Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr kann auf eine bewegte, gut hundertjährige Geschichte zurückblicken. Hervorgegangen ist es 1909 aus der Privatsammlung des Mülheimer Bürgers Robert Rheinen. Durch gezielte Ankäufe und eine stete Förderung der mit Mülheim eng verbundenen Künstler Werner Gilles, Arthur Kaufmann, Hermann Lickfeld, Otto Pankok, Heinrich Siepmann und Werner Graeff konnte es über Jahrzehnte verschiedene Sammlungsschwerpunkte aufbauen.
Mit der Übergabe der hochkarätigen Sammlung des Mülheimer Nobelpreisträgers Karl Ziegler und seiner Frau an das Museum 1981, bildeten sich der Expressionismus und die klassische Moderne als Höhepunkt aus. Zeichnungen und Gemälde von Max Beckmann, Max Ernst, Lyonel Feininger, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel, Emil Nolde, Franz Marc und August Macke sind in den intimen Kabinetten des Altbaus des Museums zu sehen. Darüber hinaus besitzt das Museum als Schenkung des Mülheimer Arztes K. G. Themel eine der größten Heinrich Zille-Sammlungen außerhalb Berlins sowie ausgesuchte grafische Serien unter anderem von Ernst Barlach, Marc Chagall und Pablo Picasso.
Seit 1994 residiert das Kunstmuseum im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Hauptpost im Zentrum Mülheims in unmittelbarer Nachbarschaft des Medienhauses. Es wurde von 1984 bis 1994 zu einem Museum umgebaut. Den sehenswerten Platz vor dem Museum gestaltete der bedeutende Bildhauer Otto Herbert Hajek 1977 als farbiges Relief mit Stadtzeichen und Brunnen.
In wechselnden Ausstellungen stellt das Museum Künstler und Themen der Sammlung, aus Stadt und Region sowie zur klassischen Moderne und zur internationalen zeitgenössischen Kunst vor. Regelmäßige Malkurse, Kunstberatungen, Führungen, Künstlergespräche und eine Artothek ergänzen das Programm. Im Foyer des Museums, der ehemaligen Schalterhalle, bietet der vom Förderkreis betriebene Museumsshop eine große Auswahl an Geschenkartikeln an. Gefördert und unterstützt wird das Kunstmuseum von Kunstverein und Förderkreis.
Veranstaltungen und Ausstellungen
UTOPIE. SAMMLUNG+
Das neue Ausstellungsformat »Sammlung +«, das seit der Wiedereröffnung des Museums im Mai 2024 in wechselnden Präsentationen gezeigt wird, stellt die kritische Befragung der städtischen Sammlung unter verschiedenen thematischen Perspektiven dar. Die Präsentation »Utopie. Sammlung +«, ist der Auftakt einer Kooperation mit dem Theater an der Ruhr, das die Spielzeit 25/26 der »Utopie“ widmet. Sowohl das Theater als auch das Museum begegnen dem Thema der Utopie in unterschiedlichen Formaten und Medien und öffnen Denk- und Handlungsräume.
Aus dem Griechischen kommend bedeutet UTOPIE »nicht Ort«, ein Ort, der nicht existiert, aber imaginiert oder erträumt werden kann. Oftmals handelt es sich bei der Utopie um die Vorstellung einer idealen Welt oder Gesellschaft in politischer, sozialer, ökologischer oder moralischer Hinsicht. In diesem Sinne dienen Utopien immer auch als Spiegel oder Zerrbild der Realität und sind somit Werkzeuge der Kritik und des Veränderungswillens.
Die Städtische Sammlung seit ihrem Beginn am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Sammlung, die immer zeitgenössisch gesammelt hat und damit ist sie selbst ein Spiegel der Zeit, der Themen und des kunsthistorischen Kanons. Ihre Schwerpunkte und auch ihre Ausrichtung müssen von wissenschaftlicher Seite aus aktueller Perspektive immer wieder befragt und hinterfragt werden, da auch Sammlungsgeschichten sich ändern und wandeln können.
