Das Haus für Medienkunst Oldenburg ist ein Ort, an dem zeitgenössische Medienkunst ausgestellt und diskutiert wird, wie ein Kanal, durch den Informationen über Kunst, Gesellschaft und neue Medien fließen.
In einem regelmäßig wechselnden Ausstellungsprogramm werden innovative und experimentelle Positionen der internationalen Gegenwartskunst gezeigt. Präsentationen, Künstlergespräche und Workshops fördern den öffentlichen Diskurs über zeitgenössische Kunst und ihr Verhältnis zu der gesellschaftlichen Realität, in der sie entsteht.
Das Haus für Medienkunst unterstützt die Realisierung von mehreren neuen künstlerischen Projekten pro Jahr und leistet damit einen Beitrag zur künstlerischen Produktion, zur experimentellen Zusammenarbeit und zum kritischen Austausch. Wir betrachten diese neuen Auftragsarbeiten als wichtige Inspirationen für die Gestaltung des Programms und der Gesamtausrichtung der Institution.
Das Programm des Hauses für Medienkunst konzentriert sich nicht nur auf die Art und Weise, wie die heutigen Technologien die Gestaltung und Definition künstlerischer Ideen beeinflussen, sondern es würdigt auch Künstler, die die Vision und die Kraft haben, spekulative Entwürfe für die Zukunft zu entwerfen, indem sie die Gegenwart kritisch untersuchen.
Das Haus für Medienkunst wurde unter dem Namen Edith-Russ-Haus für Medienkunst im Jahre 2000 eröffnet. Geleitet wurde es von Rosanne Altstatt (2001–2004), Sabine Himmelsbach (2005–2012), Claudia Giannetti (2013–2014), sowie Edit Molnár & Marcel Schwierin (2015–heute).
Zur Geschichte des Hauses
Das Haus wurde durch eine Schenkung von Edith Ruß (1919–1993) ermöglicht, die Journalistin, Pädagogin und private Kunstsammlerin war. Sie wollte ihre Heimatstadt Oldenburg durch ein Haus der Kunst bereichern, welches „ein würdiger Übergang in das Jahr 2000“ darstellen und ästhetisch an die Architektur des Bauhauses und besonders Mies van der Rohes angelegt sein sollte. Diese Vorstellung bildete die Grundlage für das Konzept des Medienkunsthauses mit seinen Ausstellungsräumen und Wohnungen für eingeladene Künstlerinnen und Künstler. In ihrem Testament wurde weiterhin der Name EDITH-RUSS-HAUS für das Gebäude festgelegt. In die Einrichtung des Hauses flossen zusätzlich Mittel aus dem Vermächtnis der Pädagogin Elisabeth Brand (1898–1993).
Die NS-Vergangenheit der Stifterinnen
Die Stifterin des Edith-Russ-Hauses, Edith Maria Ruß, war Mitglied des BDM (Bund Deutscher Mädel) und der NSDAP (ab 1941). Als Schriftleiterin (der nationalsozialistische Begriff für Redakteurin) für das Feuilleton der nationalsozialistischen Oldenburgischen Staatszeitung hat sie zwischen 1943 und 1945 neben überwiegend ideologiearmen Artikeln auch eine Reihe von Artikeln mit nationalistischem und völkischem Gedankengut veröffentlicht. Nach 1945 hatte sie ihre Parteimitgliedschaft verheimlicht, auch im offiziellen Entnazifizierungsverfahren. Ihre Vergangenheit hat sie auch weiterhin nie kritisch hinterfragt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Edith Ruß Anfang 2024 hat die Stadt Oldenburg bei der Historikerin Dr. Mareike Witkowski und dem Historiker Dr. Joachim Tautz ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Rolle von Edith Ruß im Nationalsozialismus unabhängig beleuchtet. Das Gutachten wurde im September 2024 fertiggestellt.
Im Rahmen dieser Gutachtertätigkeit wurde auch festgestellt, dass die Stifterin Elisabeth Brand ebenfalls Mitglied der NSDAP (ab 1933) war. Sie war weiterhin Mitglied in zahlreichen anderen nationalsozialistischen Organisationen, so in der NS-Frauenschaft, der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, dem NS-Lehrerbund, dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland, dem Reichsluftschutzbund und dem Reichskolonialbund. Für die NS-Frauenschaft Varel war sie Propagandaleiterin und Ortsgruppenkassenwalterin, für die NS-Frauenschaft Oldenburg Blockwalterin.
Das Haus ist umbenannt!
Das Gutachten über Edith Ruß wurde von Dr. Mareike Witkowski am 17.9.2024 im Kulturausschuss des Rates der Stadt Oldenburg vorgestellt. Am 25. Oktober 2024 fand eine öffentliche Diskussion im Kulturzentrum PFL darüber statt. Das Thema wurde in den Kulturausschüssen am 19.11.2024 und 18.2.2025 weiter behandelt, und am 24.2.2025 hat der Rat der Stadt Oldenburg beschlossen, das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Haus für Medienkunst Oldenburg umzubenennen. Das Team des Hauses für Medienkunst unterstützte diese Namensänderung nachdrücklich.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Die Stifterin, der Nationalsozialismus und das Haus
Mit diesem historisch-künstlerischen Experiment lädt das Haus für Medienkunst die Oldenburger Stadtgesellschaft zu einer gemeinsamen Reflexion über die nationalsozialistische Vergangenheit der ehemaligen namensgebenden Stifterin Edith Ruß ein. Die Debatte um die Umbenennung vom Edith-Russ-Haus für Medienkunst zum Haus für Medienkunst Oldenburg wurde 2024 und 2025 kontrovers und emotional geführt, doch differenzierte Perspektiven fanden selten Raum. Unser diskursives Projekt setzt hier an: Wir wollen die Geschichte von Edith Ruß vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse beleuchten und die Komplexität von Erinnerung, Vermächtnis und Verantwortung sichtbar machen.
Das Projekt umfasst drei Teile:
Ein historischer Ausstellungsteil präsentiert vor allem Dokumente und Schriften von Edith Ruß aus der Zeit des Nationalsozialismus. Gezeigt werden die Zeitungsartikel, die sie zwischen 1939 und 1945 verfasst hat, darunter ihre Kurzgeschichte Die sanfte Gewalt. Von ihr gestiftete Bronzeskulpturen und ein gemaltes Portrait aus ihrem Nachlass werden ergänzt um Arbeiten und Lebensgeschichten der Zeit mit Bezug zu Edith Ruß.
Der zweite Teil zeigt zeitgenössische Kunst, die Themen des Nationalsozialismus verhandelt und Kontexte berührt, die auch ihre Lebensentscheidungen prägten.
Für den dritten Teil entsteht in der Ausstellungshalle ein Forum für Vorträge und Präsentationen, das ganz im Zeichen des Dialogs stehen soll. Weiterhin stehen an mehreren Tagen pro Woche Teammitglieder im Kuratorischen Büro als Ansprechpersonen bereit, um den Austausch über die gesamte Dauer zu ermöglichen. In Zeiten, in denen viele Diskussionen und Meinungsbildungen anonym im Internet geführt werden und sich dort emotional aufheizen, möchten wir das direkte Gespräch suchen. Dieses Projekt ist eine Einladung zu Reflektion und Diskussion über die Geschichte des 20. Jahrhunderts, ihren Einfluß auf die Gegenwart und Fragen der persönlichen Verantwortung. Wir möchten in diesem Monat intensiver Debatten alle demokratischen Positionen zu Wort kommen lassen.
Kuratorium: Edit Molnár & Marcel Schwierin
Wissenschaftliche Beratung: Dr. Joachim Tautz

