Das Kunstmuseum Schloss Derneburg, ein Ausstellungsort der Hall Art Foundation, zeigt Ausstellungen zeitgenössischer Kunst für ein breites Publikum in einem einzigartigen historischen Ambiente. Die Geschichte des Schlosses in der Nähe von Hannover reicht beinahe eintausend Jahre zurück. Jahrhundertelang diente es als Nonnen- und später als Mönchskloster. Im 19. Jahrhundert ging es in den Besitz der Herzöge von Münster über, die den renommierten Hannoveraner Architekten mit einem Umbau zum Landsitz beauftragten. Der Künstler Georg Baselitz erwarb das Anwesen 1970 und nutzte es bis zum Verkauf 2006 etwa dreißig Jahre lang als Wohnhaus und Atelier. Seither wurden das Schloss und die benachbarte Domäne wiedervereint und umfassend saniert.
Heute ist es eines der größten öffentlich zugänglichen Museen im Privatbesitz in Europa mit Fokus auf zeitgenössischer Kunst.
Die Ausstellungen sind zugänglich nur im Rahmen von Führungen samstags und sonntags, 11 bis 16:30 Uhr.
Veranstaltungen und Ausstellungen
The Passion – Redux
Das Kunstmuseum Schloss Derneburg freut sich, eine Neuauflage der Gruppenausstellung THE PASSION: Redux ankündigen zu dürfen, die sich mit christlicher Ikonographie und biblischen Erzählungen in zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt. Die im Kreuzgang des ehemaligen Klosters installierte Ausstellung wurde erstmals 2019 in Anerkennung der Geschichte Schloss Derneburgs eröffnet. THE PASSION: Redux schöpft weitgehend aus der Sammlung Hall und umfasst etwa 115 Werke verschiedener Künstler:innen, die die Dramatik der christlichen Erzählungen hervorheben und gleichzeitig ernste, exzentrische, feierliche und sardonische Ansätze zu diesen Themen in der heutigen Zeit betrachten.
Die ursprüngliche Wehranlage, die fast 1000 Jahre zurückdatiert, war jahrelang in kirchlichem Besitz und beherbergte verschiedene Nonnen- und Mönchsorden, vor allem unter der Ägide des Hildesheimer Bischofs. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Derneburg zu einem großen und erfolgreichen Zisterzienserkloster. Die heute vorhandene Bausubstanz stammt vorrangig aus dieser Zeit – auch wenn sie nach einer anschließenden Säkularisierung teils verändert wurde.
THE PASSION: Redux fokussiert in erster Linie die Figuration. Die Kreuzigung ist mit einer fotorealistischen, lebensgroßen Skulptur von John De Andrea, einer monumentalen Gemäldegruppe von Georg Baselitz, die die Kreuzwegstationen dokumentiert, sowie einer großen Skulptur aus Holz und Gips von Rachel Feinstein vertreten. Die Aneignung von Bildern aus der Kunstgeschichte zusammen mit biblischen Erzählungen umfasst Beiträge von Dahn Vo (Ghetti, Caravaggio, Gentileschi), Marisol (Mantegna) und Jacqueline Salmon (Van Der Weyden, Bosch, Cranach).
Die spannende Kombination von alten und neuen Medien mag für einige Besucher:innen überraschend sein. Vier kürzlich restaurierte Altartafeln des Meisters der Hildesheimer Madgalene-Legende aus dem 15. Jahrhundert werden zusammen mit Damien Hirsts Rehab is for Quitters (1998–99), einer kinetischen Skulptur aus Glas, Stahl und Aluminium, gezeigt. Beide Werke werden von einer verkörperten Moral getrieben, obwohl zwischen ihrer Entstehung mehrere Jahrhunderte liegen. In ähnlicher Weise stellt die Ausstellung eine katalanische Holzkreuzigung aus dem 13. Jahrhundert zeitgenössischen Interpretationen des Kreuzes durch Gerhard Richter, Richard Artschwager und Yoshimoto Nara gegenüber. Während einige Darstellungen formal konzentriert sind, sind andere satirisch, darunter ein Selbstporträt von Martin Kippenberger als gekreuzigter Frosch.
Die Ausstellung wird parallel zu einer langjährigen Dauerausstellung des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch gezeigt, der die Räume 2011 selbst einrichtete. Die Präsentation von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und großformatigen, mehrteiligen Installationen im verbliebenen Teil der ehemaligen Kirche des Gebäudes würdigt das Werk des 2022 verstorbenen Wiener Aktionisten.
THE PASSION: Redux wird durch die begleitende Ausstellung THE PASSION: Werke der Sammlung Hall ergänzt, die vom 14. März bis 1. Juni 2025 im Dommuseum Hildesheim zu sehen ist und wichtige Leihgaben von Künstler:innen wie Niki de Saint Phalle und Gilbert & George sowie Werke aus der ständigen Sammlung umfasst.
