Berlin
Museum

Gemäldegalerie

Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Die Gemäldegalerie besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Meisterwerke aus allen kunsthistorischen Epochen, darunter Gemälde von Jan van Eyck, Pieter Bruegel, Albrecht Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Peter Paul Rubens, Rembrandt und Jan Vermeer van Delft sind hier ausgestellt. Vor allem die deutsche und italienische Malerei des 13. bis 16. sowie die niederländische Malerei des 15. bis 17. Jahrhunderts lassen sich hier ausgezeichnet bewundern und studieren.

 

Ihren Auftritt haben die Gemälde der Sammlung seit 1998 am Kulturforum. Der 1986 ausgeschriebene Wettbewerb für den Neubau der Gemäldegalerie wurde im folgenden Jahr an das Architekturbüro Hilmer & Sattler vergeben. Im Stil preußischer Strenge erhebt sich das schlichte Gebäude, dessen Räume um eine lichte Wandelhalle gruppiert sind, über der ansteigenden Piazzetta.

 

Die schlichte Fassadengestaltung des Gebäudes erinnert in ihrer Zurückhaltung an Karl Friedrich Schinkels Altes Museum. Klassisch proportioniert sind auch die Sammlungsräume. Von der großen Wandelhalle aus kann immer von Neuem in die Ausstellungsräume zurückgekehrt und der Gang durch die Sammlung wieder aufgenommen werden.

Veranstaltungen und Ausstellungen

15.09.26 - 10.01.27

Daniel Chodowiecki 1726–1801 – Berliner Bilder der Aufklärung

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war Daniel Nikolaus Chodowiecki der Superstar unter den Berliner Künstlern. Zu seinem 300. Geburtstag widmet ihm das Kupferstichkabinett in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin eine Kabinettausstellung, die über zwanzig seiner bedeutendsten Werke aus allen Schaffensperioden präsentiert. Sie begeistern bis heute durch ihren feinsinnigen Humor, regen aber auch zum Nachdenken an. Die in ihnen anklingenden und verhandelten gesellschaftspolitischen Themen der Aufklärung haben bis heute nicht an Relevanz verloren.

 

 

Der Abschied des Jean Calas

 

Zum ersten Mal sind die wichtigsten Werke zu Chodowieckis um 1767 entstandener Bildschöpfung zum »Abschied des Jean Calas von seiner Familie« aus drei Sammlungen an einem Ort zu sehen. Die Grundlage für Chodowieckis Komposition war das tragische Schicksal des Toulouser Kaufmanns Jean Calas und damit einer der bekanntesten Justizskandale der Aufklärung.

 

Calas gehörte als lutherisch-reformierter Christ einer im damaligen Frankreich starken Repressionen ausgesetzten religiösen Minderheit an. Als sich einer seiner Söhne 1761 das Leben nahm, versuchte die Familie zunächst den Selbstmord als Mord darzustellen, um dem Sohn ein christliches Begräbnis zu ermöglichen. So geriet schließlich Jean Calas selbst in Verdacht, seinen Sohn aufgrund dessen angeblicher Absicht, zum Katholizismus überzutreten, erwürgt zu haben. Obwohl es keine Beweise für diesen Vorwurf gab, führte der religiöse Fanatismus gegen den Protestantismus dazu, dass Jean Calas zum Tode verurteilt und am 10. März 1762 öffentlich hingerichtet wurde.

 

Entsetzt über diesen Justizmord verfasste der Philosoph Voltaire (1694–1778) die Schrift »Über die Toleranz« (1763) und erreichte 1765 die posthume Rehabilitierung von Jean Calas und seiner Familie.

 

Chodowieckis dramatische und hochemotionale Darstellung des Moments, in dem der zum Tode verurteilte Calas von seiner Familie Abschied nimmt, zählt zu den zentralen Bildern der Aufklärung. Die Komposition sollte Rührung und Empathie auslösen und somit zur moralischen Entwicklung des Publikums beitragen.

