Die Neue Sammlung im Kunstareal München bewahrt mit rund 120.000 Objekten die größte Designsammlung der Welt und gilt als das erste Designmuseum, lange bevor dieser Begriff geprägt wurde. Ihre Ausstellungsräume sind ein Bestandteil der Pinakothek der Moderne.
Entstanden ist das Museum aus den Bestrebungen der 1903 gegründeten und später in »Münchner Bund« umbenannten »Münchner Vereinigung für angewandte Kunst«. Als nächster Schritt folgte im Mai 1925 die Einrichtung einer »besonderen Abteilung für Gewerbekunst« im Bayerischen Nationalmuseum, die im März 1926 als »Die Neue Sammlung« erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Von Beginn an hat sich Die Neue Sammlung in ihrem Verständnis von den gleichzeitig existierenden Museen für angewandte Kunst oder Museen für Kunst und Gewerbe abgesetzt, indem es sich dezidiert der seinerzeitigen Moderne und damit der zeitgenössischen Formgestaltung verpflichtete. Bis heute prägt dieser Gründungsanspruch die Programmatik der Neuen Sammlung.
Die international ausgerichtete Museumssammlung mit den Schwerpunkten Industrie- und Grafikdesign umfasst auch Kunsthandwerk und Schmuck. Sie gliedert sich in mehr als 20 verschiedene Einzelbereiche, darunter Möbel und Leuchten, Radio- und Fernsehgeräte, Keramik, Metall, Textil oder Glas, aber auch in Themen wie Mobility und IT-Design. Im Bereich Industriedesign gilt Die Neue Sammlung als führend.
Mit den Präsentationen ihres Museumsbestandes, ihren Ausstellungen und ihren vielfältigen Vermittlungsformen spiegelt Die Neue Sammlung die aktuellen Diskurse über die Inhalte und die Gestaltung von Designmuseen, über die Rezeption von Designinhalten und über die aktuelle Bedeutung von Design.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Paula Scher – Type is Image
Paula Scher prägt seit über fünf Jahrzehnten das Grafikdesign mit ihrer innovativen Schöpferkraft. Sie begann ihre Karriere in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren als Art Director. Ihr vielseitiger Umgang mit Typografie erwies sich in dieser Zeit als außerordentlich einflussreich. 1991 wurde sie Partnerin in der New Yorker Niederlassung von Pentagram, der angesehenen, international tätigen Designagentur. Sie leitet dort ein Team, das Markenidentitäten, Beschilderungen, Verpackungen und Publikationen für Kunden aus aller Welt gestaltet.
Schers typografische Arbeit ist von der Überzeugung bestimmt, »dass Worte eine Bedeutung und Schriften Ausdruckskraft haben« – dass die Menschen die Schriften erfassen und die Gefühle, den Esprit, die Kraft, die Schönheit und andere mit ihr verbundene menschliche Empfindungen verstehen, ohne zu lesen. Sie folgte dem frühen Rat einer Lehrkraft, »mit Schriften zu illustrieren«, und hat sich während ihrer gesamten Karriere mit diesem Konzept befasst. Ihre ikonische Markenidentität für The Public Theater mit ihrer aktiven, allumfassenden Typografie trug dazu bei, die grafische Sprache von Institutionen der darstellenden Künste neu zu definieren; ihre Verwendung kundenspezifischer Schriftarten machte diese zu einem bedeutenden Bestandteil modernen Brandings. Im Bereich von Beschilderung und Umgebungsgrafik hat ihre Tätigkeit eine neue Sicht auf Straßen und Gebäude als dynamische Schriftinstallationen eröffnet, während ihre Gemälde und Zeichnungen von Landkarten die Welt handschriftlich neu gestaltet haben.
Mit »Type is Image« setzt Die Neue Sammlung ihre Tradition fort, bedeutende zeitgenössische Designer:innen zu einer ortsspezifischen Installation einzuladen. Paula Scher ist dieser Einladung mit einer begehbaren Werkschau gefolgt, die es dem Publikum ermöglicht, in ihre Welt einzutauchen. Vom Boden über die Wände bis zu hängenden Buchstaben und Plakaten werden die Besucher:innen umgeben von den Arbeiten Paula Schers. Selbst die Vitrinen werden von Buchstaben getragen. Von jedem Standpunkt aus ergeben sich neue Perspektiven und interessante Zusammenspiele verschiedener Arbeiten. In dieser einzigartigen Rauminstallation wird das Werk Paula Schers auf sehr besondere Weise erfahrbar. Die Ausstellung zeigt Auftragsarbeiten von Schers Anfängen bis in die Gegenwart. Vom Erscheinungsbild des Public Theater in New York über die Kampagne für den Strand von Rockaway Beach nach der Zerstörung durch Hurrikan Sandy 2012 bis hin zu ihren Raum- und Fassadengestaltungen wird das gesamte Spektrum von Schers Erscheinungsbildern sichtbar.