Kunst ist immer Experimentierraum für neue Denkmodelle, Wahrnehmungsmodelle bis hin zu neuen Gesellschaftsformen. Indem die Künstler:innen in Bildern oder Installationen, in Zeichnungen oder Fotografien, in Filmen oder performativ alternative Ordnungen sichtbar werden lassen, öffnen sie Vorstellungen im sozialen, politischen oder spirituellen Sinne bis hin zu interventionistischen oder partizipativen Versuchen, die Realität zu verändern.
Gruppenausstellung mit Werken aus der Sammlung unter anderem von Dorothee Golz, Hannah Höch, Martha Laugs und Rune Mields.
Eröffnung: 6. September 2025, 17 Uhr
Natalie Czech – every window thinks of itself as being an opening
Die Ausstellung »Natalie Czech« im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr ist nicht nur die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in einem deutschen Museum, sondern zugleich auch eine erste große Übersicht über ihr bisheriges Schaffen. Die Künstlerin hat ihre Ausbildung und ihre künstlerische Formation in Nordrhein-Westfalen erhalten. An der Kunstakademie Düsseldorf, die mit dem ersten Lehrstuhl für Fotografie – Bernd & Hilla Becher – einen Meilenstein für konzeptuelles fotografisches Arbeiten gelegt hat, hat Natalie Czech bei dem Becher-Schüler Thomas Ruff studiert.
Ihre Arbeiten spiegeln die konzeptuelle Herangehensweise an ein fotografisches Bild wider, wie es in der Tradition der Bechers zu finden ist, und erweitern die bildliche Dimension um das sprachliche Element. Daher präsentiert diese »mid-career« Überblicksausstellung das konsequente und stringente Werk einer Künstlerin, die sich in ihren Arbeiten mit zwei »großen« fundamentalen Kommunikationssystemen der Menschheit auseinandersetzt: Bild und Sprache!
Zugleich wird aber auch der Sound und damit das akustische Zeichen assoziativ zum impliziten Teil ihrer Werke, indem sie in einigen ihren Arbeiten auch Plattencover oder Abspielgeräte (Player) zu ihren Bildsujets macht sowie poetische, klangliche Texte verwendet, die beim Betrachten die klangliche Dimension in die Überlegungen einfließen lassen.
Eröffnung: 27. September 2025, 17 Uhr
Im Garten der Kunst: Marc, Macke, Heckel, Jawlensky
Die Sammlung Karl und Maria Ziegler (Teil 2)
Bei unserem zweiten Rundgang durch den »Garten der Kunst« führen wir die Ausstellungsreihe mit vier weiteren Protagonisten der Sammlung Ziegler fort: Nach »Klee, Feininger, Nolde« im ersten Teil folgen nun »Marc, Macke, Heckel, Jawlensky«. Die Ausstellung befasst sich mit Leben und Werk der vier expressionistischen Künstler, geht aber auch über die künstlerischen Einzeldarstellungen hinaus und macht das Sammeln selbst und das Sammlerehepaar Ziegler zum Ausgangspunkt der Betrachtungen.
Das 1957 fertiggestellte Wohnhaus der Familie Ziegler hatte einen weitläufigen Garten und lag in Sichtweite des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung. Hier hatte Prof. Karl Ziegler gerade eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, für die er 1963 den Chemienobelpreis erhalten sollte. Schon der Grundriss des Hauses und die Ausrichtung der Wohn- und Arbeitsräume mit großen, versenkbaren Fenstern zur Gartenseite hin lassen den Wunsch nach einem naturverbundenen Wohnen erkennen.
Im 1. Obergeschoss des Kunstmuseums entsteht durch eigens angebrachte Tapeten, arrangierte Fotografien und historische Möbel eine stimmige Ausstellungskulisse, in der die musealen Bilder ihre private Herkunft lebendig vor Augen führen. Das leuchtende Kolorit der Bilder erinnert daran, wie sich der liebevoll gestaltete Garten im Wohnbereich farbenprächtig fortsetzte. »Im Garten der Kunst« schlägt eine gedankliche Brücke zwischen Kunst- und Naturerleben und eröffnet einen sinnlichen Zugang – sowohl zur Sammlung selbst als auch zur persönlichen Motivation des Sammelns.
