Frankfurt am Main
Museum

Jüdisches Museum Frankfurt

Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt

Das Jüdische Museum in Frankfurt am Main macht die Vielfalt jüdischer Kulturen in Geschichte und Gegenwart erfahrbar. Zu diesem Zweck sammelt, bewahrt und erforscht es Kulturgüter und Zeugnisse jüdischen Lebens in Frankfurt. Mit seinen kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen, Bildungsprogrammen und digitalen Angeboten sowie seiner Freude an experimentellen Formaten möchte das Jüdische Museum Frankfurt ein Museum ohne Mauern sein.

 

Die beiden Standorte des Jüdischen Museums sind von herausragender Bedeutung für die jüdische Stadtgeschichte. Die permanenten Ausstellungen im Museum Judengasse und im Rothschild-Palais unterstreichen die Bedeutung Frankfurts als eines der Zentren jüdischen Lebens in Europa vom Mittelalter bis zur Vernichtung in der Schoa. Der Neubeginn und die Gegenwart jüdischen Lebens in Frankfurt bilden den Ausgangspunkt dieser Ausstellungen.

 

Die Arbeit des Museums wird von der Überzeugung getragen, dass die Geschichte von Jüdinnen und Juden in der Diaspora einmalig und jüdische Kulturen von zentraler Bedeutung für die europäischen Gesellschaften sind. Die jüdische Erfahrung von Diskriminierung und Gewalt wie auch des Ringens um Gleichberechtigung und soziale Teilhabe ist von unverminderter Aktualität. Vor diesem Hintergrund wollen wir zu interkultureller Verständigung und zur Selbstreflexion anregen. Wir verstehen unsere Arbeit als vernetztes Handeln im digitalen und sozialen Raum und wirken darauf hin, dass in Europa offene, aufgeklärte und zivile Gesellschaften fortbestehen, in deren Mitte Jüdinnen und Juden weiterhin leben wollen und können.

Veranstaltungen und Ausstellungen

18.12.25 - 29.11.26

Follow the Function?

Die Kabinettpräsentation im Raum »Kunst und Tradition« in der zweiten Etage der Dauerausstellung im Rothschild-Palais präsentiert Arbeiten der Künstlerinnen Rachel Kanter, Rhonda Lieberman und Sari Srulovitch, die Gegenstände zur religiösen Verwendung in zeitgenössischem Design entwerfen.

 

Die jüdische Tradition wird wesentlich durch gemeinschaftliche Zeremonien und Rituale bestimmt. Sie verbinden über Jahrhunderte hinweg Menschen in unterschiedlichen Zeiten und Orten, dabei treffen feste Traditionen immer wieder auf neue Formen und Entwicklungen. Fast immer werden dabei Ritualgegenstände benutzt. Sie können zu diesem Zweck entworfen sein oder auch aus einfachen Alltagsgegenständen entstehen. Erst durch das Ritual bekommen sie eine besondere, religiöse Bedeutung.

 

Im Laufe der Zeit veränderten sich diese Objekte in ihrer Gestaltung. Sie behalten zwar ihre Funktion, werden aber immer wieder neu interpretiert – künstlerisch, kulturell und individuell. Die Kabinettausstellung »Follow the Function?« präsentiert Arbeiten der Künstlerinnen Rachel Kanter, Rhonda Lieberman und Sari Srulovitch, die Gegenstände zur religiösen Verwendung in zeitgenössischem Design entwerfen. Hierbei gehen sie neue Wege und verbinden ihre Ritualobjekte mit Inhalten, die mit dem Ritual verknüpft sind. Ihre Werke zeigen modernes Design und zugleich eine tiefe persönliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung ihrer Rituale. Die Funktion bleibt weiterhin wichtigstes Kriterium, neben der Ästhetik wird sie nun von – manchmal humorvoll interpretierten – Inhalten begleitet.

26.03.26 - 03.01.27

Armin Stern: Maler und Zionist

Im Raum »Kunst und Exil« in der dritten Etage der Dauerausstellung im Rothschild-Palais zeigt das Jüdische Museum Frankfurt eine Kabinettausstellung mit Werken des Exilkünstlers Armin Stern (1883–1944).

 

Der in der Nähe von Preßburg (heute Bratislava) geborene Künstler Armin Stern (1883–1944) zog 1900 nach Frankfurt und studierte dort Malerei an der Städelschule. Trotz zahlreicher Reisen und Studienaufenthalte in Paris, der Bretagne, den Niederlanden und in den Tessin blieb Frankfurt sein Lebensmittelpunkt. Nachdem er 1933 von einer Ausstellung im Frankfurter Kunstverein als »nichtarischer Künstler« ausgeladen wurde, übersiedelte er mit seiner Familie nach Bratislava, das inzwischen zur Tschechoslowakei gehörte.

