Durch das Zusammenführen herausragender Sammlungen und mit einem vielfältigen Programm aus Ausstellungen, Veranstaltungen, Bildung und digitalen Angeboten regt der Besuch zu neuen Erkenntnissen über die Welt von gestern, heute und morgen an.
Ein Haus, vier Akteure – an diesem zukunftsweisenden Projekt arbeiten partnerschaftlich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB), Kulturprojekte Berlin und Stadtmuseum Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.
Staatliche Museen zu Berlin
Die Staatlichen Museen zu Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentieren auf der zweiten und dritten Etage des Humboldt Forums in groß angelegten Ausstellungen die weltberühmten Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst.
Kulturprojekte Berlin und Stadtmuseum Berlin
BERLIN GLOBAL, die Berlin Ausstellung im ersten Obergeschoss des Humboldt Forums, entstand als Koproduktion von Kulturprojekte Berlin und dem Stadtmuseum Berlin.
Humboldt-Universität zu Berlin
Mit dem Humboldt Labor präsentiert die Humboldt-Universität zu Berlin im 1. Obergeschoß des Humboldt Forums eine lebendige Ideenwerkstatt, in der Spitzenforschung in den Dialog mit dem Publikum tritt. Auf rund 1.000 qm gibt die Humboldt-Universität Einblick in die Vielfalt und Relevanz von Wissenschaft.
Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss ist Betreiberin und Bauherrin des Humboldt Forums. Sie entwickelt und realisiert kulturelle und künstlerische Veranstaltungen, Ausstellungsprojekte und Vermittlungsangebote, unterhält eine ständige Ausstellung zur Geschichte des Ortes und sie koordiniert die Aktivitäten der weiteren Akteure im Humboldt Forum.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Naga Land – Stimmen aus Nordostindien
Überall auf der Welt kämpfen Minderheiten für kulturelle Selbstbestimmung oder politische Autonomie. Eine solche Minderheit sind die Naga – ein Überbegriff für mehr als 30 verschiedene Gesellschaftsgruppen, die sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in ihrer Kultur und Sprache wie auch in ihrem Selbstverständnis unterscheiden. Die Mehrheit der etwa drei Millionen Menschen lebt heute im Bundesstaat Nagaland im Nordosten Indiens.
Seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft kämpfen die Naga um die Autonomie vom indischen Festland und um kulturelle Selbstbestimmung. Erst in dieser Zeit ist das Bestreben nach einer gemeinsamen Identität aufgekommen. Das Christentum ist die wichtigste Religion in Nagaland und hat die Kultur stark beeinflusst.
Was bedeutet es also, heute ein Naga zu sein? Die Ausstellung Naga Land. Stimmen aus Nordostindien beleuchtet verschiedene Aspekte der heutigen Naga-Gesellschaft und ihrer kulturellen Identität. Sie bringt die historische Naga-Sammlung des Ethnologischen Museums in Berlin mit zeitgenössischer Fotografie, Mode und visueller Kunst aus der Region zusammen. Denn bereits seit dem 19. Jahrhundert stehen die Naga im Blickpunkt des europäischen Forschungsinteresses.
Zu dem interdisziplinären Kurator:innenteam der kollaborativen Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss und des Botanischen Museums Berlin gehört die Naga-Künstlerin Zubeni Lotha. Sie setzt sich mit dem konstruierten Bild der Naga in der historischen westlichen Fotografie auseinander. Die neue Klanginstallation I will not weep der Naga Künstlerin Senti Toy Threadgill im Hörraum des Humboldt Forums reflektiert ebenfalls das gegenwärtige Nagaland, seine koloniale Vergangenheit und aktuelle politische Situation.
Ts'uu – Zeder. Vom Bäumen und Menschen
»…when the trees are gone, we’ll just be like everybody else.«
– Gidansda Guujaaw, Künstler und ehemaliger Präsident der Haida Nation
Seit Jahrtausenden sind in den kanadischen Küstenregenwäldern Menschen und Land untrennbar miteinander verbunden. Ein Beispiel hierfür ist die besondere Bedeutung der Zedernbäume für die dort lebenden First Nations: Zedern spenden den Rohstoff für eine Vielzahl von Alltagsgegenständen und zeremoniellen Objekten. Sie spielen eine zentrale Rolle in überlieferten Erzählungen, Traditionen und Zeremonien.
