Wie kaum eine andere Institution steht das MAK – Museum für angewandte Kunst für die fruchtbare Verbindung von Vergangenheit und Zukunft, die auch beim Besuch seiner umfangreichen Sammlung, seiner weitläufigen Schauräume, seiner themenbezogenen Sonderausstellungen und seines diskursiven Programms fühlbar und erlebbar wird. Die Verbindung von angewandter Kunst, Design, Architektur und Gegenwartskunst zählt zu seinen Kernkompetenzen.
Als erstes Museum an der Ringstraße nimmt das MAK eine ganz besondere Stellung ein. Gegründet wurde das Museum bereits acht Jahre zuvor, 1863, von Rudolf von Eitelberger, dem ersten Kunstgeschichteprofessor Wiens. Bis 1871 der Bau im Stil der italienischen Frührenaissance an der Ringstraße fertiggestellt war, diente das sogenannte Ballhaus am Ballhausplatz als Provisorium. Als Vorbild galt, wie es auch heute niemand abstreiten will, das große Victoria & Albert Museum in London, das elf Jahre zuvor als South Kensington Museum gegründet worden war.
Veranstaltungen und Ausstellungen
HITO STEYERL – Der Menschheit ist die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgeflogen
Die in Berlin lebende Künstlerin, Filmemacherin und Autorin Hito Steyerl (* 1966) beleuchtet durch neueste Technologien evozierte gesellschaftliche Prozesse und entwickelt interdisziplinäre Arbeiten im Brennpunkt der bildenden Kunst.
Zugleich analysiert sie die Interpretation von Realität und beleuchtet die soziopolitische Relevanz aktueller Diskurse. In ihrer ersten Einzelausstellung in Österreich mit dem Titel Der Menschheit ist die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgeflogen (nach Karl Kraus, Nachts, 1918) legt Steyerl die Strukturen politischer Dimension in der Alltags- und Popkultur offen. Gegenübergestellt werden zwei Werke: die multimediale Installation Hell Yeah We Fuck Die (2016) greift mit ihrem Titel Worte auf, die in den englischsprachigen Musikcharts der 2010er Jahre laut dem Magazin Billboard am häufigsten gebraucht wurden und eine Krisenstimmung wiederzugeben schienen. In einer neuen Videoinstallation (2025) analysiert Hito Steyerl genreübergreifende Entwicklungen künstlicher Intelligenz (KI).
KURATORIN: Bärbel Vischer, Kustodin MAK Sammlung Gegenwartskunst
TURNING PAGES – Künstler:innenbücher der Gegenwart
Das Buch als künstlerisches Medium spielt eine zentrale Rolle in der Praxis von Louise Bourgeois, Heinz Gappmayr, Sol Lewitt, Rosemarie Trockel und in der aktuellen Arbeit vieler junger Künstler:innen der österreichischen und internationalen Szene.
Das Buch wird als Instrument genutzt, um poetische Visionen zu entwerfen und auch als Erweiterung der Konzeptkunst gesehen. Die Künstler:innenbücher der Ausstellung initiieren Dialoge über Geschlechterrollen und gesellschaftspolitische Fragen. Zugleich ist das Buch eine Form des kulturellen Gedächtnisses und der Erinnerung. Junge Künstler:innen experimentieren mit dem Medium Buch und überschreiten traditionelle Grenzen von Bild, Text und Material – vor dem Hintergrund der digitalen Welt. In der Ausstellung können Besucher:innen durch ein eigens entwickeltes, raumgreifendes Display verschiedene Positionen des Durchblätterns und Lesens von Büchern einnehmen.
100 BESTE PLAKATE 24 – Deutschland Österreich Schweiz
Eine Kooperation des MAK und des Vereins 100 Beste Plakate e. V.
Mit der Präsentation des Wettbewerbs 100 Beste Plakate 24. Deutschland Österreich Schweiz zeigt das MAK erneut ausgezeichnetes Plakatdesign aus der D-A-CH-Region, das durch überzeugende grafische und typografische Lösungen sowie neue Trends und arriviertes Design punktet. Die mittlerweile 19. Ausgabe des Grafikdesignwettbewerbs beweist die Lebendigkeit des Mediums Plakat. Der Verein 100 Beste Plakate e. V. begleitet auch den diesjährigen Wettbewerb 2024 mit einer umfassenden Publikation.
