Der Grundstein für das MdbK wurde im Jahr 1858 gelegt, als Mitglieder des Leipziger Kunstvereins ihre Idee in die Tat umsetzten, mit einer Bürgerstiftung ein Museum zu gründen. Nach über 150 Jahren ist das MdbK reich an Geschichten und spiegelt gleichzeitig die Historie Leipzigs als Kunststadt wider.
Mit über 4.600 Gemälden, 1.800 Plastiken, Skulpturen, Medaillen und Plaketten, über 5.000 Fotografien sowie über 70.000 Arbeiten auf Papier gehört das MdbK zu den umfangreichsten Kunstsammlungen in Deutschland. 500 Jahre Kunstgeschichte in einem Haus laden ein zu Begegnungen mit Alten Meistern wie Frans Hals und Lucas Cranach d. J., den Romantikern Caspar David Friedrich und Andreas Achenbach und den Leipziger Künstlern Max Beckmann und Max Klinger – wie überhaupt Leipziger Kunst und Kunst der DDR das MdbK prägen.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Bilderkosmos #2 – Kunst aus Leipzig
Das Museum der bildenden Künste Leipzig präsentiert auf der nahezu vollständigen Fläche des dritten Obergeschosses, auf 9 Galerieräumen und die zentrale Halle verteilt, einen seiner wichtigsten Kunstschätze: die Malerei und Plastik des 20. und 21. Jahrhunderts. Ein neuer Bilderkosmos wurde eingerichtet, der den alten nicht vollständig ersetzen will, aber doch in andere Erscheinung treten lässt. Hierfür wurden Anregungen der Besuchenden berücksichtigt. Neu sind u. a. weniger bekannte und lange nicht gezeigte Werke aus dem Magazin des MdbK, zum Beispiel von Sabine Lessig oder Willi Sitte, sowie Neuerwerbungen und Schenkungen von Gemälden des 20. und 21. Jahrhunderts. In der Klassischen Moderne werden mit Werken von Eduard Einschlag und Abraham Jaskiel zwei jüdische Künstler der 1920er Jahre aus Leipzig im Umfeld ihrer expressionistischen Kollegen und Kolleginnen gewürdigt. Erstmals ist auch eine Arbeit des äthiopischen Künstlers Getachew Yossef Hagoss zu entdecken, der von 1981 bis 1986 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) studierte. Die größte Veränderung betrifft aber die zentrale Halle – hier trifft die Leipziger Kunst der 1980er und 1990er Jahre auf die jüngsten
Malereientwicklungen.
Das MdbK ist mit der hiesigen Kunstentwicklung, insbesondere mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst, eng verwoben. Dieses Alleinstellungsmerkmal schlägt sich deutlich im Aufbau der Sammlung des Museums nieder. Der Fokus lag und liegt auf den aus Leipzig hervorgehenden Kunstströmungen, die durch Ausstellungsprojekte oder durch gezielte Ankäufe kontinuierlich unterstützt wurden und werden. Diese Ausrichtung kulminierte vor allem in der Erwerbungspolitik im Zeitraum 1949 bis 1989. Die Kunst aus der DDR hatte spätestens mit der Gründung der Malereiklasse durch Bernhard Heisig 1961 an der Kunsthochschule ihr qualitatives Kraftzentrum in Leipzig, von wo es unter dem Begriff der »Leipziger Schule« schnell internationale Anerkennung fand. Dieser für die Stadtidentität so ungemeine wichtige Sammlungsbestand hat mit knapp 1.000 von insgesamt 4.000 Gemälden den stärksten Anteil im MdbK.
