Mit der weltweit einzigartigen Sammlung, die Hauptwerke der »Brücke«-Zeit, der Krisenjahre 1915 bis 1918 und der Schweizer Schaffenszeit umfasst, dem umfangreichen Dokumentenarchiv zu Leben und Werk des Künstlers sowie einer Expressionismus-Bibliothek gehört das Kirchner Museum Davos zu den bedeutendsten Ausstellungs- und Forschungsstätten zur Klassischen Moderne.
Eigentümerin der Sammlung ist die Ernst Ludwig Kirchner Stiftung Davos. Seit 1992 bewahrt sie dank einer großzügigen Schenkung des Ehepaares Rosemarie und Roman Norbert Ketterer und der Familienstiftung Benvenuta sowie bereits zuvor erfolgten Schenkungen aus Gemeinde- und Privatbesitz, eine umfangreiche Sammlung von Werken Ernst Ludwig Kirchners. Aufgrund weiterer bedeutender Stiftungen aus Privatbesitz, die seit 1993 erfolgten, verfügt das Kirchner Museum heute über einen Bestand, in dem alle Schaffensperioden und thematischen Schwerpunkte Kirchners repräsentativ vertreten sind.
Die Kirchner-Sammlung umfasst rund 40 Gemälde, 7 Skulpturen – darunter das Bett, das Kirchner 1919 für Erna Schilling schnitzte –, über 700 Zeichnungen und Aquarelle, über 300 Holzschnitte, Radierungen und Lithographien, 160 Skizzenbücher mit über 9000 Zeichnungen, über 1500 Glas- / Zellulose-Negative und Vintage Prints sowie rund 20 textile Werke, die nach Entwürfen Kirchners gestickt oder gewirkt wurden.
Ergänzt werden diese Bestände durch Konvolute anderer Künstler, die dem Museum geschenkt wurden. So bewahrt das Museum heute über 50 Werke des deutschen Künstlers Fritz Winter (Schenkung Gottfried und Marti-Keller-Huber 1997; Schenkung Ilse Winternheimer-Zölffel 2000), 40 Werke des Kirchner Schülers Christian Anton Laely, die Gesamtheit der erhaltenen Holzstöcke und Druckplatten des Basler Künstlers Albert Müller (Schenkung Nachlass Albert Müller 1999) sowie wichtige Werke einiger Kollegen und Zeitgenossen Kirchners wie Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Franz Marc, Wilhelm Lehmbruck, Georg Kolbe, Lyonel Feininger und Max Beckmann die dank der »Stiftung Rosemarie und Konrad Baumgart-Möller im Gedenken an Ferdinand Möller, Berlin« seit 2000 und dank der »Rosemarie Ketterer Stiftung« seit 2011 im Museum präsentiert werden können.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Kirchner. Picasso
Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso prägten die Kunst des 20. Jahrhunderts wie kaum zwei andere Künstler. Während Picasso als Erfinder des Kubismus gefeiert wird, steht Kirchner für die ausdrucksstarke Kraft des deutschen Expressionismus. Beide entwickelten radikale Bildsprachen, beide beeinflussten ihre Zeit – und hinterließen bleibende Spuren bei nachfolgenden Generationen. Entdecken Sie zwei außergewöhnliche künstlerische Welten – und was sie überraschend verbindet.
»Kirchner. Picasso« beleuchtet bislang wenig beachtete Verbindungen und Unterschiede im Werk der beiden Ausnahmetalente: von der Auseinandersetzung mit Identität, Körper und Geschlecht bis hin zur Rolle des Künstlers in einer sich wandelnden Gesellschaft – die Ausstellung lädt dazu ein, Parallelen und Kontraste im Werk der beiden Künstler zu entdecken. Dabei liegt der Fokus auf der Malerei, ergänzt durch ausgewählte Skulpturen, grafische Arbeiten und Zeichnungen.
Kirchners Wunsch, gemeinsam mit Picasso auszustellen, war für den Maler Ausdruck seines Selbstverständnisses als moderner Künstler. Seine Werke sollten im direkten Vergleich mit einem der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts bestehen – als eigenständige Position im internationalen Kontext. »[Curt] Glaser habe ich geschrieben, dass ich eine internationale Ausstellung erwarte, wo Picasso und ich nebeneinander hängen sollen […],« notierte er noch zu Lebzeiten selbstbewusst.
Mit dieser Ausstellung wird dieser Wunsch erstmals Wirklichkeit. In einer groß angelegten Kooperation treten die Werke zweier prägender Künstler der Moderne in einen spannungsvollen Dialog. Internationale Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen veranschaulichen, wie sehr ihr Schaffen vom Streben nach individueller Ausdruckskraft und der Dynamik einer Epoche des Umbruchs geprägt war.
Eine Ausstellung des Kirchner Museum Davos und des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster: 26.9.2025–18.1.2026
Kirchner Museum Davos: 15.2.–3.5.2026

