Die Kunsthalle Mainz ist ein Ausstellungszentrum für Zeitgenössische Kunst. Sie befindet sich im 1887 von Eduard Kreyßig geplanten Kessel- und Maschinenhaus im Mainzer Zollhafen. Das Gebäude wurde im Jahr 2006 von den Mainzer Stadtwerken umgebaut. Die frühere Energiezentrale des Zollhafens dient seit der Eröffnung am 1. März 2008 als Kunsthalle.
Die Kunsthalle Mainz zeigt Wechselausstellungen aktueller Kunst. Sie profiliert sich über monografische und themenbezogene Ausstellungen von internationalem Rang. Dazu bietet sie ein breit gefächertes und interdisziplinäres Rahmenprogramm. Zu jeder Ausstellung gibt es Vermittlungsformate in Form von Rundgängen oder Workshops, die sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder und Jugendliche richten. Zusätzlich finden ergänzende Veranstaltungen wie Diskussionen, Künstlergespräche oder Vortragsreihen statt. Außerdem wurde im September 2012 ein Vorführraum für Filme eingerichtet. Eine Serie von Video Screenings findet dort statt. Unter anderem wurden Filme von Joan Jonas, Pipilotti Rist, Anri Sala, Clemens von Wedemeyer, Matthew Barney, Martha Rosler, Maria Lassnig, John Bock und Francis Alÿs präsentiert.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Britta Marakatt-Labba – Stitched Tracks
Die Kunsthalle Mainz richtet die erste Einzelausstellung von Britta Marakatt-Labba im deutschsprachigen Raum aus. Der Fokus liegt dabei auf ihren Textilwerken, von denen ca. 60 präsentiert werden.
Britta Marakatt-Labba (geboren 1951 in Sápmi) beteiligte sich als Aktivistin an wichtigen historischen Ereignissen für die Sámi und setzt sich bis heute für ihre Rechte ein. Während all dieser Zeit arbeitete sie künstlerisch und ist seit ihrer Beteiligung an der documenta 14 eine der wichtigsten Stimmen Nordskandinaviens. Das umfasst sowohl ihr Schaffen als Einzelkünstlerin als auch als Mitglied der Máze Gruppe. Dieses Kollektiv setzte sich aktiv für die Erforschung, Vermittlung und die Selbstbestimmtheit der Sámi-Identität ein. Als aktivistisches Bündnis, das sich künstlerisch und politisch einsetzte, führte es nicht nur zu einer gesteigerten Sensibilität für und Akzeptanz der Sámi in den nordischen Ländern, sondern es erwirkte ebenso die Gründung des samischen Künstler:innenbundes.
Sápmi – das Land der Sámi – erstreckt sich über den nördlichen Teil von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Die Bewegung und die intensive wechselseitige Beziehung zwischen Menschen, Tieren und der natürlichen Umwelt sind zentrale Motive in ihrer künstlerischen Arbeit. International berühmt geworden ist Britta Marakatt-Labba mit ihren narrativen, figurativen Textilwerken. In den vergangenen knapp 50 Jahren entstanden zahlreiche zarte, minutiös in den Untergrund gestickte Motive, mit denen die Künstlerin ihren Lebensraum, Erfahrungen und Beobachtungen in Bilder übersetzt. Diese erzählen von der Kosmologie der Sámi, ihren Traditionen, ihrem Lebenswandel und insbesondere von ihrem Lebensraum. Dabei stehen die Bedrohung der Natur durch Extraktivismus und ökologische Zerstörung, die Verdrängung der indigenen Gruppe der Sámi aufgrund aktueller Praktiken der Naturnutzung und landschaftliche Umwälzungen auf lokaler und globaler Ebene im Zentrum ihrer gestickten Geschichten.
Die visuelle Erzählung auf Stoff bildet Britta Marakatt-Labbas Methode, Fragen zu stellen und Antworten auf existenzielle Gedanken zu finden. In faszinierend präziser, wie kleinteiliger Manier entstehen fragile Welten. Die akkurate Platzierung der Szenen, das Wechselspiel zwischen Hintergrund und Motiv, die Spannung zwischen Leere und Bildgeschehen machen Britta Marakatt-Labbas Werk einzigartig. Sie belegen ein phänomenales Gespür für Bildräume, für Handlungen und für die Stille. Tausende von Stichen formen sich zu Landschaften und Erzählungen über eine verletzliche Welt und deren Bewohnende.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Stefanie Böttcher und Marlène Harles.

