Marta Herford ist ein international ausgerichtetes Museum für zeitgenössische Kunst mit besonderem Blick auf die Bezüge zu Architektur und Design. Ausstellen und Vermitteln stehen im Zentrum unseres Engagements für die Kunst. Gleichermaßen fühlen wir uns den klassischen Aufgaben des Museums verbunden: Sammeln, Bewahren und Forschen. Dabei bleiben wir mit unserem Fokus auf zeitgenössischen Strömungen und Entwicklungen immer neugierig, offen und experimentell. Die Vermittlung unserer Ideen nach außen wurzelt in einer regionalen Identität und basiert auf einer internationalen Vernetzung.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich Herford zu einem für seine Möbel- und Bekleidungsindustrie bedeutsamen Standort entwickelt. Diese höchst produktive und weltweit aktive wirtschaftliche Struktur brachte 1996 engagierte Köpfe auf die Idee, ein unübersehbares Zeichen in der Region zu setzen. Grundgedanke war die Zusammenführung von Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft in einem spektakulären Gebäude.
Die Entscheidung für Frank Gehry als Architekt und Jan Hoet als Gründungsdirektor gab dem Projekt die entscheidende Richtung. Am 7. Mai 2005 wurde Marta Herford schließlich unter großem öffentlichem Interesse feierlich eröffnet.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Ingrid Wiener – Einfach machen und tun
Mit 83 Jahren blickt die österreichische Künstlerin Ingrid Wiener auf ein vielschichtiges Werk zurück: bis heute entstanden gut 40 Gobelins, die in zeitintensiver Handarbeit entwickelt wurden. In dem vermeintlich traditionellen und weiblich behafteten Medium verarbeitet sie Motive ihres Lebensumfelds und erforscht Möglichkeiten der Bildfindung. Ein zentraler Fokus Wieners liegt auch auf dem Wechselspiel der Wahrnehmung, das sie in ihren aquarellierten Zeichnungen, in denen sie Träume und Erinnerungen festhält, verhandelt.
Arbeit und Leben sind bei Wiener untrennbar verbunden. Die Ausstellung zeigt auch ihr Schaffen in kollaborativen Prozessen und künstlerischen Netzwerken. Im Kreis der Wiener Nachkriegsavantgarde geprägt, wirkte die Künstlerin an den Aktionen der Wiener Gruppe mit, gab als »Monsti« Wiener Gesangsperformances, entwickelte mit VALIE EXPORT und ihrem Partner Oswald Wiener Dokumentarfilme und pflegte intensive künstlerische Dialoge mit Dieter Roth und vielen anderen. Einen wichtigen Teil ihrer Lebenspraxis bildet zudem das Kochen, das sie nicht nur in legendären Berliner Lokalen wie dem EXIL oder später in ihrer Wahlheimat Kanada, sondern auch in Form von Performances und Bildmotiven zelebrierte.
Kartografien des Wachstums – Katinka Bock im Dialog mit Lois Weinberger
In der einzigartigen Architektur der Gehry-Galerien treten Werke des visionären Pioniers Lois Weinberger (*1947 in Stams, † 2020 in Wien) und der zeitgenössischen Bildhauerin Katinka Bock (*1976 in Frankfurt, lebt in Paris) in einen künstlerischen Dialog. Dieser widmet sich Prozessen, die sowohl in Natur und Material als auch in Architekturen und Raum angelegt sind. Während sich Weinberger in seinem Werk so genannten „Ruderalpflanzen“, vermeintlichen Unkräutern, sowie Kartografien und archäologischen Spuren verschrieb, fokussiert Katinka Bock mit ihren Arbeiten physikalische Veränderungen von Materialien, die sie in poetische Installationen überführt. Beide Künstler:innen verbindet die Beschäftigung mit natürlichen Vorgängen, die künstlerisch genutzt werden. Die für die Ausstellung gewählten und zum Teil neu entstandenen Werke reagieren auf die Museumsarchitektur und wachsen buchstäblich über diese hinaus in den Außenraum rund um das Marta.