THE PASSION: Redux umfasst Werke von u.a.: Richard Artschwager, Dan Attoe, Georg Baselitz, Jake & Dinos Chapman, Francesco Clemente, John De Andrea, Niki de Saint Phalle, Rachel Feinstein, Eric Fischl, Dan Flavin, Lucio Fontana, Jorge Galindo, Meister der Hildesheimer Magdalenenlegende, Damien Hirst, Jonathan Horowitz, Edward Kienholz, Martin Kippenberger, Guillermo Kuitca, David LaChapelle, Robert Longo, Markus Lüpertz, Robert Mapplethorpe, Marisol, Otto Muehl, Helmut Newton, Justin Liam O'Brien, Alessandro Pessoli, Jack Pierson, Arnulf Rainer, Anselm Reyle, Jacqueline Salmon, Wilhelm Sasnal, Julian Schnabel, Andres Serrano, Peter Stauss, Erich Steininger, Tony Tasset, Bill Viola, Danh Vo und Andy Warhol.
Nicole Eisenman – Schloss Lyfe
Das Kunstmuseum Schloss Derneburg freut sich, eine Überblicksausstellung der amerikanischen Künstlerin Nicole Eisenman ankündigen zu dürfen, die zusammen mit einer neuen Dauerinstallation von Bronzeskulpturen auf dem Gelände des Kunstmuseums gezeigt wird. Nicole Eisenman: Schloss Lyfe ist nach einer Zeichnung benannt, die während eines Besuchs in Derneburg im Jahr 2017 entstanden ist. Die Ausstellung umfasst rund 85 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Hall, einschließlich der monumentalen Gipsskulpturen, von denen die Bronzen gegossen wurden.
Die 1965 in Verdun, Frankreich, geborene und heute in New York lebende Künstlerin arbeitet in den Bereichen Malerei, Skulptur, Zeichnung, Druckgrafik und Installation und stellt seit über 20 Jahren regelmäßig in Deutschland aus. Ihr Werk ist eine Antwort auf die schwierige Navigation progressiver Ideale inmitten der unsicheren politischen Landschaft Amerikas, die zunehmend autoritär zu werden droht. Bei aller technischen Virtuosität sind Eisenmans unerschütterliche Werte zutiefst persönlich, sozial und autobiografisch, mit einem scharfsinnigen Sinn für Humor und einer Ehrfurcht vor Sprache und Literatur.
Mithilfe einer Energie, die sie aus informellen Skizzen, kollaborativen Performances, ortsspezifischen Installationen und Wandmalereien schöpfte, hat Eisenman sowohl die Historienmalerei als auch die figurative Skulptur neu definiert. Mehr als ein Dutzend Gipsskulpturen, die während eines Aufenthalts im Studio Voltaire in London entstanden, waren radikal in der Wirtschaftlichkeit ihrer Konstruktion und erhoben gleichzeitig einen alltäglichen Anspruch auf das Monumentale. Spätere Beispiele, darunter Inhaling Object Symbol Guy (2013), verdeutlichen Eisenmans spielerischen Umgang mit dem Material, einen sinnlichen Ansatz für Körper und Gesten sowie eine erfindungsreiche Symbolik, die die Fluidität von Geschlecht und menschlichen Beziehungen einbezieht.
Die Gips- und Bronzeskulpturen werden neben mittlerweile ikonischen Gemälden ausgestellt, darunter Beer Garden with Ulrike and Celeste (2009), From Success to Obscurity (2004) und It is so (2014). Die Ausstellung umfasst zudem wichtige Arbeitsbeispiele aus den 1990er Jahren, darunter Zeichnungen, Teile von zerlegten Installationen und satirische Reaktionen auf amerikanische Ereignisse und Kultur.
Die 45 Monotypien umfassende Serie Untitled (2011-12), die erstmals auf der Biennale des Whitney Museums gezeigt wurde, wird selten zusammen ausgestellt. Die gesamte Präsentation bietet die Gelegenheit, die Bandbreite an Erzählungen und Techniken, die Eisenmans Rolle als eine der erfindungsreichsten und einfühlsamsten Künstler:innen der Gegenwart unterstreicht, aus nächster Nähe zu betrachten.
Nicole Eisenman ist Stipendiatin der MacArthur Foundation (2015) und Mitglied der American Academy of Arts and Letters (2018). Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören »What Happened« im Museum Brandhorst, München, Deutschland (2023), die zur Whitechapel Gallery, London, Vereinigtes Königreich (2023) und zum MCA Chicago, Chicago, IL (2024) wanderte; »Heads, Kisses, Battles: Nicole Eisenman and the Moderns« in der Kunsthalle Bielefeld, Bielefeld, Deutschland (2021), die an das Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schweiz (2022), die Fondation Vincent Van Gogh, Arles, Frankreich (2022), und das Kunstmuseum Den Haag, Niederlande (2022), ging; »Giant Without a Body« im Astrup Fearnley Museet, Oslo, Norwegen (2021); »Sturm und Drang« im Contemporary Austin, Austin, TX (2020); und »Baden Baden Baden«, in der Staatlichen Kunsthalle, Baden-Baden, Deutschland (2019).

