Kaufbeuren
Museum

Kunsthaus Kaufbeuren

Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren

Das Kunsthaus Kaufbeuren versteht sich als Forum zur Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur der Vergangenheit und der Gegenwart, als zentralen Ort für das kulturelle Leben der Stadt Kaufbeuren.

 

Das Kunsthaus zeigt wechselnde Ausstellungen vor allem zur Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts und zu kulturhistorischen Themen: Das Spektrum reicht von Einzelpräsentationen international bekannter Künstler, thematischen und historischen Ausstellungen bis zu junger Kunst. Es werden drei bis vier Ausstellungen pro Jahr in den Bereichen Fotografie, Bildhauerei, Malerei, Graphik und Videokunst gezeigt.

 

Das Kunsthaus Kaufbeuren sieht sich sowohl als Bestandteil des Kaufbeurer Kulturlebens als auch als Ort, der eine Auseinandersetzung mit internationalen Tendenzen der Kunst und Kultur sucht.

 

1996 wurde das Kunsthaus in einem bemerkenswerten Neubau in der Altstadt von Kaufbeuren eröffnet. In seiner äußeren Form, mit dem schmalen Baukörper und dem steilen Dach, erinnert das Haus an die mittelalterlichen Salz- und Kornstadel. In Material und Details modern, passt sich der Bau in der städtebaulichen Konzeption und Architektur der Altstadtstruktur an. Auf zwei Etagen stehen rund 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Veranstaltungen und Ausstellungen

26.07.26 - 08.11.26

Julia Lübbecke – Zärtlichkeit, Zins & Zusammenbruch. Über den Körper als erschöpfte Ressource

Das Kunsthaus Kaufbeuren zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Julia Lübbecke im süddeutschen Raum. Julia Lübbecke arbeitet mit skulpturalen Installationen, Fotografie, Text sowie Video und performativen Elementen. Ihre künstlerisch-forschenden Projekte nehmen ihren Ausgang meist in Archiven oder Bibliotheken. Archivmaterialien und Reproduktionen befragt sie kritisch daraufhin, wie sich Machtverhältnisse sowohl in Archive als auch in Körper einschreiben. In ihren Recherchen zur Darstellung feminisierter Arbeit, zu historischer Kontinuität institutioneller Gewalt in der Medizin oder über das Recht auf körperliche Selbstbestimmung interessiert sie insbesondere das Verhältnis zwischen den informativen und den emotionalen oder auch affektiven Dimensionen von Wissen. Die umfangreiche Einzelausstellung »Zärtlichkeit, Zins & Zusammenbruch« zeigt drei fortlaufende Werkreihen erstmals gemeinsam. Dafür adaptiert die Künstlerin die Installationen spezifisch für den Raum und entwickelt sie weiter, sodass diese im Ausstellungsraum in ihren Bezügen und Verweisen zueinander lesbar werden.

 

Die Werkserie Kleber und Falten (seit 2023 fortlaufend) befasst sich mit der Materialität und Haptik in Archiven politischer Bewegungen. In den dort versammelten Archivalien über die Kämpfe um das Recht auf Abtreibung, Kinderbetreuung oder faire Löhne spiegeln sich die prekären Bedingungen, unter denen die Bewegungen arbeiten und ihre Geschichte dokumentieren, wider – in Form von Sonneneinstrahlung, Schweißablagerung oder Materialrückständen. Diese Verschränkung von Materialien und politischen Kämpfen sowie die eigene körperliche Präsenz im Archiv übersetzt Julia Lübbecke in eine raumgreifende Konstruktion in Form eines begehbaren Leporellos, in dem fotografisch-skulpturale Arbeiten eingespannt, hängend oder liegend gezeigt werden. 

 

Die Installation Weiche Knie (seit 2021 fortlaufend) beschäftigt sich mit widerständigem Wissen und Praktiken der Selbsthilfe. Sie umfasst eigene Fotografien der Künstlerin von zwischenmenschlichen Gesten als auch Material aus Recherchen in queer*feministischen Archiven. In diesen sind die historische Kontinuität von Gewalt im Zusammenhang mit institutioneller Fürsorge ebenso dokumentiert wie widerständige Praxen; so zum Beispiel die ersten feministischen Gesundheitszentren der 1970er Jahre, Erste-Hilfe-Handbücher zum Umgang mit Polizeigewalt oder Ratgeber zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften.

 

In der Video-Lecture-Serie Slight Discomfort (seit 2017 fortlaufend) stellt der eigene Computerbildschirm oder Desktop als subjektives Interface den Ausgangspunkt dar. Mittels Bildschirmaufzeichnungen reflektiert Julia Lübbecke das Suchen und Generieren von Wissen und Erzählungen. Die Serie beschäftigt sich mit neoliberalen Auswüchsen wie Ivanka Trump’s #womenwhowork, Kathy Ackers Begeisterung für das Fragmentieren von Körpern, McKenzie Warks Analyse des Cis Gaze oder Jack Halberstams Untersuchungen dazu, wie die Morphologie des eigenen Körpers beeinflusst, welche Räume wir benutzen (dürfen). Dabei prägen Fehler, Interruptionen und Inkongruenzen den Schnitt und die visuelle Komposition der Lectures. Inwiefern können solche Glitches andere Orte, Bewegungen und Blickrichtungen schaffen, in denen normative Körperpolitiken unterwandert, verweigert und verlernt werden?

26.07.26 - 08.11.26

Nicola Reiter – Aftərmähdag

Im Speicher des Kunsthauses zeigt die Gestalterin und Künstlerin Nicola Reiter bereits seit März 2026 ihr Langzeitprojekt Aftərmähdag, das situiertes Wissen aus ihrem Lebensumfeld mit einer künstlerischen Recherche verbindet. Seit 2020 entstehen auf Wanderungen rund um Nicola Reiters Wohnort im Oberallgäu Fotografien, die Spuren landwirtschaftlicher Arbeit festhalten. Mit ihren Bildern sowie in Gesprächen mit Landwirtsfamilien über deren Höfe und Tätigkeiten untersucht sie Strukturen, Bedingungen und Transformationen von Arbeitswelten, aber auch das Verhältnis von Menschen, Nutztieren und Kulturlandschaften. Während der zweiten Phase ab Ende Juli werden der Rauminstallation nach und nach weitere Materialien hinzugefügt. In Interviews erzählen Landwirt*innen vom Aufhören, vom Weitermachen und von der Entwicklung ihrer Höfe. Fotografien nicht mehr genutzter und umgenutzter Ställe und Portraits von Landwirt:innen der jüngeren Generation verweisen auf Kontinuitäten und Leerstellen landwirtschaftlicher Gegenwart. Ein Recherchetisch mit privaten Fundstücken und Referenzen aus Kunst und Wissenschaft gibt Einblick in Zwischenstände und Hintergründe des Projekts, das sich parallel zur landwirtschaftlichen Saison von Frühjahr bis Spätherbst im Speicher des Kunsthauses fortschreibt.

Standort
Standort
Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstaggeschlossen
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
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