Das Gerhard-Marcks-Haus versteht sich als ein lebendiges, offenes und barrierefreies Museum für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. Es will Menschen für dieses Thema begeistern und ihnen einen persönlichen Zugang dazu ermöglichen.
Das Museum zeigt Kunst von hoher Qualität einem so breit wie möglichen Publikum. Auf ein diverses Publikum reagiert es durch persönliche Ansprache und Offenheit.
Aus der ursprünglichen Ausrichtung des Museums als »Einkünstlersammlung« für Gerhard Marcks (1889–1981) ergeben sich drei Konsequenzen für das Ausstellungsprogramm. Erstens liegt ein Akzent auf der individuellen visuellen Sprache eines Künstlers. Das Museum zeigt daher fast ausschließlich monografische Ausstellungen. Zweitens gibt es eine Sympathie für figürliche Positionen in der Bildhauerei. Drittens muss das Museum – in der Tradition des Namensgebers – resistent gegen Moden und Mechanismen des Kunstmarkts sein.
Der Kern der Sammlung ist das Œuvre von Gerhard Marcks. Weitere Sammlungsbestände stärken die Position des Gerhard-Marcks-Hauses als Bildhauermuseum. Der Fokus liegt auf der figürlichen Tradition aus dem Umfeld des Namensgebers. Jede Sammlungserweiterung dient dazu, auch in der Zukunft das Werk von Gerhard Marcks und sein Umfeld bis in die Gegenwart hinein repräsentativ zeigen, vermitteln und verleihen zu können. Das Gerhard-Marcks-Haus hat ein großes Interesse daran, dass seine Sammlungsbestände auch außerhalb des Museums wahrgenommen werden können.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Olaf Brzeski – Feast
Erstmals in Deutschland zeigt das Gerhard-Marcks-Haus eine Einzelausstellung des Bildhauers, Zeichners und Filmemachers Olaf Brzeski (geb. 1975). Der Künstler nutzt die Medien, um Geschichten zu erzählen: über sein Leben, seine Ängste, Träume und Visionen. Dabei verbindet er mit großer Leichtigkeit Popkultur, obskure tibetische Mythen und Privates. Brzeski arbeitet in unterschiedlichen Modi und Techniken, die er jedes Mal neu ergründet, mal massiv, mal leicht, fast zeichnend im Raum. Ebenso variiert er den Maßstab seiner Arbeiten, so dass sich Besucher:innen auf sehr unterschiedliche Seherfahrungen freuen können.
Der englische Titel der Ausstellung, »Feast«, kann sowohl Substantiv als auch Verb sein und verbindet all die Aspekte, die dem Künstler wichtig sind. Augenweide, Bewirten, Ergötzen, Feier(n), (ein) Festmahl (bereiten), Schwelgen. Kurz: ein vielseitiges visuelles Festmahl.
Olaf Brzeski lebt und arbeitet in Breslau.
Bildhauerinnen, die Sie kennen sollten – Keine Freundin von ...
Noch heute wird mit großer Selbstverständlichkeit die (falsche) Aussage wiederholt, Künstlerinnen und besonders Bildhauerinnen habe es bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum gegeben. Die Ausstellung macht Bildhauerinnen sichtbar, deren Arbeiten zeitgenössische Beachtung fanden und unverdient in Vergessenheit gerieten. Ausgangspunkt ist dabei Hanna Koschinsky (1884–1939), die mit ihren Plastiken am Puls der Entwicklungen war, an europäischen Hotspots der Bildhauerei erfolgreich ausstellte und arbeitete – und trotzdem heute als unbekannt gilt. Bereichert wird die Ausstellung mit Leihgaben aus der Sammlung K. H. Knauf, u. a. von Lore Friedrich-Gronau (1905–2002), Dorothea von Philipsborn (1894–1971) und Christa Winsloe-Hatvany (1888–1944). Die Präsentation findet im Rahmen des Jubiläumsprogramms »Paula Modersohn-Becker und ihre Weggefährtinnen. Der unteilbare Himmel« (29. Juni 2025 bis 18. Januar 2026) statt.
Bettina Thierig – Bienengedanken und Bodenleben. Künstlerische Forschung in Stein und Druck
Indem die Bildhauerin Bettina Thierig (geb. 1964) Naturbeobachtung, wissenschaftliche Ordnungssysteme und künstlerische Intuition zusammenführt, schafft sie Arbeiten, die gleichermaßen sinnlich erfahrbar sind und zum Nachdenken über das Verhältnis von Mensch, Umwelt und Wissenschaft einladen. Ihre Steinskulpturen sind zurückhaltend im Gestus und fordern durch ihre starke Präsenz zu einem Dialog mit der eigenen Körperlichkeit auf. Auch in ihren Papierarbeiten ist die künstlerische Forschungsarbeit sichtbar. Seit mehreren Jahren widmet sich Thierig der Anatomie der Bienen. Im Besonderen hat sie dabei deren Flügel mithilfe des Mikroskops ins Visier genommen und davon detaillierte Aufnahmen angefertigt. Anschließend arrangiert sie die Strukturen frei und assoziativ neu auf Papier. Zu sehen sind außerdem Linoleumdrucke, die sich mit Bodenerde und deren Lebewesen beschäftigen.

