Das OK (Offenes Kulturhaus) in Linz ist eine wichtige Institution für zeitgenössische Kunst und kulturellen Diskurs. Die Institution hat sich als Museum für die Stadtbevölkerung etabliert, das relevante und gesellschaftlich bedeutsame Themen aufgreift und verhandelt. Ausstellungen wie »Queer«, die in Linz stattgefunden haben, zeigen, dass das OK in der Lage ist, die Einwohner der Stadt für wichtige und oft herausfordernde Themen zu sensibilisieren und zu aktivieren. Diese Fähigkeit, aktuelle gesellschaftliche Diskurse aufzugreifen und kritisch zu reflektieren, macht das OK zu einem zentralen Ort für eine junge, künstlerisch und kritisch denkende Community.
Mit seiner einzigartigen und vielseitigen Raumstruktur, die von klassischen Klassenzimmern über ein schier grenzenloses Parkdeck bis hin zu einem weltweit einzigartigen metallenen Ausstellungsraum in schwindelerregender Höhe reicht, bietet das OK ideale Bedingungen für zeitgenössische und kritische Kunstformate.
In den kommenden Jahren stehen wichtige Entwicklungsprojekte für das OK an. Dazu gehört die Schaffung eines neuen Eingangsbereiches, der das Haus noch einladender und zugänglicher machen soll. Darüber hinaus sind diverse Umbauten geplant, um die Raumstruktur weiter zu optimieren und den Bedürfnissen zeitgenössischer Kunstausstellungen noch besser gerecht zu werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bespielung der Außenflächen, die das OK noch stärker in das öffentliche Leben der Stadt integrieren und die Sichtbarkeit des Hauses erhöhen wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das OK in Linz ein dynamischer und flexibler Ort für zeitgenössische Kunst und kritischen Diskurs ist, der sich ständig weiterentwickelt, um auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Gesellschaft und der Kunstszene zu reagieren.
Veranstaltungen und Ausstellungen
WANDALA – drama . dream . decolonized!
Namafu Amutse (Namibia), Mbaye Diop (Senegal) und Olivia Mary Nantongo (Uganda) machen sich den hybriden Raum WANDALA zu eigen, um darin Afrika-Images aus ihren überlieferten Verankerungen zu heben. In ihren künstlerischen Arbeiten setzen sie sich mit kolonialen Hinterlassenschaften, stereotypen Körperbildern und gesellschaftlichen Spannungen auseinander.
Namafu Amutse inszeniert in ihren Fotografien Schwarze Körper und stellt Fragen nach einer fluiden und dynamischen afrikanischen Identität. Mbaye Diop thematisiert die Zerrissenheit zwischen Tradition, kolonialem Erbe und moderner Überformung. Dabei wird sein eigener Körper zum Ausdruck von Widerstand und Erschöpfung. Olivia Mary Nantongo wiederum nutzt ihren Körper als wandelbare Skulptur, um mit Weiblichkeit, Zorn und aufrührerischen Bildsprachen zu experimentieren und sich bewusst exotisierenden Erwartungen zu entziehen.
»Warum ist Afrika so durchlöchert und unterhöhlt?«, fragt der kamerunische Politikwissenschaftler Achille Mbembe. WANDALA schafft einen diskursiven Raum, in dem Fragen nach Repräsentation, Erinnerung und kultureller Selbstermