Das Kunstmuseum Ahrenshoop verfügt über mehr als 800 Gemälde, Grafikkonvolute und Skulpturen von Künstlern, die in Ahrenshoop oder in der nahen Küstenregion gelebt, gearbeitet oder wiederkehrend als Sommergäste gewirkt haben. Die museumseigenen Sammlungsbestände werden durch Leihgaben der Gemeinde Ahrenshoop, des Förderkreises Ahrenshoop e. V. und zahlreicher privater Leihgeber ergänzt.
Das Sammlungsprofil umfasst Werke der Gründergeneration der Künstlerkolonie Ahrenshoop, Werke der klassischen Moderne, Positionen einer gegenständlichen Kunst der 1920er bis 1940er Jahre bis zu Positionen der Kunst in der DDR, vornehmlich von Künstlern, die wie Hans Kinder und Edmund Kesting auf ihre Art widerständig waren.
Zeitgenössische Werke, die nach der Wiedervereinigung entstanden, bilden die Brücke in die Gegenwart.
Dieser Sammlungsbestand wird durch Ankäufe und Zustiftungen kontinuierlich erweitert. Die Besonderheit der Ahrenshooper Sammlung liegt in der Vielzahl künstlerisch anspruchsvoller Werke von Künstlern der deutschen Kunstgeschichte des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, die bisher eine zu geringe Aufmerksamkeit fanden und deren Wiederentdeckung und Neubewertung im Zuge einer differenzierten Rückschau geboten ist.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Hans Brass – Transformationen
Hans Brass (1885–1959) zählt zu den unterschätzten Künstlerpersönlichkeiten der klassischen Moderne. Sein Leben und Schaffen sind eng mit dem Ostseebad Ahrenshoop verknüpft: Über 25 Jahre – mit Unterbrechungen – lebt, arbeitet und malt der Berliner Avantgardist hier. In Ahrenshoop gründet er die legendäre Bunte Stube und wird zweimal zum Bürgermeister gewählt – ein ungewöhnlicher Weg für einen Künstler seiner Zeit.
Brass‘ Karriere verläuft alles andere als geradlinig: Nach einem furiosen Start in den Aufbruchsjahren nach dem Ersten Weltkrieg wird er während der NS-Zeit als »entartet« diffamiert. In der DDR wegen seines abstrakten Ausdrucks an den Rand gedrängt, fällt er im westdeutschen Kunstbetrieb als zu realistisch durchs Wahrnehmungsraster. Nach 1949 gerät sein Werk nahezu vollständig in Vergessenheit. Erst heute beginnt eine späte Wiederentdeckung.
Die Ausstellung im Kunstmuseum ermöglicht einen umfassenden Einblick in alle Schaffensphasen dieses originellen, fantasievollen und zeitkritischen Malers. Gezeigt werden 115 Werke – die Mehrzahl davon ist nie zuvor museal präsentiert worden.
Dank einer großzügigen Schenkung der BAU-Metall GmbH Rostock, konnten kürzlich 16 Gemälde, zahlreiche Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotodokumente verschollener Kunstwerke – insgesamt über 190 Positionen – des Malers Hans Brass in die Sammlung des Kunstmuseums gelangen: ein Grundstock für die weitere Erschließung des Lebenswerkes von Hans Brass, der in seiner Bedeutung für Ahrenshoop und für die überregionale Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts nicht hoch genug geschätzt werden kann.
Eröffnung: 10. Oktober 2025, 18 Uhr
Zur Ausstellung erscheint demnächst ein Katalog, den Sie vor Ort oder über unseren Museumsshop erwerben können.
Suchen als Passion – Die Sammlung Kringel
Es gibt verschiedene Gründe Kunst zu sammeln – historisches Interesse, ästhetisches Verlangen, den Wunsch nach Reputation oder den nach einer sicheren Kapitalanlage. Kunst zu sammeln hat jedoch in jedem Fall gesellschaftliche Wirkungen, die oft weitgreifend sind. Fast alle heutigen Kunstmuseen arbeiten mit Sammlungen, die einst Privatpersonen angelegt haben.
Die Sammlung des Rostocker Ehepaares Dres. Ute und Ulf Kringel ist über viele Jahre gewachsen. Verstärkt hat sich die Sammelleidenschaft Ulf Kringels seit 2016 im Zusammenhang mit mehreren spektakulären Fundgeschichten, die er im Zuge seiner Suche nach Bildern aus der jüngeren mecklenburgischen und schlesischen Vergangenheit vor 1945 erlebte. Ausgangspunkt dieser Suche waren persönliche Motive, die mit familiären Wurzeln in Schlesien und seiner Verankerung am Wohn- und Arbeitsort Rostock zu tun hatten.
Kringel stieß dabei auf Kunst, von der er anfangs wenig geahnt hatte. Aufregende Funde waren ein vielteiliger expressionistischer Bildzyklus zum Hohelied Salomos von Egon Tschirch, 1923 entstanden und im Rostocker Museum ausgestellt, sowie das Gemälde »Winterhafen in Althagen« von Hans Emil Oberländer aus dem Jahr 1939 – jeweils für Jahrzehnte verschollene, nicht mehr bekannte Werke dieser Künstler.
Die entstandene Sammlung beherbergt noch weitere derartige Entdeckungen. Bereichert wird dadurch besonders die Mecklenburger Kunstgeschichte um Rostock und Ahrenshoop, doch auch schlesisches Kulturerbe mit manchen seiner Bezüge an die Ostsee wird sichtbar. Mehrere Dutzend Gemälde von Künstlerinnen und Künstlern des Expressionismus, des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit sind in der Sammlung Kringel enthalten.
Die Werke repräsentieren Sehweisen und Emotionen, Sehnsüchte und Lebensbrüche von Menschen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Deutschland lebten und es unternahmen, ihre Erfahrungen in Bildern an uns Heutige zu übermitteln. Neben bekannten Namen sind vergessene darunter, die Verluste anzeigen – menschliche und künstlerische Verluste durch die Katastrophen des Jahrhunderts. Für das Sammlerpaar verbanden sich mit den Fundgeschichten neben viel Erkenntnislust ein zunehmender Einblick in die Dynamik künstlerischer Arbeit und wachsende Freude daran. Der hohe künstlerische Reiz der Sammlung Kringel spricht davon.
Eröffnung: 12. Dezember 2025, 18 Uhr

