Benannt ist das Gustav-Lübcke-Museum nach einem Bürger der Stadt, nämlich Gustav Lübcke (1868–1925), der 1868 in Hamm zur Welt kam. Er lernte das Handwerk der Buchbinderei und widmete sich dem Sammeln von Kunst, Antiquitäten und Münzen. Sein Glück fand Lübcke in Düsseldorf, wo er die Kunsthändlerin Therese Nüsser (1848–1930) kennen und lieben lernte. Im Ersten Weltkrieg suchte das Paar nach einer sicheren und nachhaltigen Unterbringung für die gemeinsam gesammelten Schätze.
Mit Vertrag vom 3. April 1917 stifteten sie der Stadt Hamm ihre riesige kunsthandwerkliche Sammlung. Im selben Jahr noch zogen Therese und Gustav Lübcke nach Hamm, wo Gustav Lübcke der erste hauptamtliche Museumsleiter wurde. Seither trägt das Museum den Namen des großzügigen Stifters.
Durch Schenkungen und Ankäufe wuchs der Bestand kontinuierlich, so dass die Frage einer angemessenen musealen Unterbringung zusehends brennender wurde. Im 1993 eröffneten neuen Museumsgebäude konnten die Sammlungen mit klaren Strukturen und nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten gegliedert neu präsentiert werden: Neben bildende und angewandte Kunst sowie altägyptische Kulturgeschichte traten nun die Bereiche Stadtgeschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie Numismatik.
Heute zeigt das Gustav-Lübcke-Museum die seit 1886 gesammelten Objekte auf mehr als 4.000 Quadratmetern Fläche und präsentiert immer wieder wechselnde Ausstellungen mit überregionaler Strahlkraft.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Schwarz & Weiß – Kontraste der Sammlung
Eine faszinierende Entdeckungsreise durch die grafische Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums: Über 70 Werke, geschaffen von bedeutenden Künstler:innen, vereint in einer assoziativen Präsentation – vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Schnelle Skizzen, kontrastreiche Drucke, ausdruckstarke Lithografien – die Grafische Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums ist außerordentlich vielfältig. Verbindendes Element für eine Fülle der Grafiken ist jedoch die Dichotomie von »Schwarz« und »Weiß«.
Dieses binäre Kontrastpaar ist gestalterische Mittel, um kraftvolle emotionale Kompositionen zu erzeugen oder minimalistische Konzepte umzusetzen. Gleichzeitig besitzt der Gegensatz zwischen Schwarz und Weiß nicht nur eine ästhetische Tiefe, sondern umfasst in der Kunstgeschichte auch eine symbolische Dimension.
In der Ausstellung wird Schwarz und Weiß daher nicht nur als Farbinstrument präsentiert, sondern auch als Ausdruck von Gegensatzpaaren wie Gut und Böse, Tag und Nacht oder Leben und Tod. Für den spannungsgeladenen Dialog zwischen hell und dunkel, Licht und Schatten wird die Ausstellung auch um Werke aus den Sammlungsbeständen der Malerei und Angewandten Kunst ergänzt.
Mit Werken von: Heinrich Aldegrever, Ernst Barlach, Willi Baumeister, Peter August Böckstiegel, Theodor Brün, Otto Coester, Lovis Corinth, Gustav Deppe, Adolf Erbslöh, Cuno Fischer, Wilhelm Geißler, K.O. Götz, Erich Heckel, Hans Kaiser, Alexander Kanoldt, Käthe Kollwitz, Emmy Kraushaar, Max Liebermann, Gerhard Marcks, Frans Masareel, Wilhelm Morgner, Theo Ortmann, Jacob Pins, Christian Rohlfs, Josef Scharl, Karl Schmidt-Rottluff, Pravoslav Sovak, Hermann Stenner, Eberhard Viegener, Irmgart Wessel-Zumloh, Fritz Winter
Hör mal hin! Hammer Dinge erzählen Stadtgeschichte(n)
Die Jubiläumsausstellung im Gustav-Lübcke-Museum nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch 800 Jahre Stadtgeschichte.
Die Ausstellung richtet sich dabei sowohl an die Menschen aus Hamm und der Umgebung als auch an Besucher:innen, die einen neuen Zugang zur Geschichte der Stadt suchen.
| Das Besondere: Stadtgeschichte wird zum Hörspiel
Ausgangspunkt sind 24 ausgewählte Objekte – Fokusobjekte – anhand derer Geschichte(n) von der Stadtgründung im Jahr 1226 bis heute erzählt werden.
