Die Ausstellung lädt dazu ein, Edmund Kesting und sein beeindruckendes Œuvre erstmals überhaupt in Gänze zu entdecken: als eigenständige Position in der europäischen Moderne, als Grenzgänger zwischen Malerei, Fotografie und Objektkunst sowie als Künstler, dessen Werke von einer beharrlichen Suche nach Synthese geprägt sind.
Aus den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs hervorgegangen, suchte Kesting zunächst in einer expressiven Bildsprache nach Antworten auf die Erfahrungen von Gewalt, Verlust und gesellschaftlichem Umbruch. Doch schnell führte ihn sein Weg über die Grenzen des Expressionismus hinaus. Mit bemerkenswerter Konsequenz entwickelte er eine eigene Form der Avantgarde, die nicht nur nach neuen Bildern, sondern nach einer neuen Verbindung von Kunst und Leben verlangte.
Im Zentrum dieser Entwicklung stehen seine in den 1920er Jahren entstandenen Bildbauwerke: In Collagen, reliefartigen Papierarbeiten, verschränkten Leinwänden und räumlichen Konstruktionen überschritt Kesting die traditionelle Vorstellung des Bildes. Farbe, Form, Licht und Raum treten bei ihm in ein dynamisches Verhältnis. Seine Arbeiten verbinden konstruktive Klarheit mit poetischer Offenheit, geometrische Ordnung mit lebendiger Bewegung, Abstraktion mit menschlicher Erfahrung.
Ein zweites Mal war Edmund Kesting nach 1945 Teil der internationalen Avantgarde. Kontinuierlich entwickelte er seine Bildsprache und Techniken auf der Höhe der Zeit weiter und schuf auf diese Weise in den 1950er und 1960er Jahren ein abstraktes Œuvre, das auf Augenhöhe war mit der westeuropäischen und US-amerikanischen Kunst des Informels.
Künstler & Werk
Edmund Kesting verstand Kunst nicht als abgeschlossenen Bereich, sondern als Experimentierfeld für neue Wahrnehmungs- und Lebensformen. Mit der Gründung seiner Dresdner Kunstschule »Der Weg« schuf er einen Ort, an dem Lehre, künstlerische Praxis und gesellschaftliche Vision ineinandergriffen. Seine Arbeiten stehen in einem internationalen Dialog mit den Avantgarden ihrer Zeit – vom Konstruktivismus über Dada bis zum Bauhaus, ohne einer dieser Strömungen vollständig anzugehören.