Das Kunstmuseum Liechtenstein ist das staatliche Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Mit seiner ikonischen Architektur und der dunklen reflektierenden Fassade prägt es seit dem Jahr 2000 das Ortsbild von Vaduz und trägt maßgeblich zur internationalen Ausstrahlung Liechtensteins bei.
Die Sammlung umfasst internationale Kunst von der frühen Moderne bis zur Gegenwart, mit Fokus auf Skulpturen, Installationen und Objekten. Statt einer permanenten Sammlungspräsentation werden wechselnde Formate gezeigt, die einen stets neuen Dialog mit Werken aus der Sammlung ermöglichen. Mit Ausstellungen zu aktuellen Themen, Artist's Choice-Präsentationen oder Einzelausstellungen möchte das Kunstmuseum sein Publikum für die vielfältigen Geschichten begeistern, die seine Sammlung bereithält.
Das Museum verfolgt das Ziel, neue Perspektiven und befruchtende Kontaminationen aufzuzeigen; performative und prozessuale Elemente spielen dabei eine wichtige Rolle. Es versteht sich als offener Ort der Begegnung und des Austauschs – der »Seitenlichtsaal« bietet Raum für Veranstaltungen, Projekte, Vertiefungen und gemeinsame Erlebnisse. Interdisziplinarität, Diversität, Nachhaltigkeit und Inklusion sind für das Kunstmuseum Liechtenstein wichtige Werte, die sich auch in der Programmatik, einschließlich der Angebote der Kunstvermittlung, widerspiegeln.
Seit 2015 ist das Kunstmuseum um das Ausstellungsgebäude der Hilti Art Foundation erweitert. Die bedeutende liechtensteinische Privatsammlung umfasst herausragende Werke der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst. Beide Häuser verfolgen ein eigenes Programm, sind jedoch architektonisch miteinander verbunden und teilen sich einen gemeinsamen Eingangs- und Kassabereich. 130 Jahre Kunstgeschichte warten im Kunstmuseum Liechtenstein darauf, erfahren und entdeckt zu werden.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Hanna Roeckle – A Silver Lining: Künstlerische Neugestaltung von Garderobe und Treppenhaus
In Zusammenarbeit mit den Architekt:innen Uli Mayer und Urs Hüssy lässt sie die Garderobe zum Auftakt des Jubiläumsjahres 2025 unter dem Motto »Silber steht Dir« neu erstrahlen. Roeckle realisiert eine großformatige, abstrakt geometrische Wandmalerei und verleiht den Garderobenschränken eine silberne, glänzende Oberfläche. Ihr Konzept ist Teil der Werkserie Tilings und bezieht auch das angrenzende Treppenhaus mit ein.
»Silver Lining« ist eine aus dem Englischen stammende umgangssprachliche Redewendung für «Lichtblick» oder »Hoffnungsschimmer«. Es kann sich aber auch um einen Silberstreifen am Horizont handeln, der bei einer bestimmten Lichtbrechung über dem Wasser erscheint. In Roeckles Wandgemälde formen Silberstreifen eine netzartige Struktur, aus der sich polyedrische Farbflächen zu einer dreidimensional anmutenden Kristallwand verdichten. Die in verschiedenen Abstufungen gemalten Farbtöne Orange, Rosa/Violett, Blau und Silbergrau finden sich in Roeckles skulpturalem Werk wieder und kommen ursprünglich in der Natur in Mineralien vor. Physikalische Phänomene aus der Mineralogie oder Optik, wie etwa die «Mehrfarbigkeit» beim Turmalin, die durch Absorption des Lichts bzw. Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln entsteht, greift die Künstlerin auf und entwickelt diese weiter. So hat dieser Raum die Anmutung eines begehbaren Kaleidoskops.
Die Künstlerin und das Kunstmuseum Liechtenstein danken Cordula Huber und Tabita Taj-Eldin für die exzellente Umsetzung dieses Projekts.
Gefördert durch Mittel der Ars Rhenia.
kollabor. Kunst+Raum für kleine Kinder
Kinder von 0 bis 4 Jahren und ihre Begleitpersonen sind herzlich in den Seitenlichtsaal eingeladen. Dort ist ein Ort eingerichtet, der Begegnungen mit Kunst und freies kreatives Spiel ermöglicht und es ihnen erlaubt, ihre Umgebung mit allen Sinnen, mit Händen und Füssen zu begreifen.
