Das Linden-Museum bewahrt und erwirbt seit 1884 Alltags-, Ritualgegenstände und Kunstobjekte. Aus dieser historischen Perspektive heraus konzentrieren sich die Sammlungen auf außereuropäische Kontexte.
Die Erweiterung der Sammlung erfolgt heute zunehmend in partnerschaftlichem Austausch mit Interessensvertreter:innen aus den Herkunftsgesellschaften und der Stadtgesellschaft. Zu den neuen Erwerbsformen gehören insbesondere gemeinsame Recherchen und Entscheidungen über Sammlungsergänzungen.
Erworben werden formal und ästhetisch aussagekräftige und für die kulturelle Identität bedeutende Objekte, die eine Fortführung von Traditionen oder moderne künstlerische Auseinandersetzungen zeigen und spezifischen Schwerpunkten der jeweiligen Sammlungen zugeordnet werden können. Der konservatorische Zustand der Objekte ist dabei zu berücksichtigen.
Die wissenschaftliche Dokumentation von Erwerbskontexten ist zu beachten. Es sollen nach Möglichkeit auch Objekte, Aufnahmen, Fotos, Filme, Dokumente oder Bücher, die den Kontext der erworbenen Objekte beleuchten, mit gesammelt werden.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Spurensuche – Tierische Abenteuer im Linden-Museum
Eine Ausstellung mit Audio-Rundgang für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren mit ihren Familien
»Flieg mit! Flieg mit!«, ruft Albi, der Alpensegler, der in den Sommermonaten unter dem Dach des Linden-Museums nistet. Auf eurem Rundflug durch die Dauerausstellungen begegnet ihr dem durchsichtigen Känguru, hört von einem ausgestorbenen Vogel, lernt den Kraken Toko kennen und könnt der Unterhaltung mit Seraa, dem Elefanten, lauschen. Ob auf Bildern oder Kleidung, gemacht aus Holz, Keramik und Stein – die Tiere und ihre Darstellungen berichten vom Zusammenleben der Menschen und Tiere. Nicht immer ist dieses Verhältnis einfach. Einerseits werden viele Tiere bewundert, verehrt und als Gefährten oder Haus- und Nutztiere geschätzt, andererseits werden ihre Lebensräume aber auch zerstört und sie werden gejagt oder vertrieben.
In der Ausstellung erweckt die Illustratorin Promina Shrestha die Tiere auf den Objekten durch ihre Bilder zum Leben. Auf der Hör- und Stempelrallye findet ihr gemeinsam mit Albi heraus, was die Tiere zu erzählen haben, löst Rätsel und sammelt Stempel.
Im Rahmen des Projekts Taking Care, kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa der Europäischen Union
Celebrating Womanhood – Kulturerbe vom Kilimandscharo
Das Linden-Museum bewahrt rund 450 Objekte aus dem Kulturerbe der Chagga in Nordtansania, die zwischen 1885 und 1918 während der deutschen Kolonialzeit oft in gewaltvollen Kontexten nach Stuttgart gelangten. Viele stehen in Verbindung mit entscheidenden Stationen im Leben von Mädchen und Frauen, die mit Festen, Gesang und Tanz begangen wurden und den Zusammenhalt der Gemeinschaft stärkten. Beim Transfer nach Deutschland und im Lauf der Zeit ging jedoch viel Wissen verloren.
Heute wird es gemeinsam mit Mitgliedern der Chagga rekonstruiert und in die Gegenwart gestellt. Von 2023 bis 2025 erforschte Dr. Valence Silayo, Fellow der Gerda Henkel Stiftung, die Sammlung mit Archivarbeit, Fokusgruppen und Gesprächen mit Familien, die sich als Nachkommen jener verstehen, die Kolonialherrschaft und Gewalt erlebten. Die Ausstellung verbindet historische Objekte mit aktuellem Wissen und vielfältigen Perspektiven – und zeigt, welche Bedeutung dieses über 100 Jahre alte Kulturerbe bis heute hat.
In Kooperation mit der Chagga Community
Ayeeyo: Grandma / Ogbuoja: The Story of a Flute Player
Intervention von Kausar Qasim und Sett Ofili
Das Depot des Linden-Museum Stuttgart ist nicht nur ein Ort der Lagerung, sondern auch ein potenzieller Raum für Geschichten, Erinnerungen und kreative Erfahrungen. Zwei Mitglieder der Black Community in Stuttgart besuchten das Depot, erkundeten die Afrika-Sammlung und ließen sich zur Intervention in der Dauerausstellung Wo ist Afrika? inspirieren.
Kausar Qasim erforscht ihre Familiengeschichte in Somalia und verbindet sie mit Objekten wie Mörser und Stößel, die Symbole für Fürsorge werden. Sett Ofili erzählt in einer Soundinstallation die Geschichte eines Flötenspielers, die die Zuhörer:innen auf eine vielschichtige Reise mitnimmt. Diese persönlichen und künstlerischen Beiträge zeigen die Vielfalt der Perspektiven, die durch einen sensiblen Umgang mit Museumssammlungen entstehen können.
Kuratiert von Temidayo Oyeniran in Zusammenarbeit mit Kausar Qasim und Sett Ofili

