Das Kunstmuseum Stuttgart ist ein lebendiger Ort des Austauschs, offen und transparent für alle – ein Ort, der Kreativität und ästhetische Erfahrung fördert. Das Kunstmuseum Stuttgart schafft einen kulturellen, sozialen, interdisziplinären Ort für Partnerschaft und Teilhabe. Das Wissen, das der Museumsteam durch das Sammeln, Bewahren und Erforschen von Kunst erwerben, teilt mit den Besucher:innen – unabhängig von ihrer Bildung, ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft. Das Museum ist eine vielfältige, weltoffene Plattform des miteinander und voneinander Lernens. Es lädt zu Begegnungen ein, die inspirieren, begeistern, jedoch auch irritieren und Fragen hinterlassen können.
Das Kunstmuseum Stuttgart befindet sich mitten im Herzen der Stadt. Seine feste Verankerung in der Region und in der Gesellschaft hat es zu einem bedeutenden Wahrzeichen der Landeshauptstadt gemacht. Hier sind alle Bürger:innen willkommen. Sinnbild dafür ist die offene Architektur mit dem weithin sichtbaren Glaskubus.
Das Kunstmuseum Stuttgart ist sich seiner Verantwortung als Bildungsinstitution bewusst. Durch die Entwicklung experimenteller Formate werden immer wieder neue Zielgruppen eingebunden. Das Museum möchte ein barrierefreier Ort sein, der Kunst, Kultur und Bildung für alle Menschen möglich macht.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Vom Werk zum Display
Wie können Kunstwerke im digitalen Raum in ihrer einzigartigen Qualität vermittelt werden? Der Frage gingen das Kunstmuseum Stuttgart und die Kunsthalle Mannheim in dem gemeinsamen, mehrjährigen Forschungsprojekt »Vom Werk zum Display« nach. Für 22 Kunstwerke beider Sammlungen wurden Episoden entwickelt, die neue, experimentelle Vermittlungsansätze für den digitalen Raum verfolgen. Vor Ort in den Museen ist ein direkter Vergleich zwischen Original und digitaler Übersetzung möglich.
So können Besucher:innen an dem Gemälde »Der Bachsänger« von Johannes Itten das Zusammenspiel von Farbe, Form und Kontrast interaktiv erforschen. Die Figuren in Otto Dix’ Triptychon »Großstadt« werden virtuell zum Leben erweckt und erzählen von dem dargestellten Geschehen aus jeweils eigener Perspektive. Auf einem digitalen Artboard lassen sich einzelne Elemente aus den Bildern von Mona Ardeleanu zu eigenen Collagen und neuen Kunstwerken kombinieren.
Im Kunstmuseum Stuttgart gibt es außerdem Episoden zu Werken von Willi Baumeister, Hanne Brenken, Rebecca Horn, Wolfgang Laib, Josephine Meckseper, Dieter Roth und Mirja Wellmann.
Anita Berber – »Orchideen«
Die Tänzerin Anita Berber gilt als ideales Symbol für die verruchten 1920er-Jahre in Berlin: Sie war für ihren exzessiven Alkohol- und Drogenmissbrauch bekannt wie für ihre ekstatischen Nackttanzauftritte berüchtigt. Im Alter von 29 Jahren starb sie in Armut in Berlin-Kreuzberg.
Die Präsentation »Orchideen« in den Sammlungsräumen zeigt, was oftmals das auf Erotik und Rausch reduzierte Image von Anita Berber verdeckt: ihren wegweisenden Einfluss als Choreografin auf den modernen Tanz, der die heutige Performancekunst vorwegnahm. Oder ihr lyrisches Werk, in dem sich Anita Berber feinfühlig wie melancholisch über Geschlecht und Geschlechtlichkeit äußert – so etwa im titelgebenden Gedicht »Orchideen« von 1923.
Joseph Kosuth – ›Non autem Memoria‹
Art as Idea as Idea – eine einfache wie weitreichende Formel, die Joseph Kosuth (*1945 in Toledo, USA) in den 1960er-Jahre aufgestellt hat und die fortan seinen künstlerischen Weg bestimmen sollte. Kosuth gilt als bedeutender Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Bei dieser Kunstrichtung ist vor allem die Idee zentral, die hinter einem Kunstwerk steht. Als künstlerische Mittel dienen vorrangig Worte und Sprache.
Stuttgart wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einer wichtigen Bühne für Joseph Kosuth. Mit zahlreichen Ausstellungen war er in der Stadt präsent, von 1991 bis 1997 lehrte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt von Kosuth einen herausragenden Werkbestand – dem größten in Deutschland. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt das Kunstmuseum einen vom Künstler selbst kuratierten Raum mit Arbeiten aus der Sammlung.
