Das Landesmuseum Mainz ist das kulturhistorische Museum in Rheinland-Pfalz und befindet sich mitten im Zentrum von Mainz in der Großen Bleiche. Das barocke Gebäude des ehemaligen kurfürstlichen Marstalls in der späteren »Golden-Ross-Kaserne« mit der modernen Glas- und Stahlkonstruktion zum Innenhof beherbergt nicht nur eine der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Sammlungen des Landes Rheinland-Pfalz, sondern steht auch außerhalb der Museumsöffnungszeiten für vielfältige kulturelle Veranstaltungen offen.
Die umfangreichen kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen erstrecken sich von den Anfängen der Kultur bis zur Kunst der Moderne. Sie spiegeln eindrücklich und auf einzigartige Weise die jahrtausendealte vielfältige Kultur- und Gesellschaftsgeschichte wider.
Die Sammlungsgebiete sind: Vorgeschichte, römische Zeit, Mittelalter, Renaissance, Barock, Grafik des 16.–20. Jahrhunderts, niederländische Malerei, Porzellan des 18. Jahrhunderts, Malerei des 19. Jahrhunderts, Judaica, Stadtgeschichte, Glas des Jugendstils und Kunst der Moderne.
Zahlreiche Sonderausstellungen zur Kunst, Kultur und Geschichte der Gegenwart und der Vergangenheit bereichern das breit gefächerte Angebot.
Veranstaltungen und Ausstellungen
»Auf zu neuen Werken!« – Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer
Als »König der Illustration« wird Max Slevogt, der berühmte deutsche Impressionist, von Zeitgenossen gefeiert. Diese Sonderausstellung widmet sich erstmals intensiv seiner einzigartigen Zusammenarbeit mit dem einflussreichsten Verleger Berlins der Weimarer Republik, Bruno Cassirer, die diesen Ruf begründete. In diesem Verlag erschien der größte Teil von Slevogts umfangreichen sehr innovativen Illustrationswerken. Grundlage der Präsentation ist die weitgehend unveröffentlichte Korrespondenz, die zahlreiche neue Erkenntnisse über ihre Erfolgsstory, die Zeitgeschichte, ihr Netzwerk sowie das persönliche Verhältnis dieser beiden herausragenden Persönlichkeiten liefert.
Shalom am Rhein – 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz
»Shalom am Rhein« führt durch über 1000 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz – von den SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, die im Mittelalter das gesamte europäische Judentum prägten und heute UNESCO-Welterbe sind, bis in die Gegenwart. Dieselben Orte, die einst helle Zentren voller Wissen, Kultur und Glaube waren, wurden auch Zeugen dunkler Episoden der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Berührende Objekte, eindrucksvolle Biografien und Spuren von Zerstörung und Neubeginn eröffnen im Landesmuseum Mainz neue Blicke auf das Miteinander der jüdischen und der nicht-jüdischen Gesellschaft. Erleben Sie die lange, reiche und untrennbar mit Rheinland-Pfalz verwobene jüdische Geschichte.
Die Ausstellung widmet sich dabei auch dem reichen Landjudentum, das sich abseits der großen Zentren am Rhein entfaltete und über Jahrhunderte das Gesicht der Region prägte. In kleinen Gemeinden, zwischen Kirchturm und Dorfplatz, entstanden Synagogen und Friedhöfe, die noch heute von diesem Alltag erzählen. Hier lebten Jüdinnen und Juden als Minderheit inmitten der Mehrheitsgesellschaft – oft gezwungen, sich anzupassen, und zugleich fest entschlossen, ihre eigenen Traditionen zu bewahren. Diese Balance zwischen Nähe und Eigenständigkeit verlieh den Gemeinschaften eine besondere Stärke. Sichtbar wird auch die Rolle der Frauen, die schon zu früher Zeit in Familie, Religion und Handel selbstbewusst Verantwortung übernahmen – ein Bild von Eigenständigkeit, das seiner Zeit voraus war. So entfaltet »Shalom am Rhein« ein lebendiges Panorama jüdischen Lebens zwischen Integration und Ausgrenzung, Stadt und Land, Tradition und Erneuerung.
GEPRÄGT – GERITZT – GEKNÜLLT. KUNSTWERKE AUS PAPIER
Seit den 1960er Jahren entdecken Kunstschaffende den seit der Industrialisierung im Alltag wenig beachteten Werkstoff Papier neu. Papier wird geformt, geschöpft, geprägt, gefaltet, geschnitten, gerissen und sogar zerstört. Einige Beispiele für diese Neuentdeckung des Materials finden sich in der Graphischen Sammlung im Landesmuseum Mainz. Die Kabinettausstellung lädt dazu ein, sich mit der Fragilität und Formbarkeit des Materials auseinanderzusetzen, ebenso mit der Frage nach dem Verhältnis von zweidimensionaler Fläche und dreidimensionalem Raum, die sich durch die Bearbeitung und die damit entstandenen Risse, Knicke, Falten und Vertiefungen in der Papieroberfläche stellt.
Zu sehen sind unter anderem Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie dem Mainzer Gustl Stark (1917–2009) und Lore Bert (*1936), Arbeiten von Günter Uecker (1930–2025), Aen Sauerborn (1933–2020) und Erwin Wortelkamp (*1938), sowie dem spanisch-baskischen Bildhauer Eduardo Chillida (1924–2002). Als besonderes Highlight wird in der Ausstellung eine Neuerwerbung der in Mainz geborenen und international beachteten Künstlerin Angela Glajcar (*1970) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Kunstwerke aus Papier werden ergänzt durch Skulpturen aus dem Landesmuseum Mainz.

