Als Haus für Fotografie und Medienkunst weist das Francisco Carolinum im internationalen Kunstdiskurs eine große Relevanz auf und genießt eine hohe Reputation.
Sein Schwerpunkt auf internationalen Positionen macht es zu einem bedeutenden Ort für den globalen Diskurs in der zeitgenössischen Fotografie und Medienkunst.
Die Ausstellungen des Museums, die von traditioneller Fotografie bis hin zu experimenteller Medienkunst reichen, sind für ihre Grenzüberschreitungen und innovativen Perspektiven bekannt. Das Francisco Carolinum hebt sich durch seine Fähigkeit hervor, aktuelle Entwicklungen in den Kunstformen aufzugreifen und sie in einen breiteren kulturellen und sozialen Kontext zu integrieren.
Neben seiner Rolle als Ausstellungsraum fungiert das Francisco Carolinum auch als Plattform für Austausch und Diskussion, was seine internationale Reputation weiter festigt. Es fördert das Verständnis und die Wertschätzung von Medienkunst und Fotografie durch ein vielfältiges Programm, das Führungen, Workshops und Vorträge umfasst. Als Treffpunkt für Künstler, Kritiker und Kunstliebhaber aus aller Welt trägt es wesentlich zur kulturellen Landschaft Österreichs bei und stärkt den internationalen künstlerischen Austausch.
Die umfangreichen Sanierungen der vergangenen drei Jahre sind weitgehend abgeschlossen. Im ersten Halbjahr 2024 erfolgt mit der Eröffnung der Hans Frank-Galerie für die klassische Fotografie im Erdgeschoß ein weiterer Meilenstein. Mit Abschuss der umfassenden Sanierung präsentiert sich das Francisco Carolinum, der bedeutendste Historismusbau in Linz, wieder in seinem ursprünglichen Glanz. Diese Restaurierung hat das historische Gebäude nicht nur konserviert, sondern auch seine ursprüngliche architektonische Pracht wiederhergestellt.
Mit dem Format des Fotomagazins FRANCISCO CAROLINUM setzt das Museum halbjährig einen weiteren Akzent: Hier werden Ausstellungen und Kunstpositionen im Bereich Foto und Medien präsentiert und zur Diskussion gestellt.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Unzensiert. Eine Retrospektive – Annegret Soltau
Annegret Soltau zählt mit ihrer eigenständigen, radikal feministischen Bildsprache zu den bedeutendsten Vertreterinnen der inszenierten Fotografie und Body Art in den 1970er- und 1980er- Jahren. Gesellschaftliche Normen, Körperpolitik und weibliche Identität sind zentrale Themen ihrer Werke. Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Schwangerschaft, Mutterschaft und Familie, in den 1970er- und 1980er-Jahren, in der sie komplexe Gefühlswelten, innere Konflikte und emotionale Zustände freilegt, ist einzigartig.
Ihr Werk macht ihre weibliche Biografie konsequent zum Thema und bricht damit mit gesellschaftlichen Konventionen. Sie hinterfragt Rollenbilder und dekonstruiert Klischees über Mutterschaft und Familie. Bis heute brechen ihre Arbeiten Tabus, wenn sie uns eindringlich mit dem Altern des weiblichen Körpers und Fragen der Vergänglichkeit konfrontieren. Auch technisch geht die Künstlerin ihren eigenen Weg, sie entwickelt die für ihr Werk charakteristische Methode der Fotovernähung und -radierung. Immer wieder verstößt sie mit ihren Arbeiten gegen gesellschaftliche und ästhetische Konventionen und wird von der Öffentlichkeit zensuriert.
Die Retrospektive, konzipiert vom Städel Museum, Frankfurt, kuratiert von Svenja Grosser, rückt ihr Gesamtwerk ins richtige Licht, etabliert die Künstlerin als wichtige Stimme der Gegenwartskunst und zeigt, wie relevant ihre Arbeiten über die Zeit geblieben sind.
conceptual exercises – ewa partum
conceptual exercises ist Ewa Partums erste umfassende Ausstellung in Österreich. Die polnische Künstlerin gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die seit Mitte der 1960er-Jahre in Polen bewusst feministische Intentionen mit konzeptuellen und ästhetischen Strategien verknüpften. Parallel zu ihren Arbeiten mit Buchstaben, die häufig im öffentlichen Raum inszeniert wurden und ihren Mail-Art Aussendungen, setzte sie ihren eigenen nackten Körper als künstlerisches Werkzeug ein.
1972 gründete sie in Łódź die Galeria Adres – zunächst in den Räumen der staatlichen Berufsorganisation des Verbands der Polnischen Bildenden Künstler, später in ihrer eigenen Wohnung. Diese Galerie wurde zu einem Ort des Experimentierens und des internationalen Austauschs, auch über Mail- Art, und verschaffte der Künstlerin Autonomie und Unabhängigkeit gegenüber den männlich dominierten Avantgardekreisen. Ihre Arbeit Eiffel Tower, die sie 1972 in der Galeria Adres präsentierte, ist in der Ausstellung in Linz zu sehen.
Darüber hinaus eroberte die Künstlerin den öffentlichen Raum. In der Ausstellung wird etwa ihre Intervention The Legality of Space gezeigt. 1971 stellte sie auf dem Freiheitsplatz in Łódź Verkehrs- sowie selbst gestaltete Gebots- und Verbotsschilder auf und machte damit auf die Absurdität totaler staatlicher Kontrolle des öffentlichen Raums aufmerksam. Für Change ließ sie 1974 eine Hälfte ihres Gesichts wie das einer gealterten Frau schminken; rund 600 Poster dieser Transformation wurden 1978 in der Stadt plakatiert. In der Arbeit Self-Identification von 1980 collagierte sie ihren nackten Körper in Straßenszenen und betrat zur Ausstellungseröffnung nackt den Gehsteig vor der Galerie – just in dem Moment, als sich dort eine Hochzeitsgesellschaft vor einem Standesamt aufhielt.
My touch is the touch of a woman – dieser Satz steht unter dem lippenstiftroten Kussmund auf einem ihrer Mail-Art-Blätter von 1971, versehen mit der Bemerkung poem by ewa. Ihre conceptual exercises sind ungewöhnlich, intellektuell präzise, klar, gesellschaftlich sprengkräftig – und zugleich sanft und liebevol.
Eröffnung: 26. Februar 2026, 19 Uhr
Anmeldung zur Eröffnung mit dem Kennwort PARTUM bis 24. Februar 2026 unter: [email protected].