Der dritte Teil der Ausstellungstrilogie beleuchtet 2027 die künstlerischen Themenschwerpunkte der Sammlung: Kinder- und Tierdarstellungen, Reiseimpressionen, Landschaften und Stillleben.
100 JAHRE STADTHALLE MÜLHEIM. MODERNE IM WANDEL
FOTOGRAFIEN VON ALBERT RENGER-PATZSCH, HUGO SCHMÖLZ, EVELYN SERWOTKE
GESCHICHTE DER STADTHALLE MÜLHEIM
Die Idee zur Errichtung einer Gedenkhalle für Kaiser Wilhelm I entstand 1896. Bis zu ihrer Einweihung am 5. Januar 1926 ist ihre Geschichte geprägt von historischen, planerischen und finanziellen Turbulenzen. Nachdem anfänglich ein Areal zwischen Viktoria- und Eppinghofer Straße ins Auge gefasst wurde und ein Ideenwettbewerb keine überzeugenden Entwürfe brachte, forcierte der Erste Weltkrieg, die aufkommende Inflation sowie die spätere Ruhrbesetzung durch Besatzungstruppen Frankreichs und Belgiens in den 1920er Jahren den Standortwechsel an das Ufer nördlich der Schloßbrücke, dem Stadtbad gegenüberliegend.
Das Büro Pfeifer & Großmann (Karlsruhe/Mülheim) bekam 1922 – nach einem vorausgegangenen Wettbewerb, den das Stuttgarter Architekturbüro Abel gewonnen hatte – letztendlich 1922 von der Stadtverordnetenversammlung den Auftrag zur Errichtung des Gebäudes. Mit dem historisierenden Bau wurde 1923 begonnen.
Die neue Stadthalle sollte gemeinsam mit dem Rathaus, der Schloßbrücke, dem Stadtbad und dem Brückenwärterhaus eine harmonische städtebauliche Einheit bilden. Für die Innengestaltung und die Raumausstattung der projektierten Stadthalle wurde der avantgardistische Entwurf des Düsseldorfer Architekten Prof. Emil Fahrenkamp angekauft. Spätere Kriegsschäden führten zu weiteren Umbauten der Stadthalle.
RUHRVENEDIG TRIFFT ART DÉCO – ZWEI GESICHTER, 100 JAHRE
Die Wirkung der Stadthalle Mülheim ist von starken Kontrasten geprägt: Außen dominiert baulich der Renaissance-Stil, der der Stadt Mülheim den Titel „Ruhrvenedig“ beschert. Im Gegensatz zur Fassade überraschte das Innere mit radikaler Moderne. Der Architekt Emil Fahrenkamp nutzte knallige Farben, edlen Marmor und den avantgardistischen Art-DécoStil zur Gestaltung der Innenräume. Sein spektakuläres Design setzte neue Maßstäbe und prägte die Gestaltung nachfolgender Baustile in Mülheim wie beispielsweise an den Säulen im Foyer der damaligen Hauptpost (jetzt Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr) zu sehen ist. Einige der dort verwendeten Elemente realisierte Emil Fahrenkamp gemeinsam mit dem Schweizer Künstler Paul Speck, ab 1924 Leiter der baukeramischen Abteilung der Großherzoglichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe.
FOTOGRAFIERENDE
Namhafte Fotografierende haben die Errichtung des Baus, die Umbauten sowie die Innenräume in verschiedenen Zeiten und Bauphasen dokumentiert und inszeniert. Die Ausstellung zeigt Fotografien von Albert Renger-Patzsch, Hugo Schmölz, Evelyn Serwotke, die im Auftrag der Stadt aufgenommen wurden.
Die Ausstellung wird von Dr. Jörg Schmitz (Leiter der Camera Obscura, Mülheim an der Ruhr) kuratiert und ist eine Kooperation zwischen der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) und dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr. Die Ausstellung wird im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, im Grafikraum (1. Obergeschoss) präsentiert. Die
Eröffnung: 7. Februar 2026, 17 Uhr

