München
Museum

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1, 80538 München

1937 als »Haus der Deutschen Kunst« eröffnet, war das Gebäude eines der ersten architektonischen Vorzeigeprojekte des NS-Regimes und ein zentraler Ort von Kunst und Propaganda. Die NS-Kunstpolitik zielte nicht nur darauf ab, die unerwünschte Moderne auszuschalten, sondern basierte wesentlich auf rassistischem Denken und Konstruktionen von Ausschluss und Zugehörigkeit.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst von der amerikanischen Armee als Offizierskasino genutzt. Schon die ersten Kunstausstellungen ab 1946 prägten das Profil des Hauses als Ort für die ehemals verfemte Moderne. Diese Form der »Wiedergutmachung« fand weitreichende Wahrnehmung, sie spiegelte jedoch auch die Haltung der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft wider, die nazistische Vergangenheit vielfach auf Distanz zu halten.

 

Seitdem hat sich das Haus der Kunst in ein internationales Zentrum moderner Kunstausstellungen gewandelt und ist heute ein global agierendes Museum für Gegenwartskunst. Diese Entwicklung umfasst auch die Befragung von Architektur und Erbe. Künstler:innen, die im Haus der Kunst ausstellen, greifen aktiv in diesen Prozess der Auseinandersetzung ein.

Veranstaltungen und Ausstellungen

23.12.24 - 31.12.26

Ausstellung der Ausstellungen

Die »Ausstellung der Ausstellungen« an den Wänden des Südosttreppenhauses ergänzt und setzt die Historische Dokumentation in der Archiv Galerie fort. Als begehbare Chronik konzipiert, bietet sie den Besucher:innen einen umfassenden Überblick über die Ausstellungen seit den 1990er Jahren und lädt dazu ein, den Wandel des Haus der Kunst zu einem wichtigen globalen Zentrum für zeitgenössische Kunst mitzuerleben.

 

Die Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH wurde 1992 gegründet und arbeitet nach einem Modell öffentlicher und privater Finanzierung. Bis heute hat das Haus der Kunst über 300 Ausstellungen organisiert, darunter zahlreiche bedeutende Projekte mit Künstler:innen, die einen nachhaltigen Veränderungsprozess angestoßen haben. Diese Projekte führten zu veränderten Perspektiven auf die Kunstgeschichte, innovativen kuratorischen Ansätzen und ambitionierten Ausstellungskonzepten, die sowohl inhaltlich als auch formal erweitert und neu gedacht wurden.

 

Diese Chronik entstand im Rahmen einer kontinuierlichen Archivierungsarbeit, die die Geschichte und die künstlerischen Programme des Haus der Kunst dokumentiert. Sie bildet die Grundlage für eine vielschichtige Reflexion, die über die Geschichte der eigenen Institution hinausgeht und eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht, um den Blick für die Zukunft zu öffnen.

 

Kuratiert von Sabine Brantl
Grafische Gestaltung: Jean-Pierre Meier, Bureau Borsche

12.06.26 - 07.12.26

Steina: Playback

»Steina: Playback« ist die erste Retrospektive von Steina (geb. 1940, Reykjavík, Island) in Deutsch­­land, einer Wegbereiterin der Video- und Medienkunst. Als klassisch ausge­bil­de­te Violinistin wandte sie sich Ende der 1960er-Jahre dem Medium Video zu und näh­erte sich ihm mit musikalischer Sensibilität. In ihrer Praxis erzeugt sie Bilder durch Klang und umgekehrt. Video wird zur Schwingung, zu einem Strom, der einzelne Elemente in erfahrbare Umgebungen verwandelt. Steina bringt Rhythmus und Resonanz in ihre elek­tronischen Experimente ein und behandelt das Signal als ein Medium, das die Wahr­neh­mung in etwas Veränder­liches und Lebendiges transformiert.