 

Als auch dort die Situation immer bedrohlicher wurde, bemühte sich Stern zunächst um die Ausreise ins britische Mandatsgebiert Palästina. Der Maler war nach eigener Aussage schon als Schüler Zionist geworden. Bereits bei einem ausgedehnten Aufenthalt in Erez Israel 1933/34 hatte er das Land intensiv kennengelernt und gleichzeitig nach einem Ort gesucht, wo er sich mit seiner Familie niederlassen könnte. 1938 erhielt er ein Einreisevisum für die USA, dort ließ er sich in New York nieder und nahm an mehreren Ausstellungen teil. Nach fünf Jahren im Exil in den USA starb Armin Stern im Juli 1944 wenige Tage vor seiner Einbürgerung an Herzversagen.

 

Obwohl Stern ein erfolgreicher und populärer Landschaftsmaler und Porträtist war, geriet er beinahe in Vergessenheit. Das änderte sich erst mit der Publikation seiner Biografie durch seine Enkelin 2008 und einer ersten Kabinettausstellung im Jüdischen Museum ein Jahr später. Nun bereichert der Nachlass des Künstlers als Schenkung seiner Enkelinnen und Enkel unsere Kunstsammlung.

26.04.26 - 29.11.26

Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schändeten Nationalsozialisten unter teilweise tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung jüdische Einrichtungen. Den Zerstörungen fiel auch die 1907 eingeweihte prächtige Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) zum Opfer. Auf dem Areal ließ die Stadt Frankfurt 1942/43 einen Hochbunker errichten. In dessen Erdgeschoss zeigt das Jüdische Museum die Ausstellung »Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel«.

 

 

Das Frankfurter Ostend

 

Das Frankfurter »Ostend« entwickelte sich östlich der Wallanlagen auf Garten- und Feldgelände. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier ein Wohngebiet für Angehörige der Mittelschicht, die von Handel, Kleingewerbe und Handwerk lebten.

 

Nach der Öffnung des Frankfurter Ghettos um 1800 war ein Großteil der jüdischen Bevölkerung bevorzugt in das Ostend gezogen. Viele Familien blieben in räumlicher Nähe zu bestehenden religiösen und sozialen Einrichtungen, koscheren Geschäften und der jüdischen Nachbarschaft. Ab 1850 entstanden auch neue Bauten der Jüdischen Gemeinde und der neu gegründeten IRG. Um 1895 war rund ein Viertel der Ostend-Bewohner jüdisch.

 

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde jüdisches Leben systematisch zerstört. Ab 1938 zwang die Stadtverwaltung in Frankfurt verbliebene oder zugezogene Juden zwangsweise in »Judenhäuser«, die zuletzt meist im Ostend lagen. Ab Oktober 1941 wurden jüdische Frauen, Männer und Kinder gewaltsam zur Großmarkthalle gebracht und von dort in die von den Nationalsozialisten errichteten Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur sehr wenige Menschen überlebten die Schoa.

 

 

Der Hochbunker an der Friedberger Anlage

 

Während des November-Pogroms 1938 steckten Nationalsozialisten auch die Synagoge an der Friedberger Anlage in Brand, seinerzeit die größte Synagoge Frankfurts. Erzwungen und unter Wert musste die Jüdische Gemeinde das Grundstück an der Friedberger Anlage veräußern. Die Stadtverwaltung ließ die Mauern abgetragen. Auf den Fundamenten errichtete sie 1942/43 den Hochbunker.

 

Das martialische Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg blieb erhalten und ist in seiner Umgebung bis heute ein Fremdkörper, ein »Merkzeichen für die Gewalt, das Leid und den Schrecken« wie es Salomon Korn, Architekt und Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde einmal bezeichnete

 

 

Die Ausstellung

 

Die Ausstellung im Hochbunker erinnert an das jüdische Alltagsleben im Frankfurter Ostend seit dem 19. Jahrhundert und dessen Vernichtung zwischen 1933 und 1945. Sie wurde im Jahr 2000 als Wechselausstellung für das Jüdische Museum konzipiert. 2004 beschlossen das Jüdische Museum und die »Initiative 9. November«, die Ausstellung dauerhaft im Erdgeschoss des Hochbunkers zu zeigen. 2016 wurde sie inhaltlich und gestalterisch überarbeitet.

 

Themen der Schau sind die Geschichte und die Einrichtungen der IRG, das Alltagsleben im Ostend, jüdische Wohlfahrtseinrichtungen und die gewerbliche Prägung des Viertels. Im Kapitel über die NS-Zeit stehen die November-Pogrome und die Massendeportationen von der Frankfurter Großmarkthalle ab Oktober 1941 im Zentrum. Nach der Befreiung nahm im Ostend jüdisches Leben einen vorsichtigen Anfang. Die letzte Abteilung widmet sich dem Stadtviertel als einem Ort der Erinnerung: mit der Gedenkstätte Neuer Börneplatz in der östlichen Innenstadt, mit der Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle, Stolpersteinen, Straßennamen und Hinweistafeln vor früheren jüdischen Einrichtungen.

 

Ein großformatiger Stadtplan mit den in der Ausstellung erwähnten Adressen dient der Orientierung.

Standort
Jüdisches Museum Frankfurt
Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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