 

 

Themen der Aufklärung

 

Neben Chodowieckis malerischem Hauptwerk aus der Gemäldegalerie und sämtlichen zeichnerischen und druckgraphischen Werken, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, zeigt die Ausstellung Rötelzeichnungen Chodowieckis, die ein Berliner Netzwerk der Aufklärung vorstellen, darunter den Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai und den Religionsphilosophen Moses Mendelssohn. Sie stehen stellvertretend für die vielen Intellektuellen ihrer Zeit, die für eine neue Debatten- und Diskurskultur eintraten und gegen Verschwörungstheorien und Esoterik ankämpften. Chodowiecki befasste sich in seinem umfangreichen druckgraphischen und zeichnerischen Werk, aus dem die Ausstellung eine Auswahl zeigt, mit den Themen der Aufklärung wie Bildung, Familie, Gesellschaftsordnung und trug zur Verbreitung der neuen Diskurse bei.

 

 

Chodowiecki 300

 

Die Kabinettausstellung wurde kuratiert von Mailena Mallach (Kupferstichkabinett), Anna Schultz (Akademie der Künste) und Sarah Salomon (Gemäldegalerie) und ist Teil des Netzwerks »Chodowiecki 300«, das den vielseitigen Berliner Künstler zum 300. Geburtstag im Jahr 2026 an verschiedenen Orten feiert.

16.10.26 - 14.03.27

Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka

Wie sehen wir uns selbst – und wie wollten Menschen zu verschiedenen Zeiten gesehen werden? Mit der großen Sonderausstellung »Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka« lädt die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu einer faszinierenden Reise durch die Geschichte des Bildnisses ein. Ungewöhnliche Gegenüberstellungen von Werken aus fünf Jahrhunderten offenbaren verblüffende Gemeinsamkeiten, lassen die Werke auf neue Weise lebendig werden und bieten die Möglichkeit, über Fremd- und Selbstdarstellung, Inszenierung, Rolle und Charakter nachzudenken. Dabei treffen Meisterwerke von Maler:innen wie Botticelli und Lempicka, Dürer und Giorgione oder Rembrandt und Lepsius aufeinander.

 

Das besondere Konzept: Bildnisse aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Regionen und Kulturen kommen in Paaren zusammen und sprechen miteinander. Werke, die sich bisher nie begegnet sind, stehen sich in der Ausstellung erstmals gegenüber und ermöglichen eine frische Auseinandersetzung mit Aspekten wie Identität, Schönheit, Status oder Macht. Die neuen Konstellationen stellen nicht nur vertraute Erzählungen der Kunstgeschichte infrage, sondern machen sichtbar, wie eng individuelle Darstellung und gesellschaftliche Ordnung miteinander verknüpft sind. Denn Porträts sind mehr als nur Abbilder des Äußeren von Menschen. Sie erzählen von Selbstverständnis und Charakter, von Emotion und Inszenierung. Kleidung, Haltung und Accessoires sind Codes sozialer, politischer oder geschlechtlicher Zugehörigkeit.

 

Porträts waren und sind ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation. Durch die Gegenüberstellung von Bildnissen aus unterschiedlichen Regionen und Zeiten werden künstlerische Entscheidungen und visuelle Strategien in der eigenen Anschauung für die Besucher:innen unmittelbar nachvollziehbar und verständlich. In den überraschenden Begegnungen der Werke offenbaren sich Unterschiede in der Gleichzeitigkeit ebenso wie Gemeinsamkeiten in der Ungleichzeitigkeit.

 

 

Rund 80 Meisterwerke in vier Ausstellungskapiteln

 

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die international herausragende Sammlung von Bildnissen der Gemäldegalerie, die durch ausgewählte Leihgaben aus anderen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin ergänzt wird – darunter der Alten Nationalgalerie, der Neuen Nationalgalerie, dem Ägyptischen Museum und der Skulpturensammlung. So entsteht ein vielstimmiges Panorama der Porträtkunst vom 15. bis ins 20. Jahrhundert.