100 Jahre – 100 Objekte
Zum 100 jährigen Bestehen der Neuen Sammlung
Anlässlich ihres 100 jährigen Jubiläums plant Die Neue Sammlung eine Ausstellung von 100 Objekten. Die 100 Objekte spiegeln den Reichtum und die Vielfalt der Neuen Sammlung.
Diese Auswahl zeigt neben zahlreichen ikonischen Werken viele unbekannte Schätze, die bislang noch nie in der Pinakothek der Moderne zu sehen waren.
Die ungewöhnliche Präsentation folgt nicht einer traditionellen Chronologie, sondern richtet den Blick auf die Zeit, in der die Objekte ins Museum gelangten. So ermöglicht die Sortierung nach Erwerbsjahren einen neuen Blick auf die Sammlungsgeschichte des Hauses Wann wurde etwas gesammelt? Folgen die Erwerbungen nach neuester Forschung oder Moden? Wie haben sich die Sammlungsgebiete über die Jahre entwickelt?
Die Präsentation bildet Tendenzen, Erkenntnisse und Einflüsse ab, um die Sammlung neu zu befragen und erlebbar zu machen.
Robotic Worlds – Ein neuer Raum in der Neuen Sammlung
Zu Beginn des sogenannten Zeitalters der Roboter widmet sich Die Neue Sammlung diesen vergleichsweise jungen Zeitgenossen des Menschen. Seit über 100 Jahren prägen Roboter unsere Vorstellungen von zukünftigen und parallelen Welten. In den letzten Jahren sind sie fester Bestandteil unseres Alltags geworden. Expert*innen zufolge werden ihre Einsatzgebiete in den kommenden Jahren rasant zunehmen.
An diesem historischen Wendepunkt richtet die Ausstellung den Blick auf die menschliche Vorstellung von Robotern sowie ihre reale Form und Funktion. Präsentiert werden herausragende Roboter und Roboter-Spielfiguren von ca. 1960 bis heute. Sie zeigen sowohl, welche menschlichen Fantasien und utopischen Welten mit Robotern verbunden, als auch die verschiedenen Umsetzungen und Gestaltungen funktionaler Roboter.
Die Spielfiguren sind meist der Mensch- und Tierwelt eher unähnlich, sie erscheinen als kraftstrotzende, zu übermenschlichen Taten fähige Automaten. Tatsächliche Roboter zeigen ein vielfältigeres Bild, das je nach Einsatzgebiet stark variiert. Haushaltshelfer und echte Spielzeugroboter wurden in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren meist in Tierform ausgeführt, um sie dem vertrauten Bereich der Haus- und Nutztiere zuzuordnen. In jüngerer Zeit sind einige Service-Roboter auch neutral gehalten. Die humanoiden Roboter des letzten Jahrzehnts bis in unsere Gegenwart werden hingegen dem Menschen immer ähnlicher, und sie übernehmen auch menschliche Aufgabenbereiche, von der Konversation über das Erledigen von Haushaltsarbeiten bis hin zu automatisierten Pfleger:innen und Ärzt:innen.
Präsentiert werden Meilensteine der Roboterentwicklung aus der eigenen Sammlung sowie spektakuläre Leihgaben des Lehrstuhls für Kognitive Systeme der TU München, die diesen Bestand durch lebensgroße humanoide Roboter ergänzen. So können unterschiedliche Einsatzgebiete der Robotik gezeigt werden, wie Haushalt, Industrie, Rettungswesen, Kommunikation und Pflege sowie Forschung und Bildung.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit Prof. Gordon Cheng und dem Lehrstuhl für Kognitive Systeme der TU München. Robotic Worlds ist Teil der Neugestaltung des Ausstellungsrundgangs zum 100-jährigen Jubiläum der Neuen Sammlung, die neue thematische Schwerpunkte setzt.
Das Raumkonzept einer Fertigungsstraße wurde von dem Münchner Designbüro OHA Office (Office Heinzelmann Ayadi) entwickelt.