 

Von den frühen dokumen­ta­rischen Experimenten bis hin zu raumgreifenden Mehr­ka­nal-Installationen bezeugt die Ausstellung Steinas lebenslanges Streben nach dem, was sie als »maschinelles Seh­en« bezeichnet: eine spielerische, nicht anthro­pozen­tri­sche Perspektive, die die Wahr­nehmung über die Grenzen des Menschlichen hinaus er­wei­tert. Ihre Praxis verlagerte sich von den Landschaften Islands in die experi­men­tellen Infra­­struk­turen von New York und Buffalo. Heute werden ihre Arbeiten in den wichtig­sten Institutionen der Medien­kunst in ganz Europa gezeigt.

 

»Playback« steht in Resonanz mit unserem weiteren Programm, das generations­übergreifend ausgerichtet ist und bei dem Klang und Musik ein polyfones Rückgrat der Ausstell­ungs­gestaltung bilden. Steinas Environments entfalten sich wie Partituren: Stim­men brechen in Loops, Bilder dehnen sich in rhythmischen Intervallen aus, und Land­schaf­ten schwingen kontrapunktisch mit. Jedes Werk komponiert sich gleichsam selbst in Abhängigkeit von seinem Beziehungsgeflecht – es verändert sich, wird frag­mentiert und polyfon. Steinas Werke bleiben stets offen, sind nie abgeschlossen und tragen ihren Rhythmus weiter wie Echos in einer fortlaufenden Partitur, in der Kunst und Wahr­neh­mung lauschen, sich anpassen und ständig neu orch­estriert werden.

 

Die Ausstellung wird vom MIT List Visual Arts Center in Zusammenarbeit mit dem Buffalo AKG Art Museum organisiert. Sie wird co-kuratiert von Natalie Bell, MIT List Visual Arts Center, und Helga Christoffersen, Buffalo AKG Art Museum. Die ko­or­di­nie­ren­den Kuratorinnen im Haus der Kunst sind Lydia Antoniou und Marlene Mützel.

26.06.26 - 07.02.27

Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures

Unweit des Haus der Kunst fließt der Eisbach, ein Nebenfluss der Isar, durch den Englischen Garten. Seine stehende Welle, auf der Ende der 1970er Jahre die ersten Surfversuche stattfanden, machte ihn weit über die Stadtgrenzen hinaus zu einer Ikone des Flusssurfens und des urbanen Lebens. Was hier verloren geht, verschwindet unter der Oberfläche.

 

Seit 2008 taucht Tao Schirrmacher, Europameister im Flusssurfen, im Eisbach nach den verlorenen Gegenständen. Was mit einem einzelnen Goldring begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer beeindruckenden Sammlung von Fundstücken und Artefakten entwickelt: Schmuck, Autoschlüssel, Uhren, aber auch Patronen und Luftpistolen aus dem Zweiten Weltkrieg, Devotionalien, Werkzeuge, Telefone, Kameras und vieles mehr.

 

Die Funde sind so vielfältig wie die Geschichten, die sie erzählen. Woher kommen sie? Wem haben sie einmal gehört? Manche geben einen Einblick in ihre Vergangenheit, wie etwa zwei Eheringe, die aufgrund übereinstimmender Details und Gravuren offensichtlich zusammengehören. Sind sie gemeinsam verloren gegangen? Oder war es eine bewusste Handlung, eine symbolisch besiegelte Trennung? Wieder andere bewahren ihre Geheimnisse vollständig.

 

Die Objekte erhalten ihre besondere Bedeutung durch die persönlichen Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Ein alter Schlüssel, eine Sonnenbrille oder ein schlichter Ring mögen unscheinbar wirken. Doch sie bewahren Erinnerungen an Menschen, Orte, Erlebnisse oder besondere Momente. Tao Schirrmachers Sammlung eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt und ihre Menschen, erzählt durch die Dinge, die über die Zeit hinweg auf dem Grund des Eisbachs lagen. In einem der bekanntesten Gewässer Münchens ist so ein verborgenes Archiv entstanden, das Spuren und Zeugnisse urbanen Lebens bewahrt.