KURATOR: Peter Klinger, stv. Leiter MAK Bibliothek und Kunstblättersammlung
HELMUT LANG – SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005
Die Ausstellung fokussiert auf Helmut Langs Vision von Gestaltung und Identität zwischen 1986 und 2005 und zeigt Langs Rolle als Pionier, der auf künstlerische Strategien setzte, lange bevor er sich 2005 aus der Modeindustrie zurückzog, um sich auf seine künstlerische Praxis zu konzentrieren.
Mit seinem medienübergreifenden Zugang sprengte Helmut Lang tradierte Konventionen und setzte mit kompromissloser Weitsicht neue Maßstäbe für Bekleidung, Grafikdesign, Inszenierung, Architektur, experimentelles Branding, interdisziplinäre Kollaboration und digitale Kommunikation. 1998 war Lang der erste Designer, der eine Runway-Show online präsentierte und damit antizipierte, wie Mode in Zukunft global wahrgenommen werden sollte. Um die neue Website zu promoten, wurden rund 1.000 Werbeanzeigen auf Taxi-Tops gelauncht, die zum Markenzeichen der Stadt New York wurden.
Lang definierte seine Arbeit nicht nur über Kleidung, sondern als Medium der Kommunikation und Teil einer größeren kulturellen Erzählung. Seine als »Séance de Travail« (Arbeitssitzung) bezeichneten Modepräsentationen waren ebenso wie seine Flagship-Stores in New York und Paris Statements für ein strategisches Umdenken, welches das Gesamterlebnis über bloßen Konsum stellte.
Durch seine Zusammenarbeit mit Künstler:innen wie Louise Bourgeois, Jenny Holzer, Robert Mapplethorpe, Jürgen Teller und anderen prägte er eine neue Bildsprache, mit der er die Grenzen zwischen den kreativen Disziplinen neu definierte und seine Rolle und seinen Einfluss auf Mode und Kultur bis heute festschrieb. Die Ausstellung ermöglicht einen einzigartigen Einblick in das Mindset des visionären Designers und Künstlers. Sie verzichtet auf eine Präsentation von physischen Kleidungsstücken und inszeniert Langs Arbeit zeitgenössisch und multimedial in raumgreifenden, ortsspezifischen Installationen, ergänzt durch ausgewähltes Originalmaterial aus dem MAK Helmut Lang Archiv und dem eigenen Archiv des Künstlers.
KURATORIN: Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin MAK Sammlung Design
WISSENSCHAFTLICHE MITARBEIT: Lara Steinhäußer, Kustodin MAK Sammlung Textilien und Teppiche
NEUPRÄSENTATION – SCHAUSAMMLUNG TEXTILIEN UND TEPPICHE
Die MAK Sammlung Textilien und Teppiche zählt zu den wertvollsten und umfangreichsten ihrer Art weltweit. Sie vereint Objekte von der Spätantike bis in die Gegenwart, von europäischen bis hin zu ostasiatischen Textilien.
Die exquisite Teppichsammlung ist mit einem Schwerpunkt auf einzigartige persische und mamlukische Teppiche des 16. und 17. Jahrhunderts einer der glanzvollsten Bereiche dieses Sammlungssegments.
Für die Gestaltung und Inszenierung dieser Juwelen der MAK Sammlung konnte das international renommierte Designstudio FormaFantasma gewonnen werden. Anders als in der früheren permanenten Präsentation, die sich auf die hochkarätige Teppichsammlung konzentrierte, werden die Teppiche mit weiteren textilen Highlights der Sammlung kontextualisiert. Mit diesem breiteren kuratorischen Konzept trägt das MAK erstmals auch in der Schausammlung der Vielfalt und dem Reichtum dieses Sammlungsbereichs Rechnung.
Die Neuaufstellung bietet einen Querschnitt durch die Textilsammlung und offenbart kulturelle Verknüpfungen zwischen den Objekten, die häufig von internationalem Austausch und Handel –beispielsweise entlang der sogenannten Seidenstraße – zeugen. Großformatige Vitrinen und ein Schubladensystem tragen der Fragilität der Objekte Rechnung und gewährleisten das konservatorisch erforderliche, regelmäßige Alternieren der Exponate. Für Besucher:innen wird damit nicht nur die Schönheit der Sammlung, sondern auch die Fragilität und Kostbarkeit der Exponate sinnlich erfahrbar.
Entlang der Gruppierung der Objekte ist es für das Publikum zudem möglich, textile Techniken zu erkunden und anhand einzelner Objektbiografien in die Sammlungsgeschichte des Museums einzutauchen.
KURATORIN: Lara Steinhäußer, Kustodin MAK Sammlung Textilien und Teppiche
GESTALTUNG: FormaFantasma
Eröffnung: 24. März 2026, 19 Uhr