Dreh- und Angelpunkt dieses Raumes ist seit dem Start von kollabor die Skulptur Civilian Defense Vaduz: Tausend Sandsäcke bieten Schutz und machen Lust aufs Erkunden – mit Händen und Füssen. Ebenso viele Elemente aus recyceltem Plastik laden ein zum Bauen, Sortieren, Auslegen, Auftürmen und wieder Zerlegen. Zu den dauerhaft installierten Werken des amerikanischen Künstlers Dan Peterman (*1960 in Minneapolis, Minnesota) kommen wechselnde Elemente, die Themen der jeweils aktuellen Ausstellungen aufgreifen.
Frühe ästhetisch-kulturelle Erfahrungen und Bildungserlebnisse sind für die Entwicklung des Kindes von großer Wichtigkeit. Mit dem kollabor leistet das Kunstmuseum Liechtenstein einen Beitrag zur ästhetischen Bildung im Feld der Bildenden Kunst und damit zur Umsetzung der UN-Kinderrechte ab der frühen Kindheit.
Der Name »kollabor« trägt ein weiteres Hauptanliegen des Museums mit: kollaborative Prozesse zu ermöglichen und anzuregen. Das bedeutet, mit Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen, sich auf Experimente mit offenem Ausgang einzulassen. Die Inhalte und Nutzungsformen des kollabor entstehen in einem kollaborativen Lern- und Arbeitsprozess mit Kindern, ihren Begleitpersonen, Kunstschaffenden, Kunstvermittler:innen und Pädagog:innen.
Euer Besuch im kollabor
Während der Öffnungszeiten des Museums kann der Raum selbständig genutzt werden. Der Eintritt in den Seitenlichtsaal ist frei.
Jeden Dienstag von 10 Uhr bis 11.30 Uhr und jeden Donnerstag von 14 Uhr bis 15.30 Uhr ist jemand vom Team der Kunstvermittlung vor Ort (ausgenommen Feiertage).
Spielgruppen und Kitas sind herzlich willkommen. Zur Vereinbarung eines Termins bitte bei der Kunstvermittlung melden: [email protected] oder 00423 235 0321.
In Touch – Begegnungen in der Sammlung
Die Ausstellung In Touch versteht Kunst als kraftvollen Raum von Verbindungen, von Kontakt und Austausch. Sie gliedert sich in drei Themenfelder:
Connected
Politische und gesellschaftliche Umbrüche prägen den Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa. Naturwissenschaft und Technik stellen Traditionen in Frage, und auch in den Künsten kommt es zu radikalen Neuanfängen. Über Ländergrenzen hinweg bilden die Kunstschaffenden ein Netzwerk, kommen in Vereinigungen zusammen und inspirieren sich gegenseitig. Wie etwa Wassily Kandinsky, Sophie Taeuber-Arp oder Paul Klee thematisieren sie in ihren Werken immer wieder Harmonie und Gleichgewicht, aber auch Konflikt und Trennung.
Same, same but different
Stilvielfalt ist ein wesentliches Merkmal der Moderne. Künstlerische Positionen entstehen zwar zur selben Zeit, bilden aber nicht selten Gegensätze. Führt man Werke mit vergleichbaren Motiven zusammen, werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede besonders augenfällig: bei Meerbildern von Emil Nolde und Lyonel Feininger, bei Bronzefiguren von Germaine Richier, Max Beckmann und Willem de Kooning oder bei Kompositionen von Verena Loewensberg und Pablo Picasso.
Across Time
Zu jeder Zeit haben sich Kunstschaffende an ihren Vorgängern orientiert und eigene Verwandtschaften gefunden. Zum Ende des 20. Jahrhunderts knüpfen sie forschend an eine Moderne an, die bereits als «klassisch» gilt. Im ersten Halbjahr der Ausstellung zeigen wir exemplarisch Gotthard Graubner und Lovis Corinth als Paar, zwei Maler, die den Eigenwert der Farbe feiern. Ab Herbst 2025 führen dann die Künstler Sean Scully und Paul Klee ein vielschichtiges Zwiegespräch.