 

Die Präsentation dieser Sammlung, der Tao Schirrmacher 2008 den Namen »Lost and Drowned« gab, entstand aus dem Wunsch, den Objekten ihre Geschichten zurückzugeben oder neue über sie zu erzählen. Zugleich richtet die Ausstellung den Blick auf die unmittelbare Umgebung des Haus der Kunst und schafft weitere Verbindungen zwischen dem Ausstellungshaus, dem Eisbach und dem Englischen Garten.

 

Gezeigt wird »Eisbach Treasures« in der Archiv Galerie, jenem zentral gelegenen Ausstellungsraum, der das sichtbare Gedächtnis der komplexen Geschichte des Haus der Kunst bildet.

 

Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört die Befragung von Architektur und Erbe zum Programm des Hauses, Künstler:innen, die hier ausstellen, greifen aktiv in diese Auseinandersetzung ein. Über die Jahre haben hier insbesondere unabhängige und subkulturelle Archive ihren Ort gefunden – vom Forum Queeres Archiv München bis zum Plattenlabel Trikont. Viele dieser Bestände dokumentieren Lebenswelten und kulturelle Ausdrucksformen, die unter dem Nationalsozialismus ausgegrenzt oder verfolgt wurden. In diesem Raum lässt Schirrmachers Sammlung das Gedächtnis der Stadt und das des Hauses für einen Moment nebeneinandertreten.

 

Kuratiert von Sabine Brantl

 

 

Tao Schirrmacher

 

Tao Schirrmacher (geb. 1982) versteht sich als Lebenskünstler und ist Industriedesigner, Surfer und Taucher sowie dreifacher Europameister im Rapid Surfen. Seit über zwanzig Jahren gehört er zur Münchner Eisbach-Szene. Bereits ab 2000 suchte er dort nach verlorenen Finnen von Surfbrettern und bemerkte dabei, dass auf dem Grund noch weit mehr zu finden war. Als er 2008 auf einen goldenen Ring stieß, entstand daraus „Lost and Drowned", ein Projekt, in dem er seine Fundstücke sammelt und so nach und nach ein verborgenes Archiv des urbanen Lebens zusammenträgt. In seiner Arbeit fließen die Felder in denen er zu Hause ist zusammen: Wasser, Stadtkultur und Gestaltung.

26.06.26 - 07.02.27

Maria VMier. I follow the wind through the stone

Im Rahmen des jährlichen Auftragsprojekts im Haus der Kunst untersucht der:die in New York lebende Künstler:in Maria VMier (geb. 1985 in Passau, Deutschland) die Beziehung zwischen Individuum und Erinnerung, Architektur und Materialität. Der:die Künstler:in verfolgt einen achtsamen Ansatz ortsspezifischer Praxis, der verborgene Geschichten ans Licht bringt und neue Perspektiven auf das Lernen und Verlernen eröffnet.

 

Durch Gespräche mit Mitarbeiter*innen am Haus der Kunst sammelte VMier Geschichten, Routinen und Beobachtungen, die persönliche und kollektive Verbindungen zum Gebäude offenbarten. Manche entstanden im Laufe weniger Jahre, andere über Jahrzehnte hinweg. Die daraus resultierende dreiteilige Installation ist als Reise in das Innenleben einer Kunstinstitution konzipiert, insbesondere in jene Bereiche, die für die Öffentlichkeit unsichtbar und unzugänglich bleiben – und erkundet die Institution praktisch von innen heraus.

 

Die erste Installation befindet sich am Personaleingang an der Rückseite des Gebäudes. Die verwitterten Metallbuchstaben, die einst an der Fassade des Gebäudes standen (2012–2020), wurden im Innenbereich in einer neuen Anordnung wieder zusammengesetzt. Nachdem sie nicht mehr die Identität des Haus der Kunst repräsentieren, ergeben sie nun einen spielerischen und poetischen Ausdruck: »Bauch der Kunst«. Das Werk lehnt an den Wänden eines Durchgangs, der täglich von Mitarbeiter:innen und Lieferant:innen genutzt wird, und hebt damit einen wesentlichen Teil von Kunstinstitutionen hervor: die Menschen, die den Raum am Leben erhalten und die Werke der Künstler:innen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese Arbeit kann während Open Haus, jeden letzten Freitag im Monat von 16 bis 22 Uhr, besichtigt werden.

