Die Deichtorhallen Hamburg widmen sich der zeitgenössischen Kunst und der Fotografie. Mit ihren drei Häusern – Halle für aktuelle Kunst, Haus der Photographie und Sammlung Falckenberg – an zwei Standorten und einer Ausstellungsfläche von 10.000 qm sind sie eines der größten Ausstellungshäuser dieser Art in Europa.
Die Ausstellungen in den Deichtorhallen bilden die unmittelbare Gegenwart ab, überschreiten dabei Grenzen und Genres. Im Zusammenspiel mit der außergewöhnlichen Architektur der drei Ausstellungshäuser entstehen spektakuläre Ausstellungen auf hohem Niveau, die oftmals in Kooperation mit internationalen Museen umgesetzt werden.
Mit der Sammlung F.C. Gundlach und der Sammlung Falckenberg stehen den Deichtorhallen Hamburg zwei der größten Hamburger Privatsammlungen als Dauerleihgaben zur Verfügung.
Veranstaltungen und Ausstellungen
INTO THE UNSEEN – THE WALTHER COLLECTION
Als eine der weltweit renommiertesten Sammlungen globaler Fotografie umfasst die Walther Collection, die kürzlich dem Metropolitan Museum of Art geschenkt wurde, mehr als 6.500 Werke aus verschiedenen Genres und Regionen des afrikanischen Kontinents, Chinas und Japans.
INTO THE UNSEEN erforscht Themen wie Spiritualität, Trauma, Transformation und Bewegung in den Werken berühmter Fotograf:innen und Künstler:innen wie Yang Fudong, David Goldblatt, Santu Mofokeng, Eadweard Muybridge, Jo Ractliffe, Berni Searle, Cang Xin, Rong Rong, Rotimi Fani-Kayode und Em'kal Eyongakpa.
Die Ausstellung präsentiert zeitgenössische künstlerische Arbeiten, historische Werke und Alltagsfotografien, die das Feld des Sichtbaren überschreiten, und gliedert sich in vier multisensorische Kapitel. Die vielfältigen Sinnesregister der Fotografie aktivierend, lädt INTO THE UNSEEN dazu ein, die hörbaren, taktilen und affektiven Register der Fotografie anzuerkennen.
Die Ausstellung untersucht, was es bedeuten würde, die Fotografie als ein Medium zu verstehen, das alle unsere Sinne anregt – vom haptischen (Berührung) über den akustischen (Klang) bis hin zum olfaktorischen (Geruch) und gustatorischen (Geschmack). Anstatt die Fotografie als ein Werkzeug der Kategorisierung zu verstehen, als eine Modalität zur Erfassung des Realen oder des Wahren, überwinden die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten die Grenzen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, dem Geistigen und dem Körperlichen, dem Stummen und dem Hörbaren, dem Erinnern, dem Imaginierten und dem Verdrängten.
Die Ausstellung wird von Nadine Isabelle Henrich, Kuratorin des Hauses der Fotografie, und Prof. Tina M. Campt, Historikerin und Roger S. Berlind Professor of Humanities an der Princeton University, kuratiert und wurde im Dialog mit Artur Walther entwickelt. Wir danken dem Metropolitan Museum of Art für die Zusammenarbeit bei dieser Ausstellung.
HUGUETTE CALAND – A LIFE IN A FEW LINES
Die libanesische Künstlerin Huguette Caland (1931–2019) widersetzte sich in ihrer fast fünfzigjährigen Karriere konsequent den gesellschaftlichen und ästhetischen Erwartungen ihrer Zeit. Ihr vielseitiges Lebenswerk aus drei Kontinenten steht im Mittelpunkt der in Kooperation mit dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía realisierten Ausstellung. Mit rund 300 Werken eröffnet die Schau A LIFE IN A FEW LINES in den Deichtorhallen Hamburg vom 24. Oktober 2025 bis 26. April 2026 einen neuen Blick auf Calands Schaffen. Sie thematisiert ihren Widerstand gegen soziale und sexuelle Normen und ihren Umgang mit einem Leben zwischen verschiedenen Kulturen und Orten.
Calands künstlerisches Leben war geprägt von ihren Erfahrungen in Beirut, dem freigeistigen Paris und der Bohème in Venice, Kalifornien. Diese Orte spiegeln die politischen, kulturellen und sozialen Strömungen ihrer Zeit wider und beeinflussten ihre Werke nachhaltig. Ihre Kunst – oft sinnlich und mutig – befasst sich mit Themen wie Gemeinschaft, Urbanität, Liebe, dem Älterwerden und der Suche nach Identität.
Geboren in Beirut als Tochter von Bechara El-Khoury, dem ersten Präsidenten des Libanon, wuchs sie in einer elitären politischen Familie auf, entschied sich jedoch früh, den gesellschaftlichen Erwartungen zu trotzen. Caland entschied sich für die Heirat mit Paul Caland, dem Neffen eines politischen Rivalen ihres Vaters. Während ihrer Ehe hatte sie einen Liebhaber, der häufig in ihren Werken auftaucht. 1964 schrieb sich Caland an der Amerikanischen Universität in Beirut für ein Studium der Bildenden Kunst ein. 1970 beschloss sie, nach Paris zu ziehen und ihre Familie und ihren Liebhaber zurückzulassen, um sich ganz ihrer Kunst zu widmen. Später ließ sie sich in Venice, Kalifornien, nieder. 2013 kehrte sie nach Beirut zurück, wo sie bis zu ihrem Tod blieb.
Ihre Werke – farbenfrohe Gemälde, zarte Zeichnungen, Skulpturen und Textilien – spiegeln eine rebellische, lebensbejahende Haltung wider, die Konventionen rund um Schönheit, Begehren und weibliche Identität infrage stellte. Calands faszinierende Mischung aus Abstraktion, figurativen Darstellungen und explizit erotischen Motiven war ihrer Zeit voraus. Heute gilt Caland als Ikone weiblicher Emanzipation und als Inspiration für Künstlerinnen weltweit. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen bekannter Museen wie dem Centre Pompidou in Paris, dem British Museum oder der Tate in London zu finden.