Bilderkosmos #2 widmet dem Leipziger Max Beckmann, der als einer der erfolgreichsten Maler der Weimarer Republik galt und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Exil lebte, einen ganzen Ausstellungsraum. Die Ausstellung beschäftigt sich außerdem mit dem Aufkommen von Kunstströmungen wie dem Expressionismus und der Neue Sachlichkeit und kontextualisiert die Diffamierung der modernen Kunst während des nationalsozialistischen Bildersturms. Die zeitgenössische Kunst in Leipzig, maßgeblich geprägt von Neo Rauch, aber auch von der jüngeren Künstler:innengeneration der HGB, die neue stilistische Ausdrucksmöglichkeiten in der gegenständlichen Malerei sucht, ist ebenso in der Ausstellung vertreten. Von expressiven Malstrategien oder nüchtern wirkender Feinmalerei, bis hin zu abstrakten und ironisch-naiven Haltungen der Gegenwartskunst können Besucher:innen die Vielfalt der Leipziger Kunst in der Ausstellung erleben.
Rosa Barba – Under the Canopy
Rosa Barba hat für das MdbK eine Rauminstallation auf der großen Terrasse im 2. OG geschaffen. Rosa Barba thematisiert in Under the Canopy das physische Wahrnehmen von Licht und Raum. Farbiges Glas schwebt in einer modernistischen zweiten Decke. Es entsteht ein Raum im Raum, der sich transparent auf ein Dahinter und Darüber öffnet. Die Terrasse wird damit zu einem riesigen Kameraobjektiv, das Licht bündelt und projiziert. Durch diesen quasi fotografischen Vorgang erhält Zeit – das Tageslicht in seiner unterschiedlichen Qualität – eine Gestalt. Damit thematisiert Barba eine fundamentale Verschiebung: während digitale Räume zunehmend unsere Wahrnehmung bestimmen, bleiben Raum und Zeit eindeutig physische Erfahrungen. Damit betont Barba die Relevanz des Analogen in einer digitalen Welt.
Under the Canopy ist die die vierte Position in der Folge der eigens für die große Eckterrasse im 2. OG des MdbK konzipierten Rauminstallationen - nach Chiharu Shiota Internal Line (23.09.2021- 27.03.2022), Hito Steyerl The City of Broken Windows (15.06.-15.10.2023) und Sandra Mujinga Fleeting Home (30.11.2023-12.01.2025).
Sichtbarmachen – Spuren jüdischen Engagements im MdbK
Jüdische Leipziger Bürger:innen prägten mit ihrem zivilgesellschaftlichen und kulturellen Engagement seit dem 19. Jahrhundert die Stadt und das MdbK maßgeblich – bis sie im Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt, vertrieben, ausgeraubt und ermordet wurden. Das Wissen um ihr Wirken und ihre Kunstsammlungen ist heute weitgehend verloren. Das MdbK will die Namen und Geschichten von wegweisenden Leipziger jüdischen Akteu:innen in das öffentliche Bewusstsein und das Museum zurückbringen. Gemeinsam mit der Künstlerin Shlomit Lehavi und der Publizistin Sharon Adler begab es sich dafür seit 2024 auf Spurensuche, um vergessene und ausgelöschte Verbindungen wieder sichtbar zu machen.
Sichtbarmachen, Phase 1 und 2
In der ersten Phase führte das MdbK gemeinsam mit Sharon Adler Recherchen zu vergessenen jüdischen Akteur*innen durch. Im Archiv der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, in Stadt- und Staatsarchiven sowie in der Dokumentation des MdbK wurden 28 Personen und Familien identifiziert. Ihnen gemeinsam ist, dass sie jüdisch waren, sich karikativ gesellschaftlich und kulturell engagierten und eine Verbindung zum MdbK hatten.
Die Auswahl der Protagonist:innen, zu denen in der zweiten Projektphase intensiver geforscht wurde, erfolgte nach Kriterien, die im Projektteam erarbeitet wurden. Unter anderem sollten die Familiengeschichten sowohl verschiedene Aspekte des sozialen und kulturellen Engagements als auch unterschiedliche Bindungen zum Museum widerspiegeln. Im Zentrum stehen die Biografien von Wilhelm Breslauer, Hermann und Toni Halberstam, Cläre Kirstein, Moritz Kraemer und Laura Sonntag. Zu den Ergebnissen dieser zweiten Phase hat Shlomit Lehavi eine künstlerische Visualisierung erarbeitet.
