen verändern ihre Beschaffenheit, Haut wird metallisch, dann wieder zerbrechlich und porös. Immer wieder lotet Eißfeldt aus, wie Fotografie sich selbst befragt, sich verwandelt und die Grenzen der Wahrnehmung verschiebt. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Zitat von Eißfeldt, in dem sie schreibt: „Fotos sind wie Wale, die ganze Inseln tragen können.“ Die Ausstellung gibt diesem Archipel von Inseln Raum – getragen von den Foto-Walen: Inseln der Bedeutung, der Erinnerung, der Ähnlichkeit oder des Eindrucks eines Moments. Über fünf Jahrzehnte hinweg, mit Schlüsselwerken aus ihrem persönlichen Archiv, großformatigen Serien sowie bislang unveröffentlichten und nie gezeigten Skizzen, Kunst- und Notizbüchern, präsentiert C/O Berlin eine lang erwartete, umfassende institutionelle Ausstellung ihres Schaffens. Kuratiert von Boaz Levin.

