Im Zentrum Nürnbergs bietet das Germanische Nationalmuseum eine Zeitreise durch 600.000 Jahre europäische Kunst, Kultur und Geschichte. Hoch- und Alltagskultur bilden im größten kulturgeschichtlichen Museum des deutschen Sprachraums eine Einheit und geben einen faszinierenden Einblick in das kulturelle Erbe Europas.
Europäische Kultur lebte schon immer von Austausch. Sie ist wie ein Spiegel antiker, byzantinischer, arabischer und asiatischer Kultur. Das GNM will Einflüsse erkennen, Zusammenhänge verstehen, um Geschichte zu erzählen. Als Leibniz Forschungsmuseum begegnen es diesem Erbe mit Respekt und allen Möglichkeiten der wissenschaftlichen Forschung.
Ein Goldhut der Bronzezeit und der älteste Globus der Welt, die Adlerfibel aus Ravenna oder das Astrolab aus Syrien zeigen die wechselhafte Geschichte des Menschen. Dies genauso eindrücklich wie die meisterhaften Bildwerke Albrecht Dürers oder die Kniende von Wilhelm Lehmbruck.
Der Gang durchs Museum ist auch eine Zeitreise durch die Geschichte der Architektur: Die postmoderne Eingangshalle führt zum gotischen Kartäuserkloster, die grünen Gärten der Innenhöfe spiegeln sich in den Glas-Bauten der Moderne von Sep Ruf – zusammen bilden sie das GNM.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Nürnberg GLOBAL 1300–1600
Die große Sonderausstellung legt den Fokus auf die globalen Vernetzungen Nürnbergs in der Zeit zwischen 1300 und 1600, auf die Bedeutung der Stadt als internationales Handelszentrum in der Mitte Europas und ihren weltweiten kulturellen Austausch. Zugleich reflektiert das GNM kritisch Nürnbergs Rolle in einer zunehmend globalisierten Welt.
Nürnberg war ein Umschlagplatz für Luxusgüter aus aller Welt, doch begründeten auch Geschäftszweige wie der Waffenhandel den Erfolg der Stadt. Kirchen und Herrscherhäuser in ganz Europa bestellten hier Kunstwerke und Preziosen, den größten Teil des Handelsgutes bildete jedoch Massenware aus Serienproduktion.
Doch ging der globale Austausch weit über den Import und Export von Waren und Rohstoffen hinaus. Nürnberger gingen als Pilger, Kaufleute, Diplomaten und Künstler auf Reisen. Ihre Heimatstadt war eine wichtige Drehscheibe für Nachrichten aller Art. Zahlreiche Flugblätter zu den Expansionsreisen der Europäer, zu den Menschen und Tieren in fernen Ländern wurden in Nürnberg gedruckt. Mit dem Behaim-Globus entstand hier der älteste erhaltene Globus der Welt.
Nürnberg importierte globale Rohmaterialien wie Kokosnüsse, Straußeneier oder Meeresschnecken, die die ansässigen Goldschmiede zu exklusiven Pokalen verarbeiteten. Künstler reisten von weit her nach Nürnberg, um ihre Fertigkeiten zu verfeinern, und trugen die neu gewonnenen Kenntnisse in die ganze Welt.
Motive Albrecht Dürers wurden von indischen Buchmalern aufgegriffen, sein berühmtes Nashorn erscheint auf einem Wandbild in Kolumbien.
Doch beleuchtet die Ausstellung auch die Schattenseiten des ersten Zeitalters der Globalisierung. So waren Nürnberger Handelshäuser beteiligt am transatlantischen Versklavungshandel und der Kolonisierung der Amerikas. An der Ostküste Afrikas und in Indien führten sie gemeinsam mit den Portugiesen blutige Wirtschaftskriege.
Die Ausstellung zeigt zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus ganz Europa, die ausnahmslos über einen Nürnberg-Bezug verfügen und die facettenreich die Verwicklungen der Stadt in die frühe Globalgeschichte veranschaulichen.
Baustelle Nürnberg. 550 Jahre Baumeisterbuch des Endres Tucher
in der Dauerausstellung »Renaissance, Barock, Aufklärung«
Nürnberg boomte schon im 15. Jahrhundert: steinerne Gebäude, befestigte Straßen, neue Wasserleitungen – die wachsende Stadt war zu organisieren. Dies lag in der Zuständigkeit des vom Rat bestellten Stadtbaumeisters. Er überwachte die Baustellen, verwaltete Baumaterial, plante Großereignisse wie die Kaiserbesuche, sorgte für Brandschutz und kontrollierte die Nutzung der Wälder und Steinbrüche rund um die Stadt.
Von 1464 bis 1475 hielt der damalige Baumeister Endres Tucher (1423–1507) seine Erfahrungen in einer einzigartigen Handschrift fest – dem Baumeisterbuch. Auf knapp 250 Blättern schrieb er alles nieder, was für seine Nachfolger wichtig war: Arbeitsabläufe, Verantwortlichkeiten, Gefahren und bewährte Lösungen.
Anlässlich des 550. Jubiläums rückt eine Studioausstellung dieses außergewöhnliche Zeugnis ins Zentrum. Gezeigt werden ausgewählte Seiten des Originals, wichtige Quellen zum Bauwesen sowie Objekte aus der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums und Leihgebern, die Tuchers Notizen lebendig machen: Werkzeuge und Materialien, Darstellungen von Handwerkern, Zeugnisse des Katastrophenschutzes und der Organisation von Festen.
Die Ausstellung zeigt, wie nah die Aufgaben der Vergangenheit unserer Gegenwart sind: Nachhaltige Ressourcennutzung, sichere Infrastruktur und das Aushandeln von Interessen mit Machtgefällen prägen bis heute das Stadtleben. Das Baumeisterbuch eröffnet so neue Perspektiven auf das Zusammenleben in der Stadt – damals wie heute.
Die Präsentation entstand in Kooperation mit der Tucher Kulturstiftung und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