Leerstellen Sichtbarmachen
Als künstlerische Intervention und Visualisierung der Ergebnisse steht Lehavis Werk Leerstellen sichtbarmachen dem Stiftermosaik von Stephan Huber im Foyer des MdbK gegenüber. Das Tafelmosaik, das er 2004 für den Neubau des Museums erarbeitete, vereint Förder:innen des Museums aus drei Jahrhunderten in einem Gruppenporträt. Das Historienbild fungiert dabei sowohl als Erinnerung an die Stiftungsmentalität der Bürger:innen Leipzigs im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert als auch als Einladung, an diese Tradition künftig anzuknüpfen.
Leerstellen sichtbarmachen erweitert das Bild der abgebildeten Stifterinnen und Mäzene um die jüdischen Protagonist:innen und macht deutlich, dass Wissen und Geschichte abhängig von der sie leitenden Fragestellung ist. Shlomit Lehavi arbeitet gattungsübergreifend und kombiniert traditionelle Techniken mit medienkünstlerischen Methoden. Leerstellen sichtbarmachen – eine Installation aus digitalen Zeichnungen, die auf einem transparenten Bildschirm präsentiert werden – steht an der Schnittstelle von Video, Zeichnung und interaktiver Kunst. Die Arbeit fügt sich räumlich in das Foyer ein und schafft einen Erinnerungsort im MdbK.
Die recherchierten Biografien werden den Besuchenden als Audiodateien in einer Hörstation vor Ort und online zugänglich gemacht. Die Texte wurden zusammen mit Sharon Adler erstellt, die sie auch in Deutsch und Englisch eingesprochen hat und so den ehemaligen Leipziger Familien ihre Stimme leiht. Leerstellen sichtbarmachen lädt die Besuchenden zum Innehalten, Agieren und Beobachten ein und bietet die Möglichkeit, tief in vergessene Familiengeschichten einzutauchen.
Jüdische Familien, Sammler:innen und Künstler:innen waren vor 1933 ein wichtiger Bestandteil des Leipziger Kulturlebens. Ihr Beitrag und ihr Engagement sind ebenso wie ihre Lebensgeschichten mit der Verfolgung, der Vertreibung und Ermordung im Nationalsozialismus aus dem Gedächtnis der Stadt gelöscht worden. Ihr Fehlen hat Leerstellen hinterlassen. Diese zu füllen und an die Menschen zu erinnern, ist eine wichtige Aufgabe im Umgang mit der Sammlung sowie der Geschichte des MdbK.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Eröffnung: 29. Oktober 2025, 18 Uhr. Das Projektteam ist anwesend.
30. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung
Die Kinder- und Jugendkunstausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Haus Steinstraße e.V. und des Kulturamtes der Stadt Leipzig in Kooperation mit verschiedenen Leipziger Institutionen aus den Bereichen Kunst, Bildung und Soziokultur.
Für die 30. KiJuKu waren von April bis Ende September 2025 Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre aufgerufen, eigene künstlerische Arbeiten zu gestalten und für die Ausstellung einzureichen. Dabei stand es ihnen frei, sich mit dem Sonderthema „Die gerade Kurve – Einzigartig ist besser als perfekt“ oder mit selbstgewählten Themen auseinanderzusetzen. Eine Jury aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wählte aus den eingereichten Werken diejenigen aus, die in den beteiligten Institutionen ausgestellt werden. Alle entstanden Arbeitenwerden in einer Online-Galerie (www.kijuku-leipzig.de) präsentiert.
Beteiligte Institutionen:
Haus Steinstraße e.V.
MdbK
Halle 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Volkshochschule Leipzig
Kinder- und Jugendkulturzentrum O.S.K.A.R.
Literaturhaus Leipzig
Oberschule Ratzelstraße

