Zum Kunstpalais gehört die Städtische Sammlung Erlangen, die bisher weit über 4.500 Werke umfasst. Ihr Schwerpunkt liegt auf internationaler multiplizierter Kunst: Grafiken, Multiples und Künstlerbücher sowie Fotografie und Videoarbeiten.
Seit die Sammlung 1966 begonnen wurde, ist sie immens angewachsen, sowohl durch Schenkungen von Künstler:innen und Privatpersonen also auch durch Ankäufe aus dem städtischen Etat. Sie versteht sich als Ideengeschichte der Kunst nach 1945: ob Pop Art, Op-Art, Land Art, Konkrete Kunst oder Informel – alle bedeutenden Kunstrichtungen von der Nachkriegszeit bis heute sind in Erlangen vertreten.
Jedes Jahr wird die Sammlung um sorgfältig ausgewählte neue Arbeiten ergänzt, um auch weiterhin die neueste Kunstgeschichte mit ihren wichtigsten Vertreter:innen repräsentieren zu können.
Zu den Aufgaben, die mit der Sammlung verbunden sind, zählen nicht nur deren Bewahrung, Erforschung und Fortführung. Auch das Zeigen und Vermitteln dieser Schätze ist uns ein wichtiges Anliegen. So sind die Werke aus der Städtischen Sammlung sowohl in thematischen Gruppenausstellungen des Kunstpalais sowie auch in eigenen Sammlungspräsentationen zu sehen. Die Neuerwerbungen jeden Jahres stellen wir in unserem Blog vor und präsentieren sie nach Möglichkeit bei ihrer Ankunft in den Ausstellungsräumen.
Derzeit fehlt ein Ort für eine dauerhafte öffentliche Präsentation der Sammlung. Das Kunstpalais arbeitet aber bereits intensiv an ihrer Digitalisierung – ausgewählte Arbeiten gibt es bereits jetzt schon mit Text und Bild auf der Homepage zu entdecken.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Andrej Dúbravský
Bienen und Marienkäfer, Hähne, Katzen, Blumen – und immer wieder nackte Jungs, die selbstbewusst und geheimnisvoll den Blick ihrer Betrachter:innen erwidern. Auf den ersten Blick wirken die Gemälde von Andrej Dúbravský (* 1987 in Nové Zámky, Slowakei) wie paradiesische Szenen. Kein Wunder, denn die meisten von ihnen entstehen inmitten idyllischer Natur, in einem Studio auf dem Land in der Nähe von Bratislava. Dúbravský, bereits heute einer der bekanntesten und international erfolgreichsten Künstler:innen der Slowakei, malt dort nicht nur, sondern züchtet Gemüse, hält sich Hühner und bewirtet Freunde und Gäste, die den weiten Weg auf sich genommen haben, ihn in seinem prächtig blühenden Garten zu besuchen. Der Boden, der zu den fruchtbarsten Europas zählt, bietet reichlich Nahrung für immer neue Motive, die Dúbravský in seinem typischen, verwaschen scheinenden Malstil festhält. So wirken sie wie Traumbilder oder der Nachhall von Sommererinnerungen. Und zugleich klingt in ihnen die Zerbrechlichkeit des natürlichen Gleichgewichts an, in dem Mensch und Tiere leben. Selbst der paradiesische Garten des Künstlers ist stetig bedroht durch die Pestizide, die auf den Nachbargrundstücken versprüht werden.
Neben Biodiversität setzt sich Dúbravský zusätzlich für Vielfalt in- und außerhalb der queeren Community ein. Dem immer noch vorherrschenden Idealbild des sportlichen oder schlanken schwulen Mannes hält er die sexuelle Anziehungskraft dicker Körper entgegen. Männer mit runden Bäuchen, jung und alt, treten in zärtlichen Kontakt mit Figuren, die gut und gerne als Alter Egos des Künstlers gedeutet werden dürfen. Damit eckt Dúbravský an – zumal in seiner konservativ geprägten Heimat, wo seine Gemälde schon einen handfesten Skandal auslösten – doch der Maler macht hier nur auf seine künstlerischen Vorbilder wie Lucian Freud, Jenny Saville oder Rubens aufmerksam, die ebenfalls Körper jenseits heutiger Schönheitstrends porträtiert haben. Voller Emotionalität und Sinnlichkeit vermitteln Dúbravskýs Bilder entsprechend eine Lebenseinstellung, die von Offenheit, Gastfreundlichkeit und einem ganz natürlichen Sexappeal geprägt sind.
Vernissage: 28. November 2025
melanie bonajo. Extinct Feelings
Alter, Tierschutz, Spiritualität, Liebe und Intimität für Menschen mit und ohne Behinderungen – mit diesen Themen beschäftigt sich melanie bonajo (they/them) in experimentellen Dokumentarfilmen und farbenfrohen Videoinstallationen. Passend zur anziehenden Bildsprache der Filme schafft bonajo zusammen mit Théo Demans ganz eigene Umgebungen: Mal findet man als Betrachter:in auf einem detailreich gestalteten Riesensitzkissen inmitten einer außerweltlichen Landschaft oder auf Rollstühlen in Raumschiff-artigem Setting.
In der Ausstellung »Echo Organs« lässt bonajo Menschen stark und selbstbewusst zu Wort kommen, die sonst weniger deutlich gehört werden. Für »Schule der Liebenden« (ein Projekt, entwickelt mit Daniel Cremer und Yanna Rüger) beispielsweise sind dies Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, Schauspieler*innen aus dem Ensemble des Züricher Theater HORA. Sie sprechen über (Selbst-)liebe, Achtsamkeit, Berührung und alle anderen Facetten körperlicher Liebe. Ebenso aufschlussreich und bewegend ist die Begegnung mit den älteren Menschen im Film »progress vs. regress«. Hier eröffnet uns bonajo deren kenntnisreiche, oft auch überraschende Perspektive auf die sozialen Veränderungen, die die technologischen Innovationen der letzten Jahrzehnte.
Nicht moralisch überhöht, sondern nahbar, verspielt, humorvoll und gerade deshalb so radikal seziert bonajo große Fragen unserer Gegenwart und ruft implizit zu mehr Respekt vor und liebevollerem Umgang mit Natur, Tieren und Umwelt, mit anderen Menschen und nicht zuletzt dem eigenen Körper und den eigenen Grenzen auf.