Doch die Geschichten werden nicht nur über Text und Bild, sondern als Hörspiel für die Besucher:innen in der Ausstellung erfahrbar. Jedes der 24 Objekte und damit jede der 24 Geschichten erhält eine eigene Episode in dem Hörspiel, das man über eine App mit Kopfhörern während des Ausstellungsrundgangs anhören kann. Die Ausstellung gibt den Besucher:innen die Möglichkeit, tief in die Geschichte von Hamm einzutauchen und neue, bisher unbekannte Geschichten zu entdecken. Inspiriert von BBC-Podcast „A History of the World in 100 Objects” des britischen Kunsthistorikers Neil MacGregor, setzt das Gustav-Lübcke-Museum ebenfalls auf einen objektzentrierten Zugang: 24 ausgewählte Fokusobjekte aus der stadtgeschichtlichen Sammlung sowie ergänzende Leihgaben dienen als erzählerischer Ausgangspunkt.
Das Hörspiel bietet dabei einen lebendigen und spielerischen Zugang, um in die großen Themen der Stadtgeschichte einzutauchen: In die Preußische Zeit, die Industrialisierung und die Weltkriege. Aber auch persönliche Erlebnisse und Schicksale der Hammer:innen kommen zu Wort, denn die Ausstellung erzählt neben politischen Ereignissen, insbesondere individuelle Perspektiven der Stadtbewohner:innen. Über das Storytelling des Hörspiels entsteht so eine vielschichtige, mehrdimensionale Betrachtung der Stadtgeschichte, die auf unterhaltsame Weise das Interesse der Besucher:innen weckt.
Besucher:innen haben die Wahl zwischen zwei Hörspiel-Versionen: Eines der Hörspiele wird von der erfahrenen Journalistin, Autorin und Redakteurin Bettina Mittelstraß entwickelt. Ein zweites Hörspiel, das sich an Familien und Kinder richtet, wird von der Theaterpädagogin, Autorin und Hörspielmacherin Denise McConnell produziert.
| Beispiel für ein Fokusobjekt: Silberne Teebüchse
Die kunstvolle Teebüchse des Hammer Silberschmieds Christian Hövel zeugt von dessen handwerklichem Können und dem Teehandel in Hamm zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Tee, zunächst ein Luxusgut des Adels, verbreitete sich seit dem 17. Jahrhundert in Europa, auch in Hamm. Die Teebüchse wurde vermutlich in einem wohlhabenden Haushalt genutzt. Noch ist unklar, wer die Auftraggeber:innen waren und wo Tee bereits 1710 in Hamm erhältlich war. Handelsbeziehungen durch lokale Kaufleute und die Hanse könnten eine Rolle gespielt haben.
| Schaudepot & Rollregalanlage
Die Ausstellung zum 800-Jährigen Stadtjubiläum wird zudem von einer Vielzahl an Objekten aus den Museumsdepots begleitet, die im Stil eines Schau-Depots präsentiert werden und die spannende Kulisse für das begehbare Hörspiel bieten. Diese Objekte zeigen 140 Jahre Sammlungsgeschichte und werden erstmalig in dieser Fülle einem breiten Publikum präsentiert. Das begleitende Schaudepot regt dazu an, die Sammlungsbestände in einem anderen Kontext zu erleben und so das Gustav-Lübcke-Museum neu zu erforschen:
Archäologische Gegenstände aus ganz Westfalen, Alltags- und Industrieobjekte sowie herrschaftliche Exponate aus der Stadtgeschichte oder dem Kunsthandwerk aus der umfangreichen Sammlung von Gustav Lübcke, Bildende Kunst aus mehreren Jahrhunderten und Design-Objekte aus den letzten Jahrzehnten finden in der Ausstellung zusammen und weisen auf das Potential an weiteren Geschichten hin, das in den Museumsdepots schlummert.
Die Ausstellung wird in enger Verbindung mit der Modernisierung des Museumsdepots und dem Einbau einer neuen Rollregalanlage durchgeführt.
| Bürger:innen stellen im Museum aus: Mein Hammer Objekt
Zusätzlich haben Hammer Bürger:innen die Möglichkeit, ihre eigenen Hammer Objekte für die Ausstellung vorzuschlagen und so ihre persönliche Verbindung zur Stadtgeschichte einzubringen: Viele Hammer:innen haben zu Hause Gegenstände, die Geschichten von den Menschen und vom Leben in der Stadt Hamm erzählen. Daher möchten wir Euch einladen gemeinsam mit dem Gustav-Lübcke-Museum den Geburtstag der Stadt Hamm zu feiern und Euch mit einem eigenen Exponat an der Ausstellung zu beteiligen! Welche Objekte mit besonderen Hamm-Geschichten habt Ihr zu Hause?
Egal ob Alltagsobjekt, Pokal eines Sportturniers oder ein Gegenstand, den ihr besonders mit Hamm verbindet, wichtig ist, dass Euer Objekt eine spannende Geschichte über die Stadt Hamm und ihre Menschen erzählt.