Die Ausstellung wird kuratiert von Karin Schick, Direktorin der Hilti Art Foundation.
Ein mit tonwelt, Berlin, entwickelter Mediaguide beleuchtet die ausgestellten Werke und deren historische Kontexte. In der App stehen Touren in Deutsch und Englisch zur Verfügung: mit einführenden Texten, Interviews, Musik und Theater.
Werke von
Max Beckmann
Alexander Calder
Lovis Corinth
Max Ernst
Lyonel Feininger
Otto Freundlich
Julio González
Gotthard Graubner
Ferdinand Hodler
Wassily Kandinsky
Ernst Ludwig Kirchner
Paul Klee
Willem de Kooning
Verena Loewensberg
August Macke
René Magritte
Joan Miró
Piet Mondrian
Emil Nolde
Pablo Picasso
Sophie Taeuber-Arp
Germaine Richier
Sean Scully
Tony Cokes – Let Yourself Be Free
Das Kunstmuseum Liechtenstein hat den US-amerikanischen Künstler Tony Cokes (geb. 1965 in Richmond, Virginia) eingeladen, in einen Dialog mit der Sammlung zu treten.
Tony Cokes ist vor allem für seine einzigartigen Videoarbeiten bekannt: Er kombiniert Textzitate mit knalligen Farben und Popmusik zu präzise geschnittenen Videoessays, die Denken und Körper gleichermassen ansprechen.
Wie ein DJ »sampelt« und »remixt« Cokes Fragmente aus Popkultur und Massenmedien, um deren herrschende Codes zu unterlaufen. Seit den späten 1980er-Jahren übt der Künstler so Kritik an Medien und Machtverhältnissen, Rassismus und Konsumverhalten. Zu seinen Quellen gehören gefundenes Filmmaterial, journalistische und philosophische Texte sowie soziale Medien. In jüngster Zeit hat er seinen Fokus um die Geschichte und Rezeption der Konzeptkunst sowie des Minimalismus erweitert.
Let Yourself Be Free zeigt Lightboxes, Schrift- und Videoinstallationen des Künstlers – darunter zwei aus dem Bestand des Museums – sowie eine neue Auftragsarbeit und eine Auswahl von Werken verschiedener Künstler:innen aus der Sammlung. Das Prinzip der (unerwarteten) Gegenüberstellung, des Neu-Mischens und Neu-Interpretierens, prägt die Ausstellung dabei ebenso wie das Schaffen Tony Cokes'.
Eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Letizia Ragaglia.
Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation.
Vernissage: 25. September 2025, 18 Uhr
RELAX (chiarenza & hauser & co) – What is wealth?
Marie-Antoinette Chiarenza (geb. 1957 in Tunis, TN) und Daniel Hauser (geb. 1959 in Bern, CH) arbeiten seit 1983 zusammen – seit 1997 unter dem programmatischen Namen RELAX.
Der Name steht für eine Haltung, die Geschwindigkeit, Erwartungsdruck und Spannungen aussetzt und Raum für Reflexion und grundlegende Fragen schafft.
RELAX arbeiten meist situationsbezogen und beziehen sowohl den Ausstellungsort als auch soziale, politische, ökonomische und ökologische Kontexte mit ein. Ihre multimedialen Werke hinterfragen gesellschaftliche Werte ebenso wie den Kanon und die Strukturen der Kunst. Mit feinem Humor und forschendem Blick öffnen RELAX neue Perspektiven: Ihre Rauminstallation What is wealth? (2010–2017) aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein bildet den Ausgangspunkt für weiterführende Gedanken über Wert, Besitz, Verantwortung, Erinnerung – und Glück.
Bereits zweimal prägten Werke von RELAX Ausstellungstitel des Museums: Who pays? (2006, Ausstellung 2017) und What do we want to keep? (2018, Ausstellung 2021). Mit solchen offenen Fragen oder richtungweisenden Statements fordern RELAX zum gemeinsamen Nachdenken auf – denn allein denken ist kriminell.
Diese Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit RELAX (chiarenza & hauser & co) und zeigt ihre Werke aus der Sammlung erstmals in einer Einzelpräsentation.
Eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Christiane Meyer-Stoll mit Leslie Ospelt.
Vernissage mit Künstler:innengespräch: 5. Februar 2026, 18 Uhr

