Hagen
Museum

Emil Schumacher Museum Hagen

Museumsplatz 2, 58095 Hagen

Am 28. August 2009 ist das Emil Schumacher Museum in Hagen eröffnet worden. Das Haus ist dem Lebenswerk des Hagener Künstlers Emil Schumacher gewidmet, einem der bedeutendsten Vertreter expressiver Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auf drei Stockwerken werden die Gemälde, Arbeiten auf Papier, Keramik und Porzellane Emil Schumachers in wechselnden Präsentationen gezeigt.

 

Die Sammlung des Emil Schumacher Museums geht auf eine Stiftung Dr. Ulrich Schumachers, des Sohnes des Künstlers zurück. Sie umfasst 88 Ölgemälde aus den Jahren 1936 bis 1999, 200 Gouachen, Grafik, 25 Keramiken, 50 Bilder auf Porzellan und 10 Malereien auf Schiefer, insgesamt über 500 Werke. Zur Sammlung gehören zudem 100 Werke aus dem Besitz der Stadt Hagen.  

 

Das ESMH versteht sich als Zentrum der Erforschung expressiver Malerei nach 1945. Mit seinem Ausstellungsprogramm wird es den Künstler Emil Schumacher im Zusammenhang mit parallelen internationalen Entwicklungen der Kunst und seinem zeitlichen Umfeld präsentieren. Darüber hinaus wird es in regelmäßigen Ausstellungen junge zeitgenössische Künstler vorstellen, deren Arbeit in formaler oder inhaltlicher Nähe zum Werk Schumachers steht.     

Veranstaltungen und Ausstellungen

05.07.26 - 01.11.26

EMILIO VEDOVA – MEHR ALS BEWEGUNG UM IHRER SELBST WILLEN

Die Ausstellung »Emilio Vedova – Mehr als Bewegung um ihrer selbst willen « widmet sich dem Schaffen des venezianischen Informellen Emilio Vedova (1919–2006) und nimmt insbesondere dessen Arbeiten der 1960er-Jahre in den Blick, die während seines Aufenthalts im Nachkriegsdeutschland entstanden sind.

Als Vedova 1963 mit einem Stipendium nach Berlin kam, hatte er sich in der westdeutschen Kunstszene bereits einen Namen gemacht — nicht zuletzt durch seine Beteiligungen an den ersten beiden documenta-Ausstellungen in Kassel.

Die junge Bundesrepublik stand zu dieser Zeit in einem hochbrisanten Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Einerseits war sie noch stark gezeichnet von den Nachwirkungen des Nationalsozialismus und den tiefgreifenden Folgen des Zweiten Weltkrieges, andererseits geprägt durch den gefährlichen Ost-West-Konflikt des Kalten Krieges. Zugleich wuchs das Bedürfnis der Menschen nach Veränderung und Neubestimmung. Diese angespannte Atmosphäre wurde für den Künstler zum entscheidenden Impulsgeber. In der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, aber auch mit den politischen Gegensätzen sowie sozialen und generationenübergreifenden Konflikten seiner Zeit entwickelte Vedova eine Bildsprache von außergewöhnlicher Energie und Dringlichkeit.

Die Ausstellung zeigt rund 30 Werke aus den Jahren 1963 bis 1965, darunter Collagen, Papierarbeiten und insbesondere die sogenannten »Plurimi« – bewegliche Bildtafeln, mit denen Vedova die Grenzen der Malerei aufbrach und diese in den Raum hinein erweiterte. Die von großer Dynamik und expressiver Kraft zeugenden Objekte zwischen Malerei und raumgreifender Installation sind nicht allein Ausdruck formaler Experimente, sondern reagieren unmittelbar auf historische Erfahrungen und gesellschaftspolitische Spannungen. Bewegung ist hier nicht ein rein künstlerisches Gestaltungsmittel, sondern vielmehr Träger von Bedeutung — als visuelle Entsprechung von Unruhe, Konflikt und Veränderung. So äußerte Vedova 1964: »Mein Werk ist alles andere als eine Spielerei, Bewegung um ihrer selbst willen, ganz im Gegenteil«.

Mit seiner gestisch-expressiven, dynamischen Malweise steht das Werk Vedovas im Umfeld des Informel, das sich in der Bundesrepublik Deutschland Ende der 1950er- bzw. Anfang der 1960er-Jahre auf seinem Höhepunkt befand. Während viele informelle Künst­lerinnen und Künstler sowie ihr damaliges Publikum die neu gewonnene Freiheit der abstrakten Kunst vor allem formal verstanden, verknüpfte Vedova gestische Abstraktion konsequent mit gesellschaftlichem Engagement. Seine Arbeiten der 1960er-Jahre machen auf eindrückliche Weise sichtbar, welch maßgebliche Rolle Zeitgeschichte für die abstrakte Nachkriegskunst spielte und dass diese sehr wohl als eine politisch aufgeladene Ausdrucksform lesbar ist.