Ausgehend vom »Riesen-Lebensbaum« (western red cedar) und der »Nootka-Scheinzypresse« (yellow cedar) erzählt die Ausstellung über das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Acht Kapitel beleuchten exemplarisch die Beziehungen zwischen Küstenregenwald, First Nations und Euro-Kanadiern, die Auswirkungen der Kolonialisierung und das Wiedererstarken der First Nations.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der jüngeren Geschichte: Die Kolonialisierung durch die Europäer ab dem 18. Jahrhundert führte zur systematischen Vertreibung der First Nations und zur Beschneidung ihrer Rechte. Gleichzeitig zerstörte die Entwicklung der industriellen Forstwirtschaft große Teile des Lebensraums Küstenregenwald. Beides hatte und hat noch immer weitreichende Auswirkungen auf die Kulturen der First Nations und auf ihre Beziehung zur Zeder. Eine besondere Rolle kommt der Zeder daher heute für das Wiedererstarken der First Nations sowie deren Selbstverständnis zu: Sei es in den Widerstandsbewegungen gegen die Forstwirtschaft; einer Land- und Ressourcennutzung, die auf auf traditionellem ökologischen Wissen basiert; oder in der Wiederaneignung von kulturellen Praktiken und Traditionen.
Die in Kooperation mit dem Haida Gwaii Museum in British Columbia entwickelte Ausstellung präsentiert über 130 Exponate, darunter Werkzeuge zur Bearbeitung des Holzes, Medieninstallationen, kulturhistorische und naturkundliche Exponate sowie zeitgenössische Kunstwerke. Fester Bestandteil des Raumes sind zudem zwei Wappenpfähle aus Zeder aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Vielfalt der gezeigten Objekte und der transdisziplinäre Ansatz erlauben es, die mit der Zeder verbundenen Themen und Fragen auf mehreren Ebenen zu verhandeln.
Ts’uu – Zeder ist eine Ausstellung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Haida Gwaii Museum at Kay Llnagaay in British Columbia, Kanada. Mit fachlicher Beratung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
Freiheit, Gleichheit, Solidarność – Polnische Standpunkte in Berlin
Seit Jahrhunderten leben Pol:innen in Berlin und prägen die Stadt kulturell, sozial, politisch und wirtschaftlich. Die polnische Grenze liegt nicht mal 100 km von Berlin entfernt.
Aber die engen Verflechtungen zum Nachbarland werden in Berlin an mancher Stelle erst auf den zweiten Blick sichtbar: Auf der Freifläche »Freiheit, Gleichheit, Solidarność« [1] in der Ausstellung BERLIN GLOBAL geht es um Berlin als Ort polnischer Kämpfe für Freiheit und gegen Diskriminierung, aber auch als Ort des Dialogs und der Solidarität.
Die vielschichtige Installation von Ewa Maria Slaska, Anna Krenz und Jemek Jemowit führt zu sieben Orten polnischer Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Solidarität in Berlin. Diese sind über die ganze Stadt verteilt, vom Olympiastadion zur Warschauer Brücke, vom Gefängnis Moabit zum Volkspark Friedrichshain. Die Freifläche zeigt auch polnische Perspektiven auf den Berliner Alltag, die sich zwischen Zugehörigkeitsgefühl und Diskriminierungserfahrung bewegen. Sie geht der Frage nach, welche Spuren historische Machtverhältnisse hinterlassen und wie sie sich auf das Zusammenleben auswirken.
Die Freifläche lädt Besucher:innen ein, sich über ihre unterschiedlichen Standpunkte auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen, auch wenn die Themen schwierig sind. Sie wird dadurch zum weiteren Ort polnisch-Berliner Solidarität.
Polens Geschichte ist geprägt von Teilungen durch Preußen, Russland und Österreich im 18. und 19. Jahrhundert, von der deutschen Ausbeutung und Vernichtung während des Zweiten Weltkrieges sowie der sowjetischen Fremdbestimmung von 1945 bis 1989. Vor diesem Hintergrund forderten Polinnen und Polen immer wieder ihre Freiheit, setzten sich für gleiche Rechte ein und bauten Strukturen der Solidarität auf – auch in Berlin.