 

Zwei große Zeicheninstallationen bilden den Kern des Projekts und befinden sich in der Passage, einem neuen Raum für Einzelprojekte, der an das Auditorium angrenzt und früher Teil der historischen Südgalerie war. Die dichten Farbfelder, mit Tinte und Acryl ausgeführt, basieren auf Frottagen, die mit Graphit und Pigment von den roten Marmorböden in den Fluren angefertigt wurden. Die Arbeiten erfassen das Gebäude somit als fühlbares Archiv, wobei die geschichteten Kompositionen architektonische Beschaffenheiten auf ein Feld aus Abdrücken und Bewegung übertragen. Die Installationen entfalten sich als physische und zeitliche Begegnung und reagieren auf die Symmetrie des Raums, indem sie sich über die Passage erstrecken. Für VMier wird das Zeichnen zu einer Möglichkeit, die massiven Steinmaterialien sichtbar zu machen und die Institution als Ort angesammelter Spuren, Gesten und materieller Erinnerung neu zu denken.

 

Eine neue Serie kleiner Skulpturen aus Aluminiumguss wird in die bestehenden Öffnungen der Marmorsäulen und Wandflächen der Mittelhalle sowie der Eingangsbereiche eingefügt. Die Arbeiten sind inspiriert von Fossilien von Seerosen, die im Saalburger Marmor eingebettet sind – einem Material, das gewählt wurde, um der Halle Erhabenheit zu verleihen, während sie in den 1930er Jahren für nationalsozialistische Propaganda genutzt wurde. Aus Ecken und Spalten hervorbrechend, erscheinen die Skulpturen als geisterhafte Formen, die zwischen Gesichtszügen und organischem Wachstum schweben. Diese subtilen Ausbrüche des Widerstands führen andere Präsenzen in das monumentale Interieur ein und untergraben dessen architektonische und historische Autorität von innen heraus. In Erweiterung dieser Fokussierung auf übersehene architektonische Details dokumentiert ein Künstler:innenbuch, das in Zusammenarbeit mit VMiers langjährigem Kollaborationspartner The New York Board of Taste entstanden ist, die von dem*der Künstler:in im gesamten öffentlichen Raum identifizierten Öffnungen und Spalten. Demnächst erhältlich in der Buchhandlung Walther König im Haus der Kunst.

 

Seit 2021 vergibt Haus der Kunst ortsspezifische Aufträge an Künstler*innen für den Personal Eingang und darüber hinaus.

 

Die Initiative entstand während der Pandemie, um dem Team beim täglichen Betreten des Hauses einen Moment der Inspiration zu bieten und zugleich Künstler*innen aus München und der Region in einem wichtigen Moment ihrer künstlerischen Entwicklung zu begleiten. Seither wurden jährlich ortsspezifische Projekte von Cyrill Lachauer, Jan Erbelding, Paul Valentin, Luisa Baldhuber, und Gülbin Ünlü realisiert.

 

Kuratiert von Xue Tan

 

Das Auftragsprojekt von Maria VMier wird großzügig unterstützt von Sabine und Thomas Bachmaier.

28.06.26 - 26.07.26

Filminstallation | Carlos Casas. KRAKATOA

Ein Vulkan ist niemals nur ein Berg. Er ist ein Riss in der Erdoberfläche, ein Drucksystem, ein stets drohendes multisensorisches Ereignis, ein Archiv der Tiefenzeit. In seiner immersiven audiovisuellen Installation KRAKATOA (2026) setzt sich der Filmemacher und Künstler Carlos Casas mit dem indonesischen Vulkan als filmischem Thema, ökologischer Schwelle und lebendigem Mythos auseinander. Carlos Casas wird bei der kostenfrei zugänglichen Eröffnung der Installation am Sonntag, 28.6.26 um 18 Uhr im Haus der Kunst anwesend sein und ebenso seinen Film persönlich in München vorstellen.

