Bergisch Gladbach
Museum

Kunstmuseum Villa Zanders

Konrad-Adenauer-Platz 8, 51465 Bergisch Gladbach

Sowohl die Stadt Bergisch Gladbach als auch das Museumsgebäude, die herrschaftliche, 1873 bis 1875 errichtete Villa Zanders, verdanken ihre Entstehung dem Werkstoff Papier. Analog zur mehr als vierhundertjährigen Papier- und Regionalgeschichte liegt daher der Sammlungsschwerpunkt auf der Kunst aus Papier.

 

Kunst aus Papier versteht sich in Abgrenzung zur Kunst auf Papier (wie z.B. Zeichnung oder Druckgrafik) als Quasi-Gattungsbegriff, der sich auf die Materialität bezieht. Die unglaubliche Vielfalt der Sammlung ergibt sich aus den schier unendlichen Möglichkeiten, Papier zu bearbeiten, wiederzuverwenden oder zu manipulieren: handgeschöpftes Papier ist genauso vertreten wie Arbeiten, die Papierprodukte schichten oder stapeln, in denen gerissen, geschnitten, geprägt, geknüllt oder gefaltet wurde.

 

Das Kunstmuseum Villa Zanders verfügt heute über eine zwar junge, aber bundesweit einzigartige Sammlung mit einem umfangreichen Bestand aus rund 500 internationalen Positionen aus diesem Bereich. Sie umfasst neben bildartigen Werken wie Collagen und Décollagen, Prägedrucken, Reliefs und Papierschnitten auch Buchwerke, Skulpturen und Rauminstallationen.

Veranstaltungen und Ausstellungen

31.05.26 - 15.11.26

James Ensors fantastische Welten – Druckgraphik aus der Sammlung Deckers

James Ensor (1860–1949) ist ein Künstler, der fasziniert. Er lässt uns staunen, bewundern, schaudern, nachdenken, entdecken, fragen und lachen. Mit seinen bekannten expressiven Maskenmotiven und zahlreichen anderen Bildthemen übt der belgische Künstler bis heute eine große Anziehungskraft aus – auf das Kunstpublikum ebenso wie auf Künstler:innen. Seine Werke sind zeitlos.

Ensor, einer der prägenden Wegbereiter der Moderne, entwickelte ab Mitte der 1880er Jahre eine facettenreiche Radierkunst, die noch immer fasziniert. Mit über 100 Radierungen, darunter zahlreiche handkolorierte Exemplare, spiegelt die Ausstellung die expressive Bildsprache und stilistische Vielfalt des Künstlers wider. Seine oft ironisch gebrochene Bildwelt, bevölkert von Masken, Grotesken und gesellschaftlichen Anspielungen, entzieht sich gängigen Stilzuordnungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Thematisch gegliedert lädt die Ausstellung dazu ein, Ensors künstlerischen Kosmos in seiner ganzen Vielfalt zu entdecken.

Der Fokus liegt auf seinem druckgraphischen Schaffen, das sich in zwei Hauptphasen zwischen 1886–1889 und 1895–1899 entfaltete. Besondere Aufmerksamkeit wird der Praxis des Kolorierens gewidmet, die den Bildsinn seiner Werke intensivierte.

 

Die Präsentation basiert auf einer umfangreichen Privatsammlung, die in den letzten 25 Jahren in Ensors Heimatstadt Ostende zusammengetragen wurde. Sie bietet dem Publikum die seltene Gelegenheit, einen tiefen Einblick in das druckgraphische Œuvre Ensors zu gewinnen und seine künstlerische Entwicklung nachzuvollziehen.

 

Gefördert wird die Ausstellung vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

Kuratorin: Dr. Ina Dinter
Kuratorische Assistenz: Maike Sturm

11.07.26 - 31.10.26

Am Rande des Vulkans – Blut als Material in der Kunst bei Peter Gilles im Dialog mit Joseph Beuys, Felix Droese, Jenny Holzer, Birgit Kahle, Hermann Nitsch und Anna Sudermann

Seit den frühen 1960er-Jahren wird Blut als Material bei Performances, Bildern und Objekten verwendet. Was ursprünglich schockierte und die Justiz auf den Plan rief, strahlt auch heute noch eine besondere Kraft aus.