[1] »Wolność, Równość, Solidarność« (Freiheit, Gleichheit, Solidarität) war im August 1980 eine Losung der streikenden Werftarbeiter:innen in Gdansk, die sich kurz danach zur Solidarność-Gewerkschaft formierten. Die prägnante Abwandlung des historischen Slogans der Französischen Revolution wird bis heute bei pro-demokratischen Protesten in Polen verwendet.
DIE KÜNSTLER:INNEN
Die 1949 in Polen geborene Schriftstellerin, Redakteurin, Publizistin, Bloggerin, Projektmanagerin, Übersetzerin, Lehrerin und Kuratorin Ewa Maria Slaska sieht sich auch als Vermittlerin zwischen dem Deutschen und dem Polnischen. 1985 flüchtete sie als politische Aktivistin der Solidarność-Bewegung nach Berlin und ist seitdem in der Flüchtlingshilfe tätig. Sie war über die vergangenen 40 Jahre in vielen Projekten involviert, darunter bei der polnischen unabhängigen Fernsehsendung »Insel«, bei WIR e.V. – Verein und Verlag zur Förderung der deutsch-polnischen Literatur sowie beim Deutsch-Polnischen Poetendampfer.
Anna Krenz
Die 1976 in Poznań, Polen, geborene Künstlerin, Architektin, Autorin und Aktivistin Anna Krenz lebt seit 2003 in Berlin. Sie ist Gründerin des Kollektivs Dziewuchy Berlin und des Vereins Ambasada Polek e.V. Seit 2001 arbeitet sie mit dem Dänischen Zentrum der erneuerbaren Energien – Folkecenter for Renewable Energy bei Projekten zur nachhaltigen Entwicklung zusammen. Anna Krenz ist Teil des Frauen-Projektstudios Sinus_3, das Architektur, Ökologie, bildende Kunst und Gestaltung des öffentlichen Raums vereint. Von 2003 bis 2012 war sie Co-Leiterin der Galerie ZERO in Berlin, in der mehr als 100 Ausstellungen, Konzerte und Happenings mit Künstler:innen aus Polen, Deutschland und der ganzen Welt stattfanden.
Jemek Jemowit
Der 1986 in Gdynia, Polen, geborene Ziemowit Nowak ist besser bekannt als sein Alter Ego, der Goth-Glam-Musiker Jemek Jemowit. Seine künstlerische Reise erstreckt sich seit 2009 über verschiedene Genres und prägt die Musiklandschaft mit einem politischen und konzeptionellen Ansatz. Neben seiner Performance- und Musikertätigkeit leitet Nowak seit 2019 den Kunst- und Kulturort TROPEZ im Sommerbad Humboldthain im Berliner Stadtteil Wedding.
Die Ziguangge: Halle des Purpurglanzes
Bereits vor 2.000 Jahren ließen die Kaiser Chinas Porträts loyaler Beamter und Generäle anfertigen. Diese Präsentation zeigt Darstellungen verdienstvoller Offiziere, die der Qianlong-Kaiser (R. 1736–1795) für ihre Ausstellung in der Ruhmeshalle Ziguangge in Auftrag gegeben hatte, um seine Macht und Legitimität zu demonstrieren. Im 20. Jahrhundert wurden sie gleich zwei Mal zu Kriegsbeute.
Die Ziguangge liegt neben der Verbotenen Stadt in Beijing und ist ein zweistöckiger Pavillon. Während der Herrschaft des Qianlong-Kaisers (reg. 1736–1795) war die Halle ein Ort, an dem militärische Rituale und Bankette stattfanden und Schlachtenbilder der kaiserlichen militärischen Feldzüge und Porträts verdienstvoller Offiziere untergebracht waren.
Während der brutalen Niederwerfung der Boxerbewegung (Yihetuan) 1900/01 durch die multinationale Acht-Nationen-Allianz, der auch das Preußische Militär angehörte, wurde die Halle geplündert und alle 280 Porträts geraubt. Viele der Bilder gelangten auch in deutsche Sammlungen. 1945 nahm die Administration der UdSSR die in der Berliner Sammlung befindlichen und hier durch einige schwarz-weiße Reproduktionen gezeigten Bilder als Kriegsbeute mit; die Originalwerke befinden sich noch heute in Museen in Russland.