 

Im Mittelpunkt des Werks steht Kesuma, ein junger Fischer aus Bagan auf einer Bambusplattform in der Nähe von Krakatoa, inspiriert durch die Schilderung von Roni Herliyansah, einem Überlebenden des Ausbruchs von 2018. Seine Reise führt vom Meer zur Insel, von verwüstetem Gelände zu dichter Vegetation, von der Höhle ins imaginäre Innere der Erde. Mit seiner Ouvertüre, vier Teilen und einem Epilog bewegt sich der Film durch wechselnde Wahrnehmungsmodi, von Unterwasserlicht und Drohnenaufnahmen bis hin zu Wärmebildern und mikroskopischen Aufnahmen. Er endet mit einer flackernden Sequenz aus 6.371 Einzelbildern, eines für jeden Kilometer zwischen der Erdkruste und dem Erdkern, unterlegt mit einer Klangkomposition, die aus seismischen Daten abgeleitet wurde. Der letzte Abschnitt entfaltet sich als monumentale und bewegende Hommage an die radikalsten Visionen des experimentellen Kinos des 20. Jahrhunderts.

 

Der Vulkanausbruch von 1883 war weit über den Ort des Geschehens hinaus zu spüren. Sein Lärm war über Tausende von Kilometern hinweg zu hören, seine Asche drang in die Stratosphäre vor und sorgte in den folgenden Monaten weltweit für jene seltsamen Sonnenuntergänge, die damals dokumentiert wurden. Zeitgleich mit der Entstehung der weltweiten Kabelkommunikation und des frühen Kinos wurde Krakatau zu einem der ersten Naturphänomene, das als weltweite Nachricht die Runde machte.

 

Nicolas Beckers Klangkomposition vereint Infraschall, seismische Daten und Feldaufnahmen und stützt sich dabei auf die Gasometer-Aufnahmen des Ausbruchs von 1883, die in der Royal Institution in London aufbewahrt werden. Der Klang ist eine präzise historische Rekonstruktion, während das Bild spekulativ ist. Diese Umkehrung der herkömmlichen Hierarchie, in der das Bild die Fakten vermittelt und der Klang die Atmosphäre schafft, ist eine Prämisse des Werks.

 

Im Haus der Kunst erscheint Landschaft als lebendiges System: Von Philippe Parrenos »El Almendral« (2024), einem unendlichen Film, der in Echtzeit aus einem Mandelhain in Spanien generiert wird, bis hin zu Cyprien Gaillards Auseinandersetzung mit Wasser, Ruinen und stereoskopischer Tiefe wird das bewegte Bild hier als ein Prozess behandelt, der nicht mit der Projektion endet. KRAKATOA erweitert diese Entwicklung auf vulkanisches Terrain.

 

In Zusammenarbeit mit dem Filmfest München setzt Krakatoa das Engagement des Haus der Kunst für das bewegte Bild als räumliche und sinnliche Form fort. Diese Linie steht im Einklang mit Steinas elektronischen Landschaften aus Signalen, Bewegung und Wahrnehmung, die derzeit im Haus der Kunst zu sehen sind, und reicht bis in die bevorstehende Ausstellung von Tomás Saraceno hinein, mit der KRAKATOA die Auseinandersetzung mit ökologischen Systemen, atmosphärischen Kräften und durch gegenseitige Abhängigkeit geprägten Lebensformen teilt.

 

Im Rahmen des Filmfest München wird zudem der Dokumentarfilm REBECCA HORN – DIE SEELE DER DINGE (Neues Deutsches Kino) gezeigt. Rebecca Horn war 2024 mit einer großen Einzelausstellung im Haus der Kunst vertreten. Im Anschluss an die Vorführung am 2.7.26 um 15 Uhr (Theatiner Filmkunst) sprechen die Kuratorinnen Petra Giloy-Hirtz und Dr. Jana Baumann mit der Regisseurin Claudia Müller und der Produzentin Martina Haubrich über das Werk und die außergewöhnliche Persönlichkeit Rebecca Horns.

