Halle (Saale)
Museum

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) ist das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt. Gegründet wurde es 1885 als Museum für Kunst und Kunstgewerbe der Stadt Halle (Saale).

 

Hier hatte sich mit dem Halleschen Kunstverein im geistigen Umfeld der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bereits ein halbes Jahrhundert zuvor, 1834, ein Zusammenschluss kunstsinniger Bürger etabliert. 

 

Aus einem anfänglichen kleinen Konvolut von Gemälden, Grafiken und kunsthandwerklichen Objekten des 19. Jahrhunderts, präsentiert im Eich- und Waageamt am Großen Berlin, haben sich die Bestände bis heute zu einer nahezu universalen Sammlung von etwa 250.000 Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken, Fotografien, Plastiken, Objekten des Kunsthandwerks und Designs sowie Münzen, Geldscheinen und Medaillen entwickelt.

 

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte es zu den wegweisenden Museen für die damals zeitgenössische Kunst, die Kunst der klassischen Moderne. Gegenwärtig können die Besucherinnen und Besucher auf etwa 3.000 qm in einem faszinierenden architektonischen Ambiente mehr als 500 Objekte erleben.

 

Erst mit dem Umzug des Kunstmuseums der Stadt Halle (Saale) in das wiederbelebte historische Bauensemble der Ruine Moritzburg begann 1904 die Geschichte des Museums an seinem bis heute namengebenden Ort.

Veranstaltungen und Ausstellungen

03.04.26 - 23.02.27

Feuer & Form – Keramik der Moderne

Experimentelle Glasuren, nuanciertes Farbspiel und strenge reduzierte Formen prägen die Keramik der Moderne. Die künstlerische Studiokeramik der 1920er bis 1960er Jahre in Deutschland entsteht in dem facettenreichen Spannungsfeld zwischen Handwerklichkeit, Materialität, Virtuosität, klarer Schlichtheit und reduzierter Leichtigkeit, aber auch massiger Strenge und tönerner Schwere.

 

Die moderne Hinwendung zum reinen Material und zur schlichten Form führt Künstler:innen im frühen 20. Jahrhundert zurück zu den grundlegenden Techniken des Keramikhandwerks. Während sich Auguste Papendieck und Gustav Otto »Gusso« Reuss von den kräftigen Glasuren und den schlichten Formen ostasiatischer Keramik inspirieren lassen, sind der ehemalige Bauhäusler Otto Lindig in Dornburg und sein späterer Mitarbeiter Johannes Leßmann in Dornburg weiter auf der Suche nach der Klarheit der Form. Das private Studio, in dem Kleinserien und Einzelstücke entstehen, wird vor allem während des Nationalsozialismus zum Rückzugsort für Solitäre wie Jan Bontjes van Beek und Richard Bampi. Bemerkenswert bleibt dabei die Kontinuität von Formensprache, Fragestellungen und technischen Experimentieren, die sich die Künstler:innen von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis ins frühe Nachkriegsdeutschland bewahren konnten.

 

Dank der großzügigen und vielfältigen Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Saalesparkasse und der Stiftung Nachlass Johannes Stropp konnte eine herausragende Auswahl aus einer bedeutenden Berliner Privatsammlung für das Landeskunstmuseum seit 1999 erworben werden. Sie ermöglicht die hochkarätige Kabinettpräsentation der deutschen Keramik der Moderne in den Historischen Zimmern des Talamtes der Moritzburg.

02.08.26 - 25.10.26

Edmund Kesting. Avantgardist

Die Ausstellung lädt dazu ein, Edmund Kesting und sein beein­druckendes Œuvre erstmals überhaupt in Gänze zu entdecken: als eigen­ständige Position in der europäischen Moderne, als Grenz­gänger zwischen Malerei, Fotografie und Objekt­kunst sowie als Künstler, dessen Werke von einer beharr­lichen Suche nach Synthese geprägt sind.

 

Aus den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs hervorgegangen, suchte Kesting zunächst in einer expressiven Bildsprache nach Antworten auf die Erfahrungen von Gewalt, Verlust und gesellschaftlichem Umbruch. Doch schnell führte ihn sein Weg über die Grenzen des Expressionismus hinaus. Mit bemerkenswerter Konsequenz entwickelte er eine eigene Form der Avantgarde, die nicht nur nach neuen Bildern, sondern nach einer neuen Verbindung von Kunst und Leben verlangte.

 

Im Zentrum dieser Entwicklung stehen seine in den 1920er Jahren entstandenen Bildbauwerke: In Collagen, reliefartigen Papierarbeiten, verschränkten Leinwänden und räumlichen Konstruktionen überschritt Kesting die traditionelle Vorstellung des Bildes. Farbe, Form, Licht und Raum treten bei ihm in ein dynamisches Verhältnis. Seine Arbeiten verbinden konstruktive Klarheit mit poetischer Offenheit, geometrische Ordnung mit lebendiger Bewegung, Abstraktion mit menschlicher Erfahrung.

 

Ein zweites Mal war Edmund Kesting nach 1945 Teil der internationalen Avantgarde. Kontinuierlich entwickelte er seine Bildsprache und Techniken auf der Höhe der Zeit weiter und schuf auf diese Weise in den 1950er und 1960er Jahren ein abstraktes Œuvre, das auf Augenhöhe war mit der westeuropäischen und US-amerikanischen Kunst des Informels.

 

 

Künstler & Werk

 

Edmund Kesting verstand Kunst nicht als abgeschlossenen Bereich, sondern als Experimentierfeld für neue Wahrnehmungs- und Lebensformen. Mit der Gründung seiner Dresdner Kunstschule »Der Weg« schuf er einen Ort, an dem Lehre, künstlerische Praxis und gesellschaftliche Vision ineinandergriffen. Seine Arbeiten stehen in einem internationalen Dialog mit den Avantgarden ihrer Zeit – vom Konstruktivismus über Dada bis zum Bauhaus, ohne einer dieser Strömungen vollständig anzugehören.

01.10.26 - 01.11.26

Gerhard Kurt Müller

Intervention in der Dauerausstellung

 

Mit 13 Arbeiten auf Papier und dem großformatigen Gemälde »Großes Ubu-Bild« von 1983/84 hat das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) im Jahr 2026 eine bedeutende Schenkung von Werken des Leipziger Künstlers Gerhard Kurt Müller (1926–2019) aus dessen Nachlass erhalten. In einer Intervention der Sammlungspräsentation »Wege der Moderne: Kunst in der SBZ/DDR 1945–1990« sind die Werke ab dem 1. Oktober 2026 einen Monat lang ausgestellt.

 

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Gerhard Kurt Müller zählt zur ersten Generation der Leipziger Schule. Im Zentrum seines Schaffens steht der Mensch, der sich unterschiedlicher Versuchungen zu erwehren sucht. Dabei entwickelte er eine Bildsprache, die gesellschaftliche und politische Verhältnisse in eine chiffrierte Bildsprache übersetzte. So werden etwa literarische Figuren wie König Ubu oder der Pierrot zu Sinnbildern von Macht, Anpassung und Intrigantentum.

 

Müllers starkfarbige, kubistisch zergliederte Figuren agieren auf einer schmalen Bühne und beherrschen den Bildraum. Sie spiegeln Erfahrungen von Krieg, existenzieller Bedrohung und politischer Enge wider, die er selbst erfahren hatte.

 

Mit der Präsentation der Schenkung wurde der Sammlungsbestand zur Kunst der Leipziger Schule durch ein repräsentatives Konvolut ergänzt.

Standort
Standort
Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwochgeschlossen
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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