Geschichte(n) Tansanias
Das Gebiet des heutigen Tansanias ist geprägt von einer wechselhaften Geschichte. Aufgrund seiner Lage am Indischen Ozean waren die dortigen Gesellschaften schon früh Teil transregionaler Handelsnetzwerke. Während der deutschen Kolonialherrschaft war Tansania Teil der Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (1884/85–1918/19), darauffolgend britische Kolonie »Tanganyika« (bis 1961). Die Folgen von Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt wirken bis in die Gegenwart. Während des Kolonialismus wurden Tausende von cultural belongings nach Deutschland gebracht. Im Ethnologischen Museum in Berlin befinden sich mehr als 10.000 ‚Objekte‘ aus dem heutigen Tansania.
Sonderausstellung
Welche Geschichten erzählen diese cultural belongings?
Anhand von diversen Erzählungen, Perspektiven und cultural belongings werden die jahrhundertelangen Verflechtungen des heutigen Tansanias gezeigt. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Zeitraum der kolonialen Unterdrückung und Ausbeutung. Koloniale Erzählungen werden kritisch reflektiert und rassistische Zuschreibungen hinterfragt.
Die Ausstellung wurde kollaborativ entwickelt und zeichnet sich durch vielseitige Erzählungen und Perspektiven aus. Die Kurator:innen aus Dar es Salaam, Songea und Berlin sowie die Repräsentant:innen von Communities in Tansania kommen in Texten und filmischen Interviews in der Ausstellung zu Wort. Werke von ostafrikanischen Künstler:innen setzen sich kritisch mit dem kolonialen Blick auseinander. Die cultural belongings und die verschiedenen Perspektiven werden präsentiert in einer Architektur aus Teakholz und Bambus, die die ›Objekte‹ zugleich schützt und eine ästhetisch-sinnliche Erfahrung bietet.
Kurzfilmprojekt City Research
Integraler Bestandteil der Ausstellung ist das internationale Schüler:innenprojekt City Research. Zwei Gruppen von Schüler:innen – eine in Berlin, eine in Dar es Salaam – begaben sich auf Stadtuntersuchungen und befassten sich mit heute erkennbaren Spuren des Kolonialismus. Es entstanden Kurzfilme die sich z.B. mit Gebäuden, Straßennamen und Plätzen beschäftigen und die in der Ausstellung gezeigt werden.
Feliciano Lana – Die Geschichte der Weißen
Die Aquarelle des 2020 verstorbenen, Indigenen Künstlers Feliciano Lana aus Brasilien erzählen die Geschichte des Kontakts zwischen Indigenen und Weißen am oberen Rio Negro.
Lana beleuchtet den globalen Vormarsch von Kolonialismus und Kapitalismus aus einer lokalen und zugleich persönlichen Perspektive. Die Bilder erzählen vom gemeinsamen Ursprung von Weißen und Indigenen, der Vertreibung der Weißen und ihrer Rückkehr als Soldaten, Missionar:innen und Forschende.
Neben Lanas Werk und seiner Sichtweise zeigt die Ausstellung Arbeiten zeitgenössischer Indigener Künstler:innen und eine Videoinstallation mit Indigenen Zeitzeug:innen.
Feliciano Lana
Feliciano Lana, mit Indigenem Namen Sibé, wurde 1937 in São João Batista, einer kleinen Gemeinde am Fluss Tiquié im Nordosten Brasiliens geboren.
Lanas Vater war Desana, seine Mutter gehörte zur Sprachgruppe der Tukano. Im Alter von vier Jahren, 1941, wurde er in ein Internat der Salesianer gebracht, um fernab seiner Gemeinschaft im Sinne der Weißen erzogen zu werden. Hier lernte Lana die portugiesische Sprache zu lesen und zu schreiben, er bekam Unterricht in Mathematik, Physik und geometrischem Zeichnen.
Die Zeit im Internat markierte zugleich den Anfang von Lanas Beziehungen zur nicht-indigenen Welt, die für einen Großteil seines weiteren Lebens prägend waren.
