Das Horst-Janssen-Museum hat sich der Bildenden Kunst auf Papier verschrieben. Namensgeber ist der große, norddeutsche Zeichner, Radierer, Holzschneider, Plakatkünstler, Illustrator, Autor und Grafiker Horst Janssen. Das Museum bietet eine spannende Begegnung mit Werk und Persönlichkeit des eigenwilligen Künstlers.
Die Zeichnung als universelles Ausdrucksmittel des Menschen steht im Mittelpunkt. Neben der Kunst von Horst Janssen interessieren uns und unsere Gäste die klassischen und zeitgenössischen Strömungen dieser Gattung. Darüber hinaus untersuchen wir, wie beispielsweise digitale Werkzeuge die Zeichnung verändern können (»Move The Line«, 2016), was Zeichnung alles sein kann (Partituren-Ausstellung »Sound goes Image«, 2017; »Das kann nur Zeichnung«, 2020) oder welches individuelle Verständnis Künstlerinnen und Künstler von ihr haben (»Museum für Zeichnung« von Monika Bartholomé, 2018; »Universal Turn« von Jorinde Voigt, 2019).
Das Museum besteht aus drei Ausstellungsebenen. Auf der 1. Ebene finden Sie die Dauerausstellung zum Leben und Werk von Horst Janssen. Auf der 2. und 3. Ebene finden Sonderausstellungen statt.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Christoph Niemann. Randnotizen – Werkschau
Er zeichnet regelmäßig Titelbilder für The New Yorker, hat 1,1 Millionen Follower auf Instagram und Netflix hat ihm eine eigene Episode der Serie Abstract: The Art of Design gewidmet: Christoph Niemann. Die Außenfassade des Horst-Janssen-Museums ziert seit 2023 sein 50 Meter langes Wandbild Current Lines. Nun ist die Kunst von Christoph Niemann (*1970) endlich auch im Horst-Janssen-Museum zu sehen und zwar in Form einer großen Werkschau vom 15. November 2025 bis zum 17. Mai 2026.
Auf zwei Ebenen (700 qm) präsentiert das Museum Werkreihen des international tätigen Illustrators und Grafikers. Es sind so bekannte Serien wie die Sunday Sketches dabei, in denen Christoph Niemann ausgehend vom Foto eines Alltagsgegenstandes mit Hilfe von Zeichnung eine motivische Verfremdung schafft. Auch die Photo Drawings gehören dazu. Hier werden Fotomotive, die der Künstler auf Reisen festgehalten hat, mit originellen Einfällen umgedeutet oder erweitert.
Die Werkschau zeigt auch Niemanns farbintensive Tuschezeichnungen, in denen der Künstler mit reduzierten Strichen und Flächen die Atmosphäre von quirligen Städten, kargen Landschaften und üppiger Botanik sinnlich erfahrbar macht. Zu sehen sind außerdem seine Siebdrucke, die fast malerisch daherkommen, und die Linolschnitte seiner ZOO-Serie, aber auch ›angewandte‹ Zeichnungen, wie die Covergestaltungen für die großen internationalen Magazine.
Christoph Niemann reflektiert immer wieder auch sein eigenes Schaffen und das kreative Arbeiten überhaupt. Visuell und sprachlich verdichtet er komplexe Fragen und bringt sie auf den Punkt. Dabei ist er heiter, scharfsinnig und gewitzt und verblüfft uns mit minimalistischen Zeichnungen.
Zum Mitmachen und Kreativwerden laden nicht nur die vielfältigen und hochkarätigen Workshops des Rahmenprogramms ein. Auch in der Ausstellung können sich kleine und große Museumsgäste auf interaktive Werke und Spiele wie Christoph Niemanns Kid’s App freuen. Christoph Niemann. Randnotizen ist eine Ausstellung zum Staunen über das, was Zeichnung alles kann.
Kuratorin: Jutta Moster-Hoos. Kuratorische Assistenz: Antje Tietken.
Janssen in Farbe – Von subtil bis expressiv
Die neue Hängung der Dauerausstellung hat das Thema »Janssen in Farbe«. Außerdem werden Animationsfilme zu Janssen von Bremer Studierenden gezeigt.
»›Janssen in Farbe‹ eröffnet den Blick auf eine weniger bekannte Seite im Werk von Horst Janssen, denn der Künstler besaß ein instinktives Gespür für nuancierte Farbgebung«, erläutert die wissenschaftliche Volontärin Alexandra Hoffmann, die die Werkauswahl kuratiert hat. »Janssen verstand es, durch den Einsatz von expressiven Farben Werken eine ungewöhnliche Drastik zu verleihen und Details durch gezielt gesetzte Farbakzente effektvoll hervorzuheben.«
Dafür experimentierte der Künstler mit verschiedenen Techniken, um für jedes Werk die gewünschte Ästhetik und Wirkung zu erzielen. Jedes Medium verleiht den Motiven einen eigenen, unverwechselbaren Charakter: Mit Buntstift setzt Janssen präzise Linien, mit Aquarellfarbe schafft er transparente, fließende Farbschichten und Pastellkreide ermöglicht ihm einen kräftigen Farbauftrag mit samtiger Textur. In der Radierung entwickelt er bunte Schraffuren, die er auf Farbverläufe mit viel Struktur setzt. Im Holzschnitt arbeitet Janssen mit kontrastreichen Formen, in der Lithografie variiert er farbige Konturen und die Technik des Strichclichés resultiert in kompakten Farbflächen. Auch in der Fotografie spürt Janssen Farbstimmungen nach.
Zu sehen sind unter anderem Selbstporträts in Pastell, große Holzschnitte mit bis zu acht Farben und Fotos aus der Polaroid-Serie »Fixierte Augenblicke«. »Durch die Auswahl der farbigsten Blätter unserer Sammlung lädt diese Ausstellung dazu ein, die spezifischen Eigenschaften und Feinheiten der verschiedenen Techniken von Kunst auf Papier genauer zu entdecken«, sagt Alexandra Hoffmann.
Triggerwarnung und Altersempfehlung
Wir empfehlen einen Besuch der Ausstellung ab 16 Jahren.
In der aktuellen Hängung »Janssen in Farbe« werden Ihnen Werke von Horst Janssen begegnen, bei denen es um sexuelle und sexualisierte Gewalt sowie Beispiele zu diesen Themen geht. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte seien Sie achtsam, wenn das bei Ihnen der Fall sein sollte.
Animationsfilme zu Horst Janssen
Als kleine Ausstellung in der Ausstellung präsentieren 19 Studierende der Hochschule für Künste Bremen (HfK) ihre Animationsfilme zu Horst Janssen, die während einer Kooperation 2024/2025 entstanden sind. Einige Werke, die den Studierenden als Inspiration dienten, sind in der Ausstellung zu sehen.
Die kurzen Animationsfilme greifen Janssens Motive und Lebensumstände auf, beschäftigen sich zum Beispiel mit seinen Süchten, mit seinem Interesse an der Vergänglichkeit der Dinge, mit seinem Balkonsturz und mit dem bei Janssen wiederkehrenden Motiv des Vogels. Ein Film zeigt Janssen vor dem leeren Papier, bevor seine Kreativität einsetzt. Ein anderer Film lässt ihn Tango mit einem Skelett tanzen. Und dann sieht man Horst Janssen mit David Lynch Kaffee trinken, bevor sich die beiden gemeinsam in ein dunkles Abenteuer stürzen.