 

Rund 80 Meisterwerke von Künstler:innen wie Petrus Christus, Botticelli, Giorgione, Dürer, Cranach d. Ä., Holbein d. J., Sofonisba Anguissola, Rembrandt, Zurbarán, Anna Dorothea Therbusch, Lovis Corinth, Sabine Lepsius und Tamara de Lempicka breiten eine große Vielfalt der unterschiedlichen Aspekte des Bildnisses aus – vom glanzvollen Herrscherporträt über intime Freundschaftsbilder bis zu stolzen Selbstzeugnissen. Jede Begegnung erzählt eine eigene Geschichte, jede Gegenüberstellung lädt zum Staunen, Vergleichen und Entdecken ein.

 

In vier Ausstellungskapiteln werden verschiedene Formen und Funktionen des Porträts in den Blick genommen. Ein Prolog verweist auf die erstaunlichen, viele Jahrhunderte überbrückenden Konstanten einer mimetischen Bildniskunst und beleuchtet außerdem die Wurzeln der Gattung in Europa.

 

 

Porträttypen diesseits und jenseits der Alpen

 

Das Kapitel zeichnet die Herausbildung der Porträtkunst in Italien und dem Norden während der Renaissance nach. Verschiedene Grundtypen, etwa das nördliche Dreiviertelprofil bei Rogier van der Weyden und das strenge Profil bei Filippo Lippi, sowie die unterschiedlichen Tendenzen zum Naturalismus und zur Idealisierung durchdringen einander schon bald und bestimmen die Entwicklung der Porträtkunst in den folgenden Jahrhunderten.

 

 

Selbstdarstellung der Elite

 

Bildnisse waren ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation und Distinktion. Kleidung, Posen, aber auch die schiere Größe einer Darstellung bekunden Ansprüche und Stellung der Dargestellten. Anthonis Mors Herzogin Margarete von Parma erscheint ebenso im repräsentativen Kniestück und mit herrscherlichem Blick wie Moronis Edelmann Don Gabriel de la Cueva.

 

 

Familie, Freundschaft und Intimität

 

Demgegenüber widmet sich das Kapitel zu Familie, Freundschaft und Intimität den privaten Aspekten des Bildnisses. Verwandte, nahestehende und geliebte Menschen werden in Bildern festgehalten, die der persönlichen Erinnerung dienen – Sofonisba Anguissolas Mutter Bianca blickt ebenso vertraut zu ihrer malenden Tochter wie 380 Jahre später die Frau des Malers Eugen Spiro zu ihrem Mann. Bildnisse von Toten halten den letzten Blick auf Verstorbene fest.

 

 

Bildnisse von Kunstsammler:innen und Künstler:innen

 

In einem abschließenden Kapitel werden Bildnisse von Kunstsammler:innen und Künstler:innen betrachtet. Selbstbildnisse dienen über Jahrhunderte hinweg der Selbsterforschung, aber auch der Verortung der eigenen Person und des eigenen Schaffens in Traditionszusammenhängen. Tizian und Therbusch tragen Seidengewänder und verweisen auf ihren gehobenen gesellschaftlichen Stand, Sabine Lepsius dagegen zeigt sich bei der Arbeit und lässt ihr bewundertes Vorbild Rembrandt erkennen.

 

 

Reflexionen über das »Ich« im Zeitalter von Selfies

 

»Porträts!« ist mehr als eine kunsthistorische Ausstellung, sie ist zugleich eine Reflexion über unsere heutige Bilderwelt: Wie konstruieren wir Identität im Zeitalter von Selfies und Social Media? Wie lesen wir Gesichter? Und was verrät unser Blick über uns selbst? Nirgends lassen sich diese aktuellen Fragen besser studieren und verstehen als im Spiegel von Meisterwerken der Vergangenheit.

 

 

Katalog zur Ausstellung

 

Es erscheint ein reich bebilderter Katalog, der die Werke und ihre wechselseitigen Bezüge vertiefend vorstellt.

 

 

Kuratorisches Team

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Sven Jakstat und Stephan Kemperdick unter Mitarbeit von Marie-Luise Hugler.

Standort
Standort
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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