Die Kunsthalle Wien ist das Ausstellungshaus der Stadt Wien für internationale Gegenwartskunst und Diskurs. An ihren Standorten im Museumsquartier sowie am Karlsplatz präsentiert sie Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und kontextualisiert diese in ihrem gesellschaftlichen und politischen Umfeld. Ihr Augenmerk gilt dabei besonders der Forschung zu künstlerischen Praxen und der Unterstützung lokaler und internationaler Künstler:innen. Angesichts der wichtigen Rolle der Kunst in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen macht sich die Kunsthalle Wien für die Fruchtbarkeit künstlerischer Denkweisen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens stark.
Ein breit gefächertes Programm bestehend aus Gesprächen, Performances, Symposien und interdisziplinären Veranstaltungsformaten sowie eine intensive Vermittlungs- und Publikationstätigkeit ergänzen ihr Profil als Ort eines engagierten Gedanken- und Meinungsaustauschs.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Sophie von Hellermann – Get Your Head Around It
Sophie von Hellermann (geb. 1975, München) hat ein umfangreiches neues Werk auf Leinwand für die 62 Meter lange Vitrine an der Südwestwand des Kunsthalle-Gebäudes geschaffen. Von Hellermanns Gemälde zitieren Fakten und Fiktion und schöpfen vielfältig aus Geschichte und Kultur, um weitläufige, narrative Kompositionen zu entwickeln. Mit breiten Pinseln trägt sie Acrylfarbe und Rohpigmente auf ungrundierte Leinwand auf. Ihre Bilder sind von einer Leuchtkraft und gleichzeitig einem Gefühl von Bewegung und Schwerelosigkeit durchdrungen, die zu ihrer traumhaften und filmischen Qualität beitragen.
Get Your Head Around It verbindet Themen aus den Naturwissenschaften mit Bezügen zur Geschichte der Philosophie und Kultur, die auch durch die Nähe des Werks zu Institutionen wie dem Naturhistorischen Museum in Wien geprägt sind. Als eine Art Darstellung der Ideengeschichte ist das Werk auch eine Hommage an den Schriftsteller, Kybernetiker, Sprachtheoretiker und Musiker Oswald Wiener (geb. 1935, Wien; gest. 2021, Steiermark), bei dem von Hellermann in den 1990er-Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf Erkenntnistheorie studierte.
Motive umfassen den Baum der Erkenntnis, die Höhlenmalereien von Lascaux oder Platons Höhlengleichnis. Ein Paar schwarzer und weißer Schwäne ist eine Anspielung auf den Wiener Philosophen Karl Popper und seine Theorie des Kritischen Rationalismus. Der Fries endet mit einer Referenz zu Wieners Konzept eines »Bio-Adapters«, der den Menschen in kybernetische Apparate integrieren würde. Erstmals beschrieben in seinem Roman die verbesserung von mitteleuropa, würde dieser die Übertragung des Bewusstseins auf elektronische Schaltkreise ermöglichen, während der Körper sich zersetzen kann, und damit »eine vollständige Lösung aller Weltprobleme« bieten.
Die Auftragsarbeit ist von Hellermanns erste Einzelausstellung in Österreich. Die Künstlerin unterstützt die Editionsreihe der Kunsthalle Wien mit 13 einzigartigen Aquarellen.
Richard Hawkins – Potentialities
Die Kunsthalle Wien präsentiert eine große Werkschau von Richard Hawkins (geb. 1961, Mexia, Texas), die über 100 Gemälde, Collagen, Skulpturen und Videos aus neun verschiedenen Werkgruppen aus den letzten drei Jahrzehnten vereint. Es ist die erste institutionelle Ausstellung von Hawkins’ Werken seit über einem Jahrzehnt und die erste in Österreich.
Seit den 1990er-Jahren hat Hawkins eine einzigartige Praxis entwickelt, die auf der Lust am Betrachten und der Dynamik von Begehren aufbaut. In seiner »ungehemmt referenziell« Arbeitsweise dienen Collagen als Mittel zur Strukturierung und Entfaltung von Kompositionen, die frei aus der Geschichte der künstlerischen Repräsentation in Skulptur, Malerei, Literatur und den darstellenden Künsten sowie in der Popkultur zitieren.
Die Ausstellung umfasst einen Zeitraum, der mit akribisch kommentierten Kompositionen ausgeschnittenen und eingeklebten Bildmaterials beginnt und zeigt die Bandbreite von Hawkins' Schaffen, darunter Keramikreliefs, Tapeten und Videos, die auf Subkulturen und Memes aus dem Internet anspielen. Der Ausstellungstitel Potentialities greift ein altüberliefertes Konzept aus der westlichen Philosophie und Wissenschaft auf, welches das Spektrum aller »Möglichkeiten« beschreibt, die einer Sache zugeschrieben werden könnten.
Anlässlich der Ausstellung erscheint eine neue Publikation, die erste über Richard Hawkins seit über 15 Jahren. Sie enthält Essays von Rhea Anastas, Annie Ochmanek und Kristian Vistrup Madsen sowie ein Interview mit dem Künstler und Bruce Hainley.
Die Ausstellung wird von einem Druck von Richard Hawkins in limitierter Auflage begleitet. Purple Melody Vienna (2025) reproduziert das Gemälde Purple Melody aus dem Jahr 2018, das auch in der Ausstellung gezeigt wird.
Triggerwarnung
Die Ausstellung enthält Nacktheit, Body-Horror und explizite sexuelle Darstellungen.
Eröffnung: 26. November 2025, 19 Uhr
Chalisée Naamani – Octogone
Im Jänner wird eine Ausstellung mit neuen und aktuellen Skulpturen, Drucken und Textilarbeiten der französisch-iranischen Künstlerin Chalisée Naamani (geb. 1995, Paris) eröffnet. Naamani bezeichnet ihre Skulpturen als »Bildgewänder«: Diese entstehen durch einen Prozess der Überlagerung und Collage von Bildern und Texten. Ausgehend von verschiedenen ornamentalen Traditionen innerhalb der dekorativen und bildenden Kunst, der Mode und der Populärkultur zitiert sie Details von Stoffen, Gemälden, persönlichen Fotografien, Bildern und Archivdokumenten aus dem Internet, um weiche Skulpturen zu schaffen, die oft die Form von Kleidung oder Accessoires annehmen. Die Werke beziehen sich häufig auf Freizeitbeschäftigungen, darunter eine Reihe von Fitnessaktivitäten (von Boxen bis hin zu Pferdesportarten). Auch Protestaktionen und politischer Widerstand sind ein wiederkehrendes Thema, beispielsweise die Bewegung »Frau, Leben, Freiheit«, die 2022 im Iran als Reaktion auf den Tod von Mahsa Amini entstand. Der Titel der Ausstellung, Octogone, bezieht sich auf eine geometrische Figur, die Taufkapellen der Renaissance mit Ringen, Boxen und Kampfsportarten verbindet: Naamani interpretiert den Ausstellungsraum als iranisches Zurkhaneh oder Gymnasium für Varzesh-e Pahlavani (traditionelle Leichtathletik und Kampfkunst) neu. Solche rituellen Praktiken haben ihren Ursprung in dem zoroastrischen Glauben, dass geistige und körperliche Stärke zur Steigerung der Spiritualität genutzt werden können. Die erste Einzelausstellung der Künstlerin außerhalb Frankreichs befasst sich mit den Themen Migration, Mutterschaft, Feminismus, Widerstand und Heimat.
Die Ausstellung wird in Kooperation mit Palais de Tokyo, Paris organisiert.
Eröffnung: 28. Januar 2026, 18:30 Uhr

