Oldenburg
Museum

Haus für Medienkunst Oldenburg

Katharinenstraße 23, 26121 Oldenburg

Das Haus für Medienkunst Oldenburg ist ein Ort, an dem zeitgenössische Medienkunst ausgestellt und diskutiert wird, wie ein Kanal, durch den Informationen über Kunst, Gesellschaft und neue Medien fließen.

 

In einem regelmäßig wechselnden Ausstellungsprogramm werden innovative und experimentelle Positionen der internationalen Gegenwartskunst gezeigt. Präsentationen, Künstlergespräche und Workshops fördern den öffentlichen Diskurs über zeitgenössische Kunst und ihr Verhältnis zu der gesellschaftlichen Realität, in der sie entsteht.

 

Das Haus für Medienkunst unterstützt die Realisierung von mehreren neuen künstlerischen Projekten pro Jahr und leistet damit einen Beitrag zur künstlerischen Produktion, zur experimentellen Zusammenarbeit und zum kritischen Austausch. Wir betrachten diese neuen Auftragsarbeiten als wichtige Inspirationen für die Gestaltung des Programms und der Gesamtausrichtung der Institution.

 

Das Programm des Hauses für Medienkunst konzentriert sich nicht nur auf die Art und Weise, wie die heutigen Technologien die Gestaltung und Definition künstlerischer Ideen beeinflussen, sondern es würdigt auch Künstler, die die Vision und die Kraft haben, spekulative Entwürfe für die Zukunft zu entwerfen, indem sie die Gegenwart kritisch untersuchen.

 

Das Haus für Medienkunst wurde unter dem Namen Edith-Russ-Haus für Medienkunst im Jahre 2000 eröffnet. Geleitet wurde es von Rosanne Altstatt (2001–2004), Sabine Himmelsbach (2005–2012), Claudia Giannetti (2013–2014), sowie Edit Molnár & Marcel Schwierin (2015–heute).

 

 

Zur Geschichte des Hauses

 

Das Haus wurde durch eine Schenkung von Edith Ruß (1919–1993) ermöglicht, die Journalistin, Pädagogin und private Kunstsammlerin war. Sie wollte ihre Heimatstadt Oldenburg durch ein Haus der Kunst bereichern, welches »ein würdiger Übergang in das Jahr 2000« darstellen und ästhetisch an die Architektur des Bauhauses und besonders Mies van der Rohes angelegt sein sollte. Diese Vorstellung bildete die Grundlage für das Konzept des Medienkunsthauses mit seinen Ausstellungsräumen und Wohnungen für eingeladene Künstlerinnen und Künstler. In ihrem Testament wurde weiterhin der Name EDITH-RUSS-HAUS für das Gebäude festgelegt. In die Einrichtung des Hauses flossen zusätzlich Mittel aus dem Vermächtnis der Pädagogin Elisabeth Brand (1898–1993).

 

 

Die NS-Vergangenheit der Stifterinnen

 

Die Stifterin des Edith-Russ-Hauses, Edith Maria Ruß, war Mitglied des BDM (Bund Deutscher Mädel) und der NSDAP (ab 1941). Als Schriftleiterin (der nationalsozialistische Begriff für Redakteurin) für das Feuilleton der nationalsozialistischen Oldenburgischen Staatszeitung hat sie zwischen 1943 und 1945 neben überwiegend ideologiearmen Artikeln auch eine Reihe von Artikeln mit nationalistischem und völkischem Gedankengut veröffentlicht. Nach 1945 hatte sie ihre Parteimitgliedschaft verheimlicht, auch im offiziellen Entnazifizierungsverfahren. Ihre Vergangenheit hat sie auch weiterhin nie kritisch hinterfragt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Edith Ruß Anfang 2024 hat die Stadt Oldenburg bei der Historikerin Dr. Mareike Witkowski und dem Historiker Dr. Joachim Tautz ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Rolle von Edith Ruß im Nationalsozialismus unabhängig beleuchtet. Das Gutachten wurde im September 2024 fertiggestellt.

 

Im Rahmen dieser Gutachtertätigkeit wurde auch festgestellt, dass die Stifterin Elisabeth Brand ebenfalls Mitglied der NSDAP (ab 1933) war. Sie war weiterhin Mitglied in zahlreichen anderen nationalsozialistischen Organisationen, so in der NS-Frauenschaft, der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, dem NS-Lehrerbund, dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland, dem Reichsluftschutzbund und dem Reichskolonialbund. Für die NS-Frauenschaft Varel war sie Propagandaleiterin und Ortsgruppenkassenwalterin, für die NS-Frauenschaft Oldenburg Blockwalterin. 

 

 

Das Haus ist umbenannt!

 

Das Gutachten über Edith Ruß wurde von Dr. Mareike Witkowski am 17.9.2024 im Kulturausschuss des Rates der Stadt Oldenburg vorgestellt. Am 25. Oktober 2024 fand eine öffentliche Diskussion im Kulturzentrum PFL darüber statt. Das Thema wurde in den Kulturausschüssen am 19.11.2024 und 18.2.2025 weiter behandelt, und am 24.2.2025 hat der Rat der Stadt Oldenburg beschlossen, das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Haus für Medienkunst Oldenburg umzubenennen. Das Team des Hauses für Medienkunst unterstützte diese Namensänderung nachdrücklich.