Erstmalig widmet sich diese Kabinettausstellung dem Thema Blut als (Mal-)Material. Im Zentrum stehen die Werke des Kölner Künstlers Peter Gilles (1953 – 2017). Seine Körperabdrucke mit Eigenblut – ebenso wie seine Zeichnungen – sind in erster Linie Selbstbildnisse. Es sind Dokumente der Selbstbehauptung und künstlerischen Gestaltung in Grenzsituationen – zum Beispiel am Rande eines aktiven Vulkans, unter Sauerstoffmangel oder angesichts massiver innerer Spannungen. Der Künstler selbst sprach von »Fragmenten zur Klärung seiner Identität«.

In unseren heutigen Krisen- und Wendezeiten sind Selbstbehauptung und Identität aber nicht nur ein individuelles, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema. Die Arbeiten von Peter Gilles sind aktueller als je zuvor.

 

Im Dialog mit Werken von Joseph Beuys, Felix Droese, Jenny Holzer, Birgit Kahle, Hermann Nitsch und Anna Sudermann zeigt sich eine große Spannweite von Möglichkeiten im Umgang mit (Tier-)Blut als Material.

 

Im Rahmen der Ausstellung wird eine umfangreiche Monografie zum Werk von Peter Gilles der Öffentlichkeit vorgestellt (Verlag Kettler).

 

Kuratiert von Prof. Dr. Hartmut Kraft

18.09.26 - 04.04.27

Paper Minds – Konkrete Kunst aus Papier

Die Ausstellung Paper Minds widmet sich den vielfältigen Erscheinungsformen konkreter Kunst im Medium Papier. Die konkrete Kunst entwickelte sich seit den 1930er-Jahren als eine Kunstrichtung, die sich bewusst von Naturabbildung und subjektivem Ausdruck absetzt. Ausgangspunkt ist eine autonome Bildsprache, in der Linie, Fläche, Farbe und Rhythmus als eigenständige Gestaltungsmittel wirken. Häufig basieren die Arbeiten auf mathematischen Prinzipien, seriellen Ordnungen und klaren Systemen, die eine präzise und nachvollziehbare Bildstruktur erzeugen. Gerade in dieser Klarheit liegt zugleich ein besonderes Potenzial zur unmittelbaren Erschließung: Wer das zugrunde liegende Prinzip erkennt, kann die Werke eigenständig lesen und nachvollziehen.
Im Medium Papier finden diese Ansätze eine besondere Zuspitzung. Papier fungiert nicht nur als Träger, sondern als eigenständiges Material mit spezifischen Eigenschaften: Es wird gefaltet, geschnitten, geschichtet, gerastert oder perforiert und entfaltet so ein vielschichtiges Spannungsfeld zwischen Fläche und Raum. Gerade die Reduktion auf ein vermeintlich einfaches Material eröffnet neue Möglichkeiten der Differenzierung, Präzision und experimentellen Erprobung.

 

Die Ausstellung umfasst zahlreiche Werke aus der Sammlung »Kunst aus Papier«, die durch ausgewählte Leihgaben ergänzt werden. Sie versammelt Arbeiten, die die Bandbreite konkreter künstlerischer Strategien im Umgang mit Papier sichtbar machen – von streng systematischen Kompositionen bis hin zu subtilen Variationen serieller Prozesse. Paper Minds zeigt, wie sich aus der Verbindung von Material und formaler Logik eigenständige Bildsysteme entwickeln, in denen Wahrnehmung, Struktur und Rhythmus in ein präzises Gleichgewicht treten.

 

Kuratorinnen: Dr. Ina Dinter, Wibke Müller

Standort
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Konrad-Adenauer-Platz 8, 51465 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag14:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag14:00–20:00
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