Das Kunsthaus Graz ist ein Ausstellungshaus, das internationale zeitgenössische Kunst mit regionalen und lokalen Themen und Aufgabenstellungen verbindet.
Es zeigt Ausstellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen, initiiert die Entstehung neuer Kunstwerke und verwirklicht vielfältige Vermittlungsprojekte. Darüber hinaus fördert es die Auseinandersetzung mit Kunst, Design, Architektur und dem Ausstellen an sich. Zur Verwirklichung seiner Visionen arbeitet das Kunsthaus Graz mit einem Netzwerk an Partnerinstitutionen zusammen – weltweit und vor Ort.
Das Kunsthaus Graz zeigt internationale Kunst von 1960 bis zur Gegenwart, präsentiert international bedeutende Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit Steiermarkbezug, fördert die Entstehung neuer Kunstwerke, agiert medienübergreifend, verbindet Disziplinen und Kulturen, entwickelt neue Formen des Ausstellens und vermittelt zeitgenössische Kunst an ein breites Publikum.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Cemra – ZIAMLIAČKA
»Cemra« bedeutet Dunkelheit. Unter diesem Namen arbeitet die aus Belarus stammende Künstlerin Darya Siamchuk (* 1990 in Grodno), die seit den Razzien der prorussischen Regierung 2022, die sich gegen freie Meinungsäußerung und unabhängige Organisationen der Zivilgesellschaft richteten, in Warschau im Exil lebt. Der Schmerz und die Risse, die die Situation in ihrer Heimat mit sich bringt, spiegeln sich deutlich in Cemras Werken wider. Sie handeln von Verletzlichkeit, Repression, Trauma und Solidarität und vermitteln eine Schwere, die die Grausamkeit und Gewaltbereitschaft des Regimes gegenüber Kritiker*innen spürbar macht. Dennoch lässt CEMRA ihre Heimat nicht los. In ihren multidisziplinären Arbeiten tauchen wiederholt nationale Embleme und Symbole auf, die sich sowohl als patriotische Codes als auch als Ausdruck der Resilienz eines unterdrückten Volkes lesen lassen.
Ziamliačka – belarussisch für »jemand, der vom gleichen Boden stammt« – ist Cemras aktuellstes Projekt, Performance, Installation und Herzensangelegenheit zugleich. Am Beginn stand der (verbotene) Transport von 150 kg belarussischer Erde nach Polen und die Extraktion des Dufts, um auf diese Weise eine nun unerreichbare Heimat als olfaktorisches Archiv zu bewahren. Gerüche sind starke Erinnerungsträger, da sie direkt mit dem limbischen System verbunden sind. Dadurch können sie scheinbar vergessene Erinnerungen blitzschnell heraufbeschwören. Die Verwendung von Duft als Medium macht das Projekt zutiefst persönlich und spricht gleichzeitig ein breites Publikum an, indem es die Betrachter:innen auf intuitiver und emotionaler Ebene berührt. Der Boden, den Cemra installativ in einem minimalistischen Glaskubus aufgehäuft präsentiert, ist mehr als nur Materie: Er ist ein politischer Körper, der Grenzen überschreitet, Heimat bewahrt und sich der Auslöschung widersetzt – indem er privaten Verlust in ein gemeinsames Archiv für alle Exilant:innen verwandelt. Gleichzeitig steht er für jene Energie, die Cemra während ihrer Jahre im Exil verloren hat und die es wieder aufzufüllen gilt: »Wahre Kraft kommt nicht nur von denen, die neben dir stehen, sondern auch vom Boden unter deinen Füßen.«
Zur Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunsthaus Graz schließt Cemra den Bogen, der mit einem aktivistischen Akt begonnen hat, mit einer poetisch-melancholischen Performance, in der sie ihre Heimat besingt.
Kuratiert von Katia Huemer, Alexandra Trost
Eröffnung: 19. Februar 2026, 19 Uhr
Michael Gülzow – Das Tor zur Unwirklichkeit
Was wäre, wenn wir uns einfach zwischen Nachrichten und fiktiven Welten hin- und her bewegen könnten, seien es Science-Fiction-Filme oder KI-generierte Fake-Realitäten? Würden wir es bemerken oder sind diese Welten schon so ununterscheidbar geworden, dass wir sie alle für gleichermaßen wahr – oder Fake – halten würden?
In Michael Gülzows Ausstellung, wie auch in dem von ihm gestalteten Trailer zur Diagonale ’26, können die Protagonist*innen nicht nur durch die Zeit reisen, sondern wechseln dabei auch mühelos zwischen Nachrichtensendungen, Szenerien des Science-Fiction-Genres und »alternativen Fakten«. Der Künstler löst durch die raffinierte Montage von Found Footage und selbst gedrehtem Material die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auf und lässt sie in einen vielschichtigen und humorvollen Dialog treten. Er untersucht kritisch das Spannungsfeld von zeitgenössischer Bildproduktion (mit ihren sich rasant entwickelnden technologischen Möglichkeiten) und der medialen Konstruktion von Wahrheit (mit ihren beängstigenden Strategien der Verführung und Täuschung). Durch die offensichtliche Bearbeitung und Montage in Glitch- und Retro-Ästhetik schafft er keine Illusionen, sondern macht die Mechanismen medialer Manipulation sichtbar und dekonstruiert durch die Selbstermächtigung der Protagonist*innen postfaktische Narrative.
Die Ambivalenz von visuellem Wahrheitsbeleg und der Konstruktion (fiktiver) Realitäten liegt im Wesen des Filmischen selbst. Konsequenter und ironischer Weise genau in diesem Medium fragt Gülzow angesichts des gefühlten Kontrollverlusts in einer hypermedialisierten Welt, ob wir uns unser Bild von Welt noch selbst machen oder ob wir diese Kompetenz schon längst an die Medien und künstliche Intelligenzen abgegeben haben.
Kuratiert von Martin Grabner