Eröffnung: 13. Juni 2025, 19 Uhr
Heba Y. Amin und Horizontaler Gentransfer – Hans-Molfenter-Preis 2025
Am 27. Juni 2025 wurden die Video- und Installationskünstlerin Heba Y. Amin und das Punk-Performance-Kollektiv Horizontaler Gentransfer mit dem Hans-Molfenter-Preis ausgezeichnet. Anlässlich dieser Ehrung zeigt das Kunstmuseum Stuttgart von Heba Y. Amin die Filminstallation »Iterations on Witnessing«. Horizontaler Gentransfer haben am Abend der Preisverleihung ein exklusives Konzert gegeben, das als Videoarbeit ebenfalls bald in der Ausstellung zu sehen sein wird.
Der Hans-Molfenter-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart ging in diesem Jahr an gleich zwei künstlerische Positionen, da bedingt durch die Pandemie die Vergabe zuletzt einmal aussetzen musste. Der Kunstpreis wird seit 1983 an Künstler:innen vergeben, die mit der Stadt und der Region verbunden sind und durch ein herausragendes künstlerisches Werk Anerkennung erfahren haben. Finanziert wird der mit 16.000 Euro dotierte Preis aus dem nachgelassenen Vermögen des Stuttgarter Malers Hans Molfenter (1884–1979).
In ihrem künstlerischen Schaffen beschäftigt sich Heba Y. Amin mit politischen Themen, historischen Orten und Archiven. Hierzu verwendet sie die Medien Film, Fotografie, Performance, Installation unter Hinzunahme von Archivmaterialien. Die Künstlerin verbindet ihr Quellenmaterial mit fiktionalen und spekulativ‐subversiven Elementen, um dominante historische Narrative zu reflektieren und zu dekonstruieren.
»Iterations on Witnessing« ist ein filmisches Langzeitprojekt und ein sich stetig erweiterndes Archiv, das sich mit den Paradoxien des Sehens befasst. Die Künstlerin greift das neurologische Phänomen des »Blindsehens« auf, bei dem blinde Menschen trotz einer nervlichen bedingten Sehstörung auf visuelle Reize differenziert reagieren können. Damit macht sie Zeugenschaft als bruchstückhaft und selektiv verständlich: Was ist sichtbar? Was bleibt verborgen? Und was wird absichtlich ausgeblendet?
Heba Y. Amin (*1980 in Kairo) ist seit 2021 Professorin für Digitale und Zeitbasierte Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Amin war in zahlreichen Ausstellungen und Biennalen zu sehen, zuletzt in der Städtischen Galerie Nordhorn, im Kunstmuseum Wolfsburg und im Guggenheim, NYC.
Horizontaler Gentransfer
Horizontaler Gentransfer ist ein Stuttgarter Kollektiv, das aus sechs Künstlerinnen besteht: Mizi Lee, Yun Park, Jerry Ahn, Hanseo Oh, Seonha Park und Lilian Gonzalez. Konzeptuell knüpft die Gruppe an den namensgebenden Prozess der Genweitergabe an: Was in der Biologie den Austausch genetischen Materials zwischen bereits existierenden Organismen bezeichnet – auch über Artengrenzen hinweg –, steht hier exemplarisch für die Prozesse eines interkulturellen Austausches.
Die Gruppe Horizontaler Gentransfer arbeitet an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Musik, Lyrik, Theater und Performance. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen verhandeln die Künstlerinnen in ihrer künstlerischen Praxis, die Elemente des K‐Punk, Spoken Word und Art‐Pop verbindet, Fragen der Zugehörigkeit und Konzepte von Heimat.
Romane Holderried Kaesdorf – Haltung bewahren
Fünf Jahrzehnte lang hat Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007) jeden Tag gezeichnet. Ihr Werk gehört zu den herausragenden Beiträgen im Bereich »Zeichnung der Gegenwart«. Der leise Humor in den Arbeiten entsteht zwischen den Begegnungen von Figuren, durch den Umgang von Figuren mit Alltagsdingen, über Körper-Haltungen sowie eingefügte Worte und Satzfragmente.
Bis 1974 herrschen in ihren Zeichnungen meist paarweise auftretende Männer – oftmals als Jäger bezeichnet – vor. Sie bevölkern mit ritualisierten Gesten Sofas und Sessel oder hantieren hingebungsvoll mit Stühlen. Sie werden 1974/75 von weiblichen Figuren abgelöst, deren Aktionen und Haltungen wesentlich dynamischer sind. Das Tun der Frauen ist von innerer Freiheit und Gegenwärtigkeit bestimmt – ob sie nun mit Dingen interagieren oder erproben, »wie man ein Brett mit der Hand hält«. In den letzten Serien reduziert die Künstlerin die bühnenartigen Arrangements und setzt einzelne Handlungen wie das Händeringen oder Riechen plastisch mit wenigen Strichen um.
Eröffnung: 26. September 2025, 19 Uhr
20 Jahre Frischzelle
Mit dem Doppeljubiläum des Kunstmuseums feiert auch die Ausstellungsreihe »Frischzelle« ihr 20-jähriges Bestehen. Nach anfänglich wechselnden Ausstellungsflächen etablierte sich eine fest definierte Raumsituation in der ständigen Sammlung, die junge Kunstschaffende der Region alljährlich vor Herausforderungen stellt. Ihre Werke treten hier in einen unmittelbaren Dialog mit bereits etablierten Positionen, geben Impulse und eröffnen einen frischen Blick auf die Museumssammlung.