Emil Schumacher (1912–1999) und Emilio Vedova schätzten einander sehr. Die Verbindung zwischen den beiden Malern ist für die Ausstellung im Emil Schumacher Museum von großer Bedeutung: Vedova wie auch Schumacher verkörpern zentrale Positionen des Informel und entwickelten von der gestischen Abstraktion kommend jeweils eigenständige künstlerische Handschriften. Im Land des jeweils anderen erlebten sie große Erfolge. Doch einte sie weit mehr als die formale Nähe und ihre gestisch-expressive Arbeitsweise. Ihr Verhältnis beruhte vielmehr auf ihrer persönlichen Verbundenheit und hohen gegenseitigen Anerkennung.

Emilio Vedova wird nicht nur als einer der wichtigsten Vertreter der europäischen Nachkriegskunst gewürdigt, sondern auch als ein Künstler, dessen Werk tief in die politischen und gesellschaftlichen Debatten seiner Zeit eingebunden ist. Die Ausstellung des informellen Italieners belegt die heutigen Interpretationen des Informel als politischen Ausdruck ihrer Zeit besonders anschaulich.

In Verbindung mit der Schau werden Arbeiten des Malers Bert Jäger (1919–1998) gezeigt, der Emilio Vedova 1962 kennenlernte. Die unter dem Titel »Sucht man nach verwandten Geistern« präsentierten Bilder stammen aus der Sammlung von Irina und Helmut Laaff. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Kunsthaus Dahlem, Berlin, dem Museum Lothar Fischer, Neumarkt in der Oberpfalz, und dem Emil Schumacher Museum, Hagen. Sie entstand mit großzügiger Unterstützung der Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Venedig.

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.) erschienen, herausgegeben von Dorothea Schöne, mit Texten von Rouven Lotz, Philine Pahnke und Dorothea Schöne.

13.09.26 - 17.01.27

Benedikt Hipp – Songs from the Orbs

Mit »Songs from the Orbs« präsentiert das Emil Schumacher Museum eine eigens für Hagen entwickelte Einzelausstellung von Benedikt Hipp (*1977). In Malerei und keramischen Holzbrandarbeiten erforscht der Künstler die schöpferischen Möglichkeiten von Abstraktion und Material. Seine Keramiken entstehen in Prozessen, in denen Ton, Feuer, Asche und Zeit zu aktiven Mitgestaltern werden. Im Ton sucht Hipp zugleich den fernen Ursprung der Materie – ein Gedanke, der seinem Werk eine poetische Dimension verleiht. Die Werkschau bezieht die Architektur des Museums ebenso ein wie die unmittelbare Nachbarschaft der Ausstellungen beider Künstler. So entsteht ein überraschender Dialog zweier Künstlergenerationen, die trotz mehr als sechs Jahrzehnten Abstand verwandte Fragen an Material, Form und Bild sowie nicht zuletzt Abstraktion stellen.

13.09.26 - 20.12.26

Emil Schumacher. Indemini – »Der Erde näher als den Sternen«

Mit »Indemini« ist dem Emil Schumacher Museum eine außergewöhnliche Neuerwerbung gelungen. Das mit drei Metern Höhe geradezu monumentale Werk aus dem Jahr 1974 zählt zu den vier größten Leinwänden Emil Schumachers und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen seines experimentellen Umgangs mit Material. Nur sein Mosaik in der U-Bahn-Station »Colosseo« von Rom oder wenige festverbaute Keramikwände übertreffen diese Bilder in ihren Dimensionen. Jahrzehntelang befand sich dieses wichtige Gemälde als Dauerleihgabe im Saarlandmuseum in Saarbrücken. Im vergangenen Winter konnte die Emil Schumacher Stiftung das Werk aus Privatbesitz erwerben und so nun dauerhaft für die Öffentlichkeit sichern.

 

Die Ausstellung »Emil Schumacher – Indemini. Der Erde näher als den Sternen« rückt diese bedeutende Erwerbung erstmals in den Mittelpunkt einer umfassenden Präsentation. Nach einer Reihe von Ausstellungen zum künstlerischen Umfeld Emil Schumachers widmet das Museum seinem Namensgeber damit erstmals seit fünf Jahren wieder eine große monografische Werkschau. Ausgangspunkt ist Schumachers monumentales Materialbild »Indemini«, in dem Jute, Farbe und Teer zu einer ebenso archaischen wie kraftvollen Bildwelt verschmelzen. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung des Materials für Schumachers Schaffen – von den frühen Arbeiten bis zu seinen späten Werkphasen.

Standort
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Museumsplatz 2, 58095 Hagen
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