Die Kunstsammlungen Chemnitz gehören zu den größten und wichtigsten kommunalen Kunstsammlungen in Deutschland. Hervorgegangen sind die Kunstsammlungen aus verschiedenen bürgerlichen Vereinen, wie dem 1860 gegründeten Kunstverein Kunsthütte zu Chemnitz. Im Jahr 1909 wurden sie unter dem Dach des König-Albert-Museums zusammengefasst und ab 1920 als städtisches Museum geführt. Heute umfassen die Kunstsammlungen Chemnitz einen Komplex verschiedener Museen und Institutionen: die Kunstsammlungen am Theaterplatz mit dem Carlfriedrich Claus-Archiv, das Museum Gunzenhauser, das Schloßbergmuseum mit der Burg Rabenstein und das Henry van de Velde Museum.
Kunstsammlungen am Theaterplatz
Die Kunstsammlungen am Theaterplatz zählen heute zu den großen bürgerlichen Sammlungen Deutschlands und beherbergen alle Gattungen der künstlerischen Produktion, von der Malerei und Plastik über die Grafik bis hin zum Kunsthandwerk mit einem wichtigen Schwerpunkt auf Expressionismus, Textil und Gegenwartskunst.
Zu den signifikantesten Sammlungsbeständen zählen die Romantik und vor allem der Expressionismus der Brücke-Künstler, mit einem großen Konvolut von Werken von Karl Schmidt-Rottluff – er stammt aus Chemnitz und ist mit Ernst Ludwig Kirchner und Ernst Heckel hier aufgewachsen. Auch von diesen beiden Künstlern befinden sich herausragende Arbeiten in den Kunstsammlungen am Theaterplatz. Die Malerei umfasst aber auch zahlreiche Werke von Künstler:innen wie Caspar David Friedrich, Max Slevogt, Lovis Corinth, Helene Funke, Louise Seidler, Edvard Munch und Georg Baselitz.
Museum Gunzenhauser
Das Museum Gunzenhauser ist die jüngste Einrichtung der Kunstsammlungen Chemnitz. Es beherbergt die Sammlung des Münchner Galeristen Dr. Alfred Gunzenhauser mit mehr als 3.000 Werken von 270 Künstler:innen mit Fokus auf die Kunst der Jahrhundertwende um 1900, den Expressionismus, die Neue Sachlichkeit sowie die Abstraktion im 20. Jahrhundert. Eigentümerin ist die Stiftung Gunzenhauser. Präsentiert wird die Sammlung in einem ehemaligen Sparkassengebäude im Stile der Neuen Sachlichkeit, 1928–1930 von Fred Otto erbaut und für die neue Nutzung als Museum 2007 durch Staab Architekten umgebaut.
Henry van de Velde Musuem in der Villa Esche
Die Villa und der parkähnliche Garten sind ein Gesamtkunstwerk des Jugendstils, das zu den architektonischen Juwelen in Chemnitz zählt. Nach einer wechselvollen Geschichte von 1998 bis 2001 aufwändig restauriert, beherbergt die Villa Esche heute das Henry van de Velde Museum als Dependance der Kunstsammlungen Chemnitz. Der museale Bereich umfasst im Erdgeschoss das Speisezimmer und den Musiksalon mit dem Originalmobiliar der Familie Esche sowie im Obergeschoss die Dauerausstellung mit herausragenden Exponaten aus dem Bestand der Kunstsammlungen Chemnitz und aus Privatbesitz. Seit 2022 lädt die interaktive App Virtual van de Velde die Besucher:innen zu spielerischen Erkundungen ein.
Schloßbergmuseum
Seit der Neueröffnung 1994/1995 beherbergt das alte Kloster- und Schlossgebäude wieder die umfangreichen Sammlungen zur Chemnitzer Stadtgeschichte, deren schönste Stücke aus Malerei und Plastik, historischen Textilien, Schmuck, Mobiliar sowie Gebrauchsgegenständen des 12. bis 20. Jahrhunderts in der ständigen Ausstellung Bildersaal Chemnitzer Geschichte zu sehen sind. Das Museum zeigt jährlich Sonderausstellungen zu kultur- und kunsthistorischen Themen.
Carlfriedrich Claus Archiv
Bereits zu Lebzeiten hatte der Künstler verfügt, dass sein Nachlass in den Kunstsammlungen Chemnitz einen bleibenden Platz finden soll. Chemnitzer Unternehmer:innen schufen 1999 die Voraussetzung für die Gründung der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Eine Bergparade – Zwölf Personen der erzgebirgischen Bergbauregion
Mit persönlichen Perspektiven erzählt die kulturhistorische Ausstellung von der einstigen Verwobenheit der Stadt und Region Chemnitz mit den erzgebirgischen Bergrevieren. Sie gewährt Einblick in Handelsbeziehungen, Freundschaften und Familienbande nur wenig bekannter Persönlichkeiten im Umfeld des Berg- und Hüttenwesens.
Wer vom Silberbergbau profitieren und etwas davon verstehen will, muss in Schächte einfahren und sich mit vielen Wissensbereichen befassen, davon zeugt das weltweit verbreitete Werk De re metallica, von Georgius Agricola in Chemnitz verfasst. Hier, am Standort einer bedeutenden Schmelzhütte, nahm die Unternehmerfamilie Schütz eine zentrale Position ein. Als Stifter wirkten sie in den Orten Chemnitz, Geyer, Erdmannsdorf und Saragossa. »Ihr« Altar aus Erdmannsdorf zeigt noch heute die Bergbauheiligen Anna und Barbara.
Im frühen 18. Jahrhundert widmete sich der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus Rabenstein dem bedrohlichen Holzmangel und der deswegen erforderlichen nachhaltigen Forstwirtschaft. Hohe Wertschätzung erhielt das erzgebirgische Montanwesen durch das 1719 von August dem Starken am Dresdner Hof inszenierte Saturnusfest mit Bergaufzug.
Heute finden die Traditionen der Bergknappschaften vorrangig in der Adventszeit ihren Widerhall im öffentlichen Leben. Aussagekräftige Sammlungsstücke und Kunstwerke sowie alte Drucke, Erzstufen oder Modelle präsentieren die ausgewählten Persönlichkeiten in ihren Beziehungen und Lebenswelten.