KRAKATOA von Carlos Casas wird präsentiert von FILMFEST MÜNCHEN in Kooperation mit dem Haus der Kunst München.
Koordinierende Kuratorin am Haus der Kunst ist Lydia Antoniou.

 

Der Eintritt in die Filminstallation ist kostenlos.

 

 

Carlos Casas

 

Carlos Casas (geb. 1974 in Barcelona) ist Filmemacher und Künstler, der in den Bereichen Experimentalfilm, Installation und Ton arbeitet. Seine END-Trilogie (2003–2010), die in Patagonien, am Aralsee und in Sibirien spielt, zeichnet das Leben an den extremsten Rändern des Planeten nach. Avalanche (seit 2009), gedreht in einem verschwindenden Dorf im Pamir, wird für jede Präsentation neu geschnitten und vertont. Mit Sanctuary (Tate Modern, 2017) und Cemetery (2019) entwickelte Casas gemeinsam mit dem Musiker Chris Watson und dem Tonspezialisten Tony Myatt eine Infraschallumgebung rund um die Reise eines Elefanten zu seinem mythischen Friedhof. Neben seinen Filmen hat er ein umfangreiches Werk an Aufnahmen und Veröffentlichungen auf Labels wie Discrepant, Matière Mémoire und Second Sleep produziert.

17.07.26 - 07.02.27

Tomás Saraceno. Verwobene Welten

Tomás Saraceno (geb. 1973, San Miguel de Tucumán, Argentinien) verbindet Kunst, Archi­tektur und Wissenschaft miteinander, um mögliche ökosoziale Zukunftsvisionen zu entwerfen. Die Aus­stellung präsentiert seine zentralen Forschungsprojekte Aerocene und Arach­no­philia sowie eine neue, gemeinsam produzierte Auftragsarbeit, die gemeinsam mit Indigenen Ge­mein­schaften von Red Atacama aus Las Salinas Grandes im Norden Argentiniens entwickelt worden ist. Deren fortwährender Kampf gegen den Lithiumabbau und die damit verbundene Beein­träch­tigung der lebenswichtigen Was­serkreisläufe in der Region bilden den Aus­gangs­punkt für ein Kunstwerk, das sich über die Grenzen des Ausstellungsraums hinaus er­streckt.

 

Im Haus der Kunst materialisieren sich diese Ideen in Gestalt von Luft-Skulpturen, Habitaten für verschiedenste Spezies und Environments, die neue Arten von Auf­merk­sam­keit erfordern. Gemeinsam bieten die Arbeiten eine Plattform, um die Formen der Koexistenz von Menschen und nicht-menschlichen Wesen neu zu überdenken. Sie ge­ben zugleich Anstoß für einen breiteren Dialog über die ökologischen und die sozialen Kräfte, welche die globale Energiewende prägen.

 

Unter Beteiligung zahlreicher Mitwirkender, die die Installationen und das Pro­gramm gestalten, verwandelt die Ausstellung das Gebäude in einen Raum für pla­ne­ta­rische Resonanz. Sie lädt dazu ein, das Haus auf eine andere Art zu erleben. Im Dialog mit weiteren Programmen zeigt sie neue Wege auf, wie wir die verflochtenen Systeme, die uns erhalten, wahrnehmen, uns vorstellen und in ihnen leben können. 

 

Kuratiert von Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni

Standort
Standort
Prinzregentenstraße 1, 80538 München
Öffnungszeiten
Montag10:00–20:00
Dienstaggeschlossen
Mittwoch10:00–20:00
Donnerstag10:00–22:00
Freitag10:00–20:00
Samstag10:00–20:00
Sonntag10:00–20:00
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