Das Museum Schnütgen beherbergt eine herausragende Sammlung von Kunst des Mittelalters. Ihr Schwerpunkt ist die sakrale Kunst des Rheinlandes und der benachbarten Regionen. Das Museumsgebäude verbindet die Aura und Stille der Cäcilienkirche, einer der romanischen Kirchen von Köln, mit der Offenheit eines modernen Erweiterungsbaus.
Das Museum ermöglicht es seinen Besucherinnen und Besuchern, die Kunstwerke in ihrer spirituellen Ausstrahlung, ihrer künstlerischen Qualität und ihrer Funktion ästhetisch und emotional zu erleben und intellektuell zu verstehen. Es vermittelt die europäischen Zusammenhänge ihrer Entstehung in künstlerischer, religiöser und geschichtlicher Hinsicht.
Die inhaltliche Ausrichtung des Museums wird durch sein Team kontinuierlich weiterentwickelt. Das Museum tritt mit seinen Besucherinnen und Besuchern in einen Dialog. Die Vermittlungsarbeit richtet sich an ein Publikum aller Altersgruppen, mit oder ohne Erfahrung in der Betrachtung mittelalterlicher Kunst, mit unterschiedlichen Muttersprachen und kulturellen Prägungen. Das Museum geht aktiv auf neue mögliche Besucherinnen und Besucher zu. Auf diese Weise trägt es in der heutigen Gesellschaft zur Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe bei, welches durch die Sammlung verkörpert ist.
Durch seine Zusammenarbeit mit den Freunden des Museums, aber auch mit anderen Einrichtungen und Personen bezieht das Museum deren Potentiale in seine Aktivitäten mit ein. Inhaltlich gibt es Berührungspunkte auch zu anderen Kölner Museen und zu den Kirchen der Stadt.
Sonderausstellungen widmen sich Themen, die aus der Arbeit des Museums heraus entwickelt werden. Ihr Ausgangspunkt sind sowohl Aspekte der mittelalterlichen Kunst als auch kulturell relevante Themen der heutigen Gesellschaft.
Das Museum Schnütgen ist traditionell ein Ort der Forschung und Lehre in der regionalen, nationalen und internationalen Zusammenarbeit mit anderen Museen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Zu den Aufgaben seiner Forschung gehört besonders die wissenschaftliche Erschließung der eigenen Sammlung.
Eine besondere Verantwortung des Museums besteht in der konservatorischen Erhaltung der ihm anvertrauten Objekte für die zukünftigen Generationen. Das schließt restauratorische Maßnahmen von höchster fachlicher Qualität mit ein. Dazu erfolgt auch auf technologischer Seite ein intensiver wissenschaftlicher Austausch mit anderen Institutionen.
Neuerwerbungen dienen dazu, die Sammlung qualitativ zu steigern und sie um neue Facetten zu erweitern.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Licht in dunklen Zeiten – Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum in Kyjiw
Das Museum Schnütgen präsentiert eine kostbare Auswahl von Glasmalereien aus dem Khanenko Museum in Kyjiw (Kiew), welche zum ersten Mal außerhalb der Ukraine zu sehen sein werden. Im Dialog mit Glasmalereien aus dem Museum Schnütgen werden sie im Glasmalereisaal inszeniert.
Die Ausstellung konzentriert sich auf rund 30 Werke beider Museumssammlungen. Aus dem Khanenko Museum sind insgesamt zwölf Glasmalereien als Leihgaben nach Köln gekommen, die vom 13. bis 17. Jahrhundert in Glaswerkstätten in Frankreich, Österreich, Deutschland und den Niederlanden gefertigt wurden. Dabei handelt es sich um den gesamten Bestand des Kyjiwer Museums, der in Köln mit Hilfe der Dombauhütte konserviert und restauriert werden soll.
Anlass für die Ausstellung gibt der drohende Verlust vieler Kunstwerke durch den 2022 begonnenen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das Khanenko Museum in Kyjiw, dessen Anfänge etwa in dieselbe Zeit zurückreichen, in der Alexander Schnütgen in Köln seine Mittelaltersammlung aufbaute, wurde bereits im ersten Kriegsjahr durch einen Raketeneinschlag in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen. Viele Kunstwerke wurden gerade noch rechtzeitig gesichert, darunter auch die hochkarätige Glasmalereisammlung, die durch Erschütterungen besonders gefährdet ist.
Im Dezember 2024 sind die Glasmalereien aus Kyjiw nach einem Transport durch das Kriegsgebiet wohlbehalten in Köln eingetroffen. Durch ein Expertenteam des Corpus Vitrearum Deutschland waren sie zuvor in der Ukraine gesichert und verpackt worden.
Das Ausstellungsprojekt umfasst auch die wissenschaftliche Erschließung der bislang noch kaum erforschten Glasmalereien in Kyjiw in einer digitalen Publikation.
Es ist nicht nur ein Beitrag zur Rettung der europäischen Kulturgüter, sondern gleichermaßen ein Zeichen der Solidarität und Unterstützung.
Glaube mit Humor. Ein Gebetbuch aus Nordfrankreich
Das Psalter-Brevier aus Laon
Buchschmuck auf jeder einzelnen Seite: Mit dieser kostbaren Handschrift aus der Zeit um 1300 ist dem Museum Schnütgen eine besondere Neuerwerbung gelungen. Sie ist ein prachtvolles Beispiel für die Buchmalerei der französischen Gotik.
Angefertigt wurde das Psalter-Brevier für die Prämonstratenser-Abtei St. Martin in Laon, das etwa 140 km nordöstlich von Paris liegt. Bis zur französischen Revolution befand sich die Handschrift in der Abtei, danach in der Sammlung der Herzöge von Arenberg und in unterschiedlichem Privatbesitz. Nun wird sie der Öffentlichkeit erstmals zugänglich gemacht und in einer Sonderpräsentation gezeigt.
Vom Kalendar zu den Psalmen
Auf 900 verzierten Seiten vereint das Werk die biblischen Psalmen, also die Grundlage mittelalterlicher Gebetbücher, mit einem Stundengebetbuch für Geistliche. Als Monatsübersicht zu den Heiligenfesten ist das Kalendar der Handschrift vorangestellt und aufgrund der malerischen Gestaltung von besonderem Reiz. Zum Kalendar gehören auch die Sternzeichen – vom Wassermann im Januar bis zum einhornähnlichen Steinbock im Dezember – sowie die Darstellung typischer Monatstätigkeiten.
Einblicke in die mittelalterliche Lebenswelt
Besonders prächtig sind die Zierseiten mit der lebendigen Gestaltung des Randes. Hier ist alles in Bewegung: In den sprießenden Blattranken tollen Mischwesen mit menschlichen Köpfen und verschiedenes Getier. Kleine Figuren gehen unterschiedlichen Beschäftigungen nach. Diese heiter-spielerischen Randszenen geben teils auch Einblicke in die Lebenswelt im Mittelalter und zeigen etwa Ball- und Wurfspiele sowie Jahrmarktsszenen mit Dudelsackspieler und Jongleur. Mitunter erscheinen sie auch wie humorvolle Kommentare zu den feierlichen Gebettexten.
In der Ausstellung wird der Vorbildcharakter französischer Buchmalerei für die Kölner Handschriftenproduktion anschaulich. Insgesamt vier Leihgaben aus Privatbesitz sowie aus der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln betten die Neuerwerbung in einen länderübergreifenden Kontext.
In Auszügen kann man auch digital in der Handschrift blättern und die teils humorvollen Details entdecken.
Erworben wurde die Handschrift mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Harald und Gertrud Kühnen Stiftung.
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine reich bebilderte werkmonografische Publikation im Hirmer Verlag in deutscher und englischer Sprache: Karen Straub: Glaube mit Humor. Ein Psalter-Brevier aus Laon um 1300, München 2025 (120 Seiten, 103 Farbabbildungen).