Veranstaltungen und Ausstellungen

05.09.26 - 01.11.26

Wreckage – Jane Jin Kaisen

Das Haus für Medienkunst Oldenburg präsentiert in den historischen Räumen des Pulverturms eine Soloausstellung der dänisch-südkoreanischen Künstlerin Jane Jin Kaisen – eine ortsspezifische Installation aus drei poetischen, immersiven Videoarbeiten, die auf ausführlichen historischen Recherchen beruhen. Neben Offering (2023) und Wreckage (2024) ist eine dritte, neu produzierte Arbeit zu sehen, die auf die Architektur des Pulverturms reagiert.

 

Kaisen ist eine Nachfahrin von Haenyeo (Seefrauen)-Taucherinnen der Insel Jeju, die berühmt sind für ihre Fähigkeit, ohne Ausrüstung lange in großer Tiefe zu tauchen. Kaisen hat aus dem Blickwinkel von Koreas kolonialer Vergangenheit über 15 Jahre zur Geschichte der Haenyeo geforscht. Darin wird das Meer zur Bedrohung, aber auch zu einem Versprechen; es ist ein Archiv von Erinnerungen und ein Gefäß für matrilineares Wissen. Die Künstlerin arbeitete mit einer Gruppe von Apnoe-Taucherinnen zusammen, die sich für den Umweltschutz engagieren; gemeinsam mit ihnen entwickelte Kaisen eine Unterwasser-Choreografie, die auf schamanischen Mythen des Meeres beruht. Dabei kommen auch Sochang zum Einsatz; diese langen, weißen Tücher spielen als Symbol für den Kreislauf von menschlichem Leben und Tod eine zentrale Rolle in koreanischen Initiationsriten. Die in Zeitlupe laufenden Arbeiten stellen den Ozean als Gefäß und Medium des Wissens und matrilinearer Verbindungen dar, aber auch als einen Ort des Exils und des Todes.

 

»Wir befinden uns unter Wasser«, schreibt die Soziologin Avery F. Gordon über Kaisens Arbeit, »und zugleich sind wir in der Unterwelt. Ich wurde herbeigerufen. Der Grund liegt in dem Schwellenbereich, wo die Tiefe des Wassers und die Oberfläche des Wassers an seinem vertikalen Rand aufeinandertreffen.« – Avery F. Gordon, »Descending upon the Wreckage«, in: Jane Jin Kaisen, Island Beyond the Sea (Mousse Publishing, in Vorbereitung).

 

Die Installation ist durchzogen von Einteilungen und Schwellen – in Bereiche über und unter Wasser, aber auch im Hinblick auf Geschichte und Politik. Die Struktur der Videoarbeit Wreckage verbindet zwei miteinander zusammenhängende Erzählungen: Die eine wird durch filmisches Archivmaterial vom Oktober 1945 erzählt, das in Zeitlupe zeigt, wie Soldaten auf Befehl der US-Armee japanische Waffen ins Meer werfen; die andere ist das Trauerlied einer Mutter, das an den grausamen Tod ihres Sohnes erinnert. Durch das Jeju-Massaker, das 1947–48 während der US-amerikanischen Besatzung begann, starben unzählige Menschen, deren Leichen ins Meer geworfen wurden. Wreckage vermittelt diese Tragödie durch ein Klagelied, gesungenen von der inzwischen verstorbenen Schamanin Koh Sunahn, einer Überlebenden des Massakers, deren Leben Kaisen ein Jahrzehnt lang dokumentierte; ihre Stimme wechselt zwischen der Mutter und dem ertrunkenen Sohn.

 

In Offering erscheinen würdevolle weibliche Gestalten mit Opfergaben, die auf schamanische Rituale anspielen; sie laden die Betrachtenden ein, die Szenen im Kontext von Spiritualität und Trauer zu deuten.

 

Die Ausstellung nutzt beide Ebenen des Pulverturms. Sie präsentiert zwei Arbeiten unter der Kuppel des Dachgeschosses und eine Projektion auf dem Boden des unteren Stockwerks, die durch eine kreisförmige Öffnung zu sehen ist – eine vertikale Sichtachse, die beide Welten miteinander verbindet. Die Klanglandschaften der beiden Videos verbinden sich in der einzigartigen, kuppelförmigen Architektur des Pulverturms und erzeugen eine besondere Atmosphäre. Sie erlaubt es dem Publikum, ebenso in die Unterwasserwelt einzutauchen, die in den Arbeiten zu sehen ist, wie auch in die Architektur des Ausstellungsorts.

 

Jane Jin Kaisens (* 1980 auf Jeju Island, Korea, lebt in Dänemark) poetisches, polyphones und feministisches Werk umfasst Videos, Filme, Fotografien, Performances und Texte; es erforscht Erinnerungen, Migration, Grenzen und den Raum, in dem gelebte Erfahrung und politische Geschichte aufeinandertreffen. Kaisen vertrat Südkorea auf der 58. Venedig-Biennale, und ihre Arbeiten wurden in einem breiten Spektrum von Kontexten weltweit ausgestellt. Sie war von 2020 bis 2026 Professorin für Medienkunst an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen. – janejinkaisen.com

Standort
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Katharinenstraße 23, 26121 Oldenburg
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag14:00–18:00
Mittwoch14:00–18:00
Donnerstag14:00–18:00
Freitag14:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
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