Die städtische Kunstsammlung verfolgt mit ihrem wechselnden Ausstellungsprogramm eine Tradition, in der Universitätsstadt Gegenwartskunst zu präsentieren und zu diskutieren.
Kontinuierlich wird das kunsthistorische Erbe Jenas mit Sonderausstellungen klassisch moderner Kunst den Besuchern zugänglich gemacht. Diese Sonderausstellungen orientieren sich an historischen Vorbildern ambitionierter Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit der Jenaer Bürgerschaft im beginnenden 20. Jahrhundert. Neben internationaler Gegenwartskunst werden zahlreiche Ausstellungen junger Künstler gezeigt.
Die Kunstsammlung der Stadt Jena gliedert sich in die Gebiete Malerei, Grafik und Plastik sowie Objektkunst und umfasst knapp 6.000 Werke. Schwerpunkt der Sammlung bildet die Kunst des 20. Jahrhunderts, von der klassischen Moderne über ein großes Konvolut von Kunst der DDR bis hin zur nationalen und internationalen Gegenwartskunst.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Hiroyuki Masuyama – Freundschaft mit Außerirdischen schließen
Fotos, Objekte und Installationen
Der Sternenhimmel fasziniert von jeher. Der Blick in den Raum, der voller Geheimnisse und Möglichkeiten ist, motiviert die Menschheit seit vielen Jahrhunderten, die in ihm verborgenen Phänomene zu enträtseln. Gleichzeitig ist der Anblick, den wir vom Sternenhimmel haben, ein Blick in die Vergangenheit; und obwohl das über uns liegende Himmelgewölbe als eine unveränderliche Konstante erscheint, verschieben sich die Sterne, die wir am Nachthimmel sehen, kontinuierlich. Schon Heraklit wusste, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann. Auch der Künstler Hiroyuki Masuyama ist fasziniert vom Prinzip der Veränderlichkeit, das sich gleichermaßen im Großen wie im Kleinen offenbart. In seinen Werken geht er mit der unablässigen Neugier eines Forschers voran, wenn er sich dem Weltall mit ebenso großer Leidenschaft widmet wie einem profanen Rasenstück, das er vor seiner Haustür findet.
Erste Bekanntheit erlangte Masuyama mit Leuchtkästen, in denen er Gemälde von Caspar David Friedrich aus hunderten von Fotografien zusammensetzt und sich damit dessen Bilder erschließt. Während diese Arbeiten parallel im Romantikerhaus Jena gezeigt werden, konzentriert sich die Kunstsammlung auf Werke, deren verbindendes Element der Begriff der Veränderlichkeit ist. Herzstück der Ausstellung ist eine begehbare Kugel von drei Meter Durchmesser, in deren Inneren sich der gesamte Sternenhimmel – illuminiert durch ca. 30.000 Lichtleiterkabel – für denjenigen offenbart, der den Mut hat, sich hineinzubegeben.
Die Ausstellung in der Kunstsammlung findet vor dem Hintergrund des 400. Geburtstages des bedeutenden Astronomen Erhard Weigel statt, dessen Erfindungen seine Zeitgenossen nicht weniger in Erstaunen gebracht haben als die Objekte von Masuyama heute. Auch Weigel war fasziniert vom Weltraum und schuf u. a. begehbare Riesengloben, die heute als Vorläufer von Planetarien gelten. Darüber hinaus verbindet beide Männer ein grenzüberschreitender Denkansatz. Denn während Weigel als Mathematiker, Astronom, Pädagoge, Erfinder und Philosoph in Erscheinung getreten ist, spürt Masuyama mit Hilfe verschiedener Medien wie Fotografie, Objektkunst, Malerei und Zeichnung der Kunstgeschichte ebenso nach wie Veränderungen in der Gesellschaft oder unserer Umwelt. Letztere ist es, der Masuyama seine leiseren Arbeiten widmet, wenn er etwa das Wachsen und Vergehen einer Inkalilie veranschaulicht, indem er die einzelnen Phasen auf Transparentpapier nachzeichnet, anschließend ausschneidet und so arrangiert, dass ein zartes und zugleich überaus fragiles Memento mori entsteht.
Der Ausstellungstitel ist eine Metapher für eine Möglichkeit, auf das Unbekannte zu reagieren. Was, wenn die Veränderung, der man sich ohnehin nicht entziehen kann, etwas Gutes mit sich bringt? Ist die Akzeptanz des Wandels letztlich nicht die einzig vernünftige Lösung? Also bleibt schließlich nur sich dem stetigem Werden hinzugeben und womöglich »Freundschaft mit Außerirdischen schließen«.
