Die Kunsthalle Bielefeld wurde im Jahr 1968 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Philip Johnson (1906–2005) erbaut. Sie ist sein einziger Museumsbau in Europa und ein architekturhistorisches Denkmal. Das ikonische Bauwerk markiert einen ersten frühen Wendepunkt Johnsons hin zur postmodernen Formensprache.
In der Kunsthalle Bielefeld stehen Geschichte und Gegenwart in Dialog miteinander. In Wechselausstellungen stellt sie nicht nur exemplarische künstlerische Positionen und damit stets wechselnde aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen vor, sondern die darin verhandelten Ideen und Fragen inspirieren, die eigene Sammlung mit einem neuen Blick zu sehen und in einer jeweils neuen Zusammenstellung Raum zu geben. Sie macht Zusammenhänge zwischen Werken von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart sichtbar und zeigt Kunst als Ort der kritischen Infragestellung von Weltansichten. Das ist der Kompass für ihr eigenes Handeln, mit dessen Hilfe sie die kritischen, innovativen oder experimentellen Ansätze, die in der Kunst angelegt sind, in die Gesellschaft hineinträgt und auch Blicke in die Zukunft wirft.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Geschlecht – Herrschaft – Visualität. Pierre Bourdieus soziologischer Blick
Die Ausstellung zeigt thematisch ausgewählte Fotografien aus dem Nachlass des französischen Soziologen Pierre Bourdieus, die nach seiner Aussage seine wichtigsten theoretischen Konzepte visualisierten. Bourdieu gehört zu den prägenden Stimmen der internationalen Soziologie des 20. Jahrhunderts. Seine Hauptwerke, wie Die feinen Unterschiede (1979) oder Das Elend der Welt (1997), werden breit rezipiert. Weniger bekannt sind hingegen Bourdieus frühe ethnographische Forschungen in Algerien zwischen 1957 und 1961, die während des algerischen Unabhängigkeitskriegs (1954–1962) unter der französischen Kolonialherrschaft entstanden. Hier begleitet ihn seine Kamera und der Blick durch den Sucher bei vielfältigen empirischen Studien auf Schritt und Tritt.
In hunderten fotografischen Aufnahmen sicherte er die Spuren einer durch koloniale Gewalt zerstörten traditionellen Lebensform und die Folgen der Entwurzelung durch brutale Zwangsumsiedlung breiter Bevölkerungsgruppen. Bourdieus soziologischer Blick richtete sich besonders darauf, wie sich geschlechtsspezifische Alltagspraxen und Rollenbilder in verschiedenen sozialen Kontexten zeigen – etwa bei der Arbeit oder in sozialen Tätigkeiten im privaten und öffentlichen Raum. Diese frühen Beobachtungen von körperlichen und sozialen Verhaltensweisen wurden später zu einer wichtigen Inspirationsquelle für seine Habitus-Theorie und die Studie Die männliche Herrschaft. Die Ausstellung arbeitet daher mit einer systematischen Kombination von Bild und Text, um diesen Zusammenhang deutlich sichtbar zu machen.
Am 19. und 20. November finden in der Kunsthalle Bielefeld die ersten Bourdieu- Lectures der Universität Bielefeld statt. Sie bilden eine jährlich stattfindende Symposiumsreihe, die in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld, der Zeppelin Universität (Friedrichshafen), der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Fondation Pierre Bourdieu organisiert und ausgerichtet wird.
Alles Licht – Light and Space gestern und heute
Licht ist mehr als Helligkeit – es schafft Atmosphäre, verändert Räume und prägt, wie wir die Welt sehen. Licht ist Grundlage des Lebens und steht symbolisch für Erkenntnis und Wahrheit, für Spiritualität und Hoffnung. Licht kann aber auch Material der Kunst sein.
»Alles Licht. Light and Space gestern und heute« rückt das kalifornische Light and Space Movement der 1960er-Jahre in den Fokus. Im Light and Space wird Licht auf völlig neue Weise als künstlerisches Material genutzt. Künstler:innen dieser Bewegung entwickelten eine grundlegend neue Auffassung von Licht, Raum und Wahrnehmung.
Die Ausstellung eröffnet Einblicke in die Entwicklung des künstlerischen Umgangs mit Licht von den visionären Experimenten der 1960er-Jahre bis heute. Es stehen historische Positionen und aktuelle Arbeiten zeitgenössischer Künstler:innen im Dialog.
Die Architektur der Kunsthalle Bielefeld ist Teil dieses Dialogs: Mit ihrer klaren Formensprache, der markanten Lichtführung und dem Wechselspiel von Innen und Außen eröffnet sie einen Raum, in dem Licht keine bloße optische Erscheinung ist. Licht ist Material, Werkzeug der Wahrnehmung und kritisches Medium zugleich.
Künstler:innen: Angela Bulloch, Mary Corse, Olafur Eliasson, Nancy Holt, Robert Irwin, Craig Kauffman, Mischa Kuball, Nicole Miller, Tatsuo Miyajima, Helen Pashgian
LichtBlicke in die Sammlung #11
Wie beeinflusst Licht unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit? Welche künstlerischen, philosophischen und gesellschaftlichen Bedeutungen kann es haben? Und wie verändert sich unser Umgang mit Licht durch digitale Technologien?
Licht macht sichtbar, schafft Atmosphäre und prägt, wie wir Räume und Formen wahrnehmen. Seine Rolle in der Kunst wandelte sich stark im Laufe der Jahrhunderte. LichtBlicke zeigt, wie Künstler*innen Licht als gestaltende Kraft, als Sinnbild und als sichtbares Thema nutzen.
Licht erscheint in der Sammlungspräsentation auf unterschiedliche Weise: als Medium, als Motiv, als Metapher.
Als Medium wird es selbst zum Material der Kunst – in Projektionen, Spiegelungen oder Leuchtkörpern wird Licht räumlich erfahrbar und verwandelt sich in Energie, Bewegung und Wahrnehmung. Als Metapher steht es für Erkenntnis, Spiritualität oder Hoffnung, aber auch für Macht und Vergänglichkeit. Als Motiv schließlich wird Licht zum Gegenstand der Darstellung. In Malerei, Fotografie oder Grafik untersuchen Künstler*innen, wie sich Licht einfangen, bannen oder inszenieren lässt – zwischen flüchtiger Erscheinung und dauerhafter Form.
Die Sammlungspräsentation wird im Kontext der Ausstellung Alles Licht. Light and Space gestern und heute gezeigt.