Nach seinem Schulabschluss lebte Lana einige Jahre in Kolumbien. Nach seiner Rückkehr in seine Heimat arbeitete er als Plantagenarbeiter, Maurergehilfe, Traktorfahrer, Telegrafist, Ziegler und Minenarbeiter.
Feliciano Lana gilt der westlichen Welt als einer der ersten Indigenen Künstler:innen aus dem Amazonasgebiet.
Sein Wirken begann Anfang der 1970er Jahre, als er von dem aus Litauen stammenden Pater Casimiro Bécksta dazu eingeladen wurde, die Indigene Kultur der Region aufzuzeichnen. Eigentlich sollte Lana fotografieren und Audioaufnahmen erstellen, entschied sich dann aber dazu, sein Wissen in gemalten Bilder festzuhalten. Nach und nach entwickelte er sich zum Experten darin, die Traditionen und das mythische Universum der Region sichtbar zu machen.
Im Mai 2020 starb Feliciano Lana Sibé in seinem Zuhause in der Gemeinde São Francisco infolge einer COVID-19-Infektion.
Eine temporäre Ausstellung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Kuratiert von Andrea Scholz, Michael Dieminger, Thiago da Costa Oliveira und Barbara Lenz.
Restaurierung im Dialog
Restaurierung ist ein faszinierendes, aber oft verborgenes Berufsfeld im Museum. Was wird wie erhalten und wer entscheidet darüber? Diese Ausstellung beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser bedeutenden Arbeit.
Vor der Eröffnung des Humboldt Forums wurden tausende Exponate aus verschiedenen Regionen der Welt, darunter viele »Cultural Belongings« – mit den Menschen verbundene kulturelle Dinge – von Restaurator*innen für die Ausstellungen vorbereitet. Solche Arbeiten finden vornehmlich hinter den Kulissen statt und sind für die Besucher:innen kaum sichtbar.
Vorgestellt werden zwei Wappenpfähle von der Nordwestküste Kanadas, ein kunstvolles Lackschränkchen aus der Qing-Dynastie, ein mongolischer Schrein aus dem 20. Jahrhundert und eine Zeremonialpfeife der Umoⁿhoⁿ aus Nebraska.
Diese fünf Exponate und eine Broschüre mit vertiefenden Informationen eröffnen spannende Einblicke in Fragen und Methoden der Restaurierung.
Im Mittelpunkt stehen die komplexen Entscheidungsprozesse, die den Erhalt und die Präsentation von Kulturgut beeinflussen. Dabei liegt ein Fokus auf dem Dialog und der Kooperation zwischen internationalen Partner:innen, Restaurator:innen und Kurator:innen.
Wie beeinflussen diese Diskussionen den Umgang mit Sammlungen, die Restaurierung und die Präsentation?
Einsichten – Aussichten
Begleitend zur Ausstellung haben Schüler:innen des Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasiums vier Audiobeiträge entwickelt. Auf kreative Weise beleuchten sie die Exponate aus der Sicht der Jugendlichen. Zum Anhören hier klicken.
Eine temporäre Ausstellung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
Kuratorisches Team: Mira Dallige-Smith, Anna-Isabel Frank, Birgit Kantzenbach, Leonie Kircher, Sebastian Kolberg, Barbara Lenz, Marieluise Michaelis, Elisabeth Seyerl-Langkamp, Ulrike Stelzer, Alexis von Poser
Kooperations- und Projektpartner:innen: Ganchimeg Altangerel, Dulamjav Amarsaikhan, Nyammyagmar Batbayar, Munkhtsetseg Bayanzul, Michael Berger, Ezechiel Brummels, Goomaral Dalkh-Ochir, Batjargal Erdene, Purevbat Gankhuugiin, Bayarmaa Gombo, Chinbat Gombo, Vanessa Hamilton, Ronny Heuschneider, Tumenbayar Homool, Lhagvademchig Jadamba, Otgonbayar Lkhamaa, Wynema Morris, Erdembileg Myagmar, Nandinbaatar Myagmar, Gombodorj Myagmarsuren, Jukov Naranchimeg, Baigal Purevsukh, Byambaa Ragchaa, Solongo Sudar, Dash Temuujin, Altankhuu Tserenjav, Uranchimeg Tsultem
Beziehungsweise Familie
Familie: (Fast) jeder Mensch hat eine und jede ist doch anders! Aber was hält uns als Familie zusammen? Und wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Mit einem Jahresprogramm erkundet das Humboldt Forum den Stoff, aus dem familiäre Bande gewebt sind. Ob löchrig oder engmaschig, am seidenen Faden, Patchwork oder Makramee: Beziehungsgeflechte sind das Thema – künstlerisch, historisch, wissenschaftlich, international und im Dialog mit der Berliner Stadtgesellschaft.