Dank geht an die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen für die Unterstützung.
Kunst- und Wunderkammer. Sammlung Gerhard Theewen
& Werke aus der Sammlung Opitz-Hoffmann
Die heute bekannten Wunder- oder Kunstkammern entstanden zumeist aus Raritäten- oder Kuriositätenkabinetten und gelten als Frühform musealer Sammlungen. In diesen Sammlungen wurden Objekte unterschiedlichster Herkunft präsentiert und dienten der persönlichen Inspiration, der Beeindruckung von Gästen und weckten sicher auch die Neugier am Unbekannten. Objekte aus Natur, Geschichte, Wissenschaft und Kunst begegneten in diesen Schausammlungen okkulten und profanen Dingen und verschmolzen zu einer Welt, die sich in verschiedensten Erscheinungsweisen offenbarte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Kunst- und Wunderkammern von den heute üblichen, spezialisierten Museen abgelöst und gingen in deren Sammlungen auf.
Die Faszination einer modellhaft kleinen Welt ist bis heute ungebrochen und wird als kuratorisches Prinzip oder künstlerische Strategie immer wieder neu aufgegriffen. Das Staunen über die Vielfalt der Welt, die unübersichtlich und für viele kaum noch fassbar ist, löst sich auf diese Weise in einer kombinationsreichen Unordnung auf. Wunderkammern sind Orte der Vielfalt, der Begegnung und Entdeckung, die aus dem Prinzip inspirierender Anschauung ein freies Denken befördern wollen. Moderne Wunderkammern gleichen Reallaboren, in denen sich Geschichte und Gegenwart durchmischen und nach ästhetisch inspirierten Impulsen immer wieder neu erfinden.
Der Verleger Gerhard Theewen ist als solcher weithin durch seine Publikationen, seine herausragenden Künstlerbücher, Editionen und Monografien des Salon Verlages bekannt und seit mehr als zehn Jahren mit vielen dieser Werke in der Kunstsammlung Jena beheimatet. Diese Bücher, die sich in Reihen und Editionen ordnen, verraten eine intensive Kooperation mit den Künstlerinnen und Künstlern, die für Worte und Bilder verantwortlich zeichnen. Ein Blick über das Verzeichnis des Verlages gleicht einem Blick auf die Kunstlandschaft unserer Zeit, ästhetisch gebunden im Mikrokosmos des Verlagsprogrammes.
Den Zugewinn vieler dieser Buchkunstwerke aus dem Salon Verlag in der Kunstsammlung Jena verdanken wir der Sammlung Opitz-Hoffmann, die seit nun mehr als zehn Jahren zu einem bedeutenden Teil des Jenaer Bestandes gehört. Beide Sammlungen waren am aktuellen Kunstschaffen orientiert, teilten Vorlieben und überlappten manchmal auch bei künstlerischen Entdeckungen. Aus genau diesem Grund werden in der Ausstellung auch Werke aus der Sammlung Opitz-Hoffmann gezeigt.
Gerhard Theewen verlegt jedoch nicht nur besondere Bücher, sondern er, der eigentlich Künstler ist, begann bereits vor Jahrzehnten mit dem Sammeln der Werke von Kolleginnen und Kollegen sowie von Artefakten mit inspirierender Ausstrahlung. Entstanden ist seither eine außergewöhnliche Sammlung, die mit viel künstlerischem Eigenwillen aufgebaut worden ist und einen Blick auf die Kunst unserer Zeit erlaubt, die gerade deshalb, weil sie keinen typologischen Verpflichtungen folgt, immer wieder überrascht. Gerhard Theewens Sammlung ist eine Kunstkammer; eine, die durch ihre interdisziplinäre Offenheit zugleich auch eine Wunderkammer ist. In dieser spiegeln sich ästhetische Vorlieben, der Reichtum kultureller Vielfalt und eine leidenschaftliche Liebe zur kleinen und großen Kunst. Die Vita der Sammlung Theewen ist die Geschichte einer gelebten Leidenschaft und genau hierin ähneln und überlagern sich die Sammlungen von Gerhard Theewen und Dorothee Opitz-Hoffmann & Klaus Hoffmann.
Vernissage: 12. Dezember 2025, 19 Uhr