Für das 20-jährige Jubiläum ist nun erstmalig eine Auswahl an Werken zu sehen, die nach der Präsentation in der »Frischzelle« Teil des Museumsbestandes wurden. Gemeinsam mit einer parallel erscheinenden Publikation bietet die Schau einen Überblick über alle 31 Ausgaben der Reihe.
Gezeigt werden Arbeiten von Katinka Bock, Benjamin Bronni, Michał Budny, Stefan Burger, Melanie Dorfer, Luka Fineisen, Otto D. Handschuh, Gereon Krebber, Pia Maria Martin, Ann-Kathrin Müller, Peles Duo, Anahita Razmi, Albrecht Schäfer, Alexander Schellow, Stefanie Trojan und Nasan Tur.
Rolf Nesch . Nadira Husain . Ahmed Umar – Prägungen und Entfaltungen
Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bilden Druckgrafiken und Reliefarbeiten von Rolf Nesch (1893–1975) aus der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart. Sie treten in Dialog mit Werken der zeitgenössischen Künstler:innen Nadira Husain (*1980) und Ahmed Umar (*1988). Alle drei verbinden Migrationserfahrungen, die sich in Motivik und Bildsprache ihrer Arbeiten widerspiegeln.
Der aus Oberesslingen stammende Rolf Nesch emigriert 1933 als Gegner des Nationalsozialismus nach Norwegen. Seine Formensprache wandelt sich grundlegend durch den Einfluss nordischer Natur, Kultur und Menschen. Auch das Werk der indisch-baskisch-französischen Künstlerin Nadira Husain zeugt von transkulturellen Bewegungen und Reflexionen über die kulturelle Identität einer postmigrantischen zweiten Generation. Ahmed Umar flieht vor politischer Verfolgung aus dem Sudan nach Norwegen, um dort als queerer Künstler ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit seinen spirituellen und kulturellen Wurzeln zu führen.
Rolf Nesch (1893–1975)
Rolf Nesch studiert an der Kunstakademie Dresden. Nach einem Studienaufenthalt bei Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos beginnt er mit druckgrafischen Experimenten. Bereits vor seiner Emigration 1933 entwickelt er einen besonderen Metalldruck, bei dem auf die Druckplatte gelötete Metallstücke mitgedruckt werden. In Norwegen erweitert er diese Praxis, sodass am Ende dreidimensionale Materialbilder stehen. Die Beschäftigung mit dem Land und seiner Kultur, die Faszination für nordische Landschaften und Erzählungen, aber auch Exilerfahrungen und die Anpassung an neue Lebensumstände prägen Neschs Schaffen. Von 1960 bis Mitte der 1980er-Jahre erwirbt die Galerie der Stadt Stuttgart – der Vorgängerinstitution des Kunstmuseums Stuttgart – knapp 90 Arbeiten des Künstlers. Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums und Leihgaben aus dem In- und Ausland geben Einblick in sein transmediales, kulturübergreifendes Œuvre. Rolf Nesch zählt heute zu den bedeutendsten Künstler:innen Norwegens.
Nadira Husain (*1980)
Nach ihrem Kunststudium an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris zieht Nadira Husain nach Berlin. In ihren auffächernden, raumgreifenden Malereien und Installationen geht sie Themen wie Postmigration, Transkulturalität und kultureller Hybridität nach. Dabei verwendet sie traditionelle Handwerkstechniken und integriert Textilien und Keramik. Durch den Rückgriff auf Symbole und Erzählungen verschiedener Kulturkreise, die mit ihrem eigenen biografischen Hintergrund verknüpft sind, entstehen vielschichtige Bildkompositionen. In ihnen entspinnt sich ein dichtes Bezugssystem zu indopersischer Mogulmalerei, europäischen Comicfiguren und Elementen des Sufismus. Im Kunstmuseum Stuttgart präsentiert die Künstlerin neue Arbeiten, darunter eine vor Ort gestaltete Wandarbeit.
Ahmed Umar (*1988)
Der aus dem Sudan stammende Künstler und LGBTQIA+Aktivist Ahmed Umar flieht wegen der politischen Verfolgung seiner Person 2008 nach Norwegen. Dort studiert er bis 2016 Druckgrafik sowie medium- und materialbasierte Kunst an der National Academy of the Arts in Oslo. Seine künstlerische Praxis kennzeichnet eine fortwährende Beschäftigung und Erforschung neuer Materialien und die Umgestaltung von Fundstücken. Zugleich zeugt sein Werk von der Zerrissenheit eines Individuums zwischen traditionellen Geschlechterrollen, Religiosität und dem Streben nach Selbstbestimmung. Umar identifiziert sich als queer und versteht sich als politischer Künstler. Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert Ahmed Umars Werk erstmalig in Deutschland.