Erfahren Sie, was und wen Familie und Verwandtschaft alles umfassen kann und wie unterschiedlich das Miteinander gelebt wird. Alle Akteure des Humboldt Forums widmen sich gemeinsam dem Thema familiärer Beziehungsgeflechte der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Performances, Diskussionen, Workshops, Führungen und Interventionen im ganzen Haus.
Das Programm und die Ausstellung wurden gemeinsam von allen Akteuren des Humboldt Forums kuratiert: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst (Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin), Stiftung Stadtmuseum Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin. Gesamtkuratorische Leitung: Dr. Laura Goldenbaum (SHF).
On Water – WasserWissen in Berlin
Wasser ist Leben, kann aber auch zerstörend sein. Die Ausstellung »On Water. WasserWissen in Berlin« zeigt ab dem 10. Oktober 2025 im Humboldt Labor aktuelle Forschungsprojekte des Berliner Universitätsverbundes Berlin University Alliance (BUA) zum Thema Wasser. Flankiert werden diese durch künstlerische Positionen, die sich mit dem Element auseinandersetzen und dessen Vielseitigkeit anschaulich vermitteln.
Wasser ist allgegenwärtig – wir trinken es, baden darin, erleben es als Regen, Eis oder Fluss. Und doch bleibt es widersprüchlich: vertraut und unberechenbar zugleich. Mal ist es zu viel, mal zu wenig. Mal fließt es, mal fehlt es, mal überflutet es ganze Landstriche. Im Zuge des Klimawandels, wachsender Städte und globaler Ungleichheit wird Wasser zur Herausforderung. Es lässt sich nicht einfach kontrollieren und stellt eingeübte Umgangsweisen infrage. Wasser ist kein passives Objekt, sondern ein dynamisches Element, das neue wissenschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Aushandlungen erfordert.
Die Ausstellung On Water. WasserWissen in Berlin zeigt Forschungsprojekte, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln mit Wasser beschäftigen. Sie alle versuchen, von seinen Eigenschaften zu lernen – etwa von seinen Kreisläufen, seiner Anpassungsfähigkeit und Verbindungskraft –, um Lösungen für die Zukunft zu finden. Vertiefende Gedanken in das Zusammenspiel von Mensch und Wasser vermittelt die Audiospur: In ihr erzählen Wissenschaftler:innen, warum es sich lohnt, dem Wasser zuzuhören – es weiß mehr, als wir denken.
Ein Zuviel oder Zuwenig von Wasser kennzeichnet die Gegenwart: Kreisläufe und Systeme, die lange als selbstverständlich galten, sind verschoben, irritiert, verletzlich. Die Störung des aquatischen Gleichgewichts fordert auch die Wissenschaft heraus. Die Ausstellung »On Water« zeigt, dass keine Wissenschaft alleine in der Lage wäre, die Komplexität der mit ihm verbundenen Zusammenhänge zu erfassen. Oft ist es erst das Zusammenwirken unterschiedlichster Wissensformen, das zum Verständnis und zu neuen Lösungen führt. Hierzu zählt das voneinander Lernen der verschiedenen, meist hoch spezialisierten Fachwissenschaften; sowie der Austausch und das Gespräch mit den Menschen, die in konkreten Traditionen und Erfahrungen leben und hierin ein Wissen eigener Art mitbringen. Es gehört zu den großen Herausforderungen der Zukunft, Formen des Dialogs und des Miteinanders zu etablieren, die geeignet sind, einander auf Augenhöhe zu begegnen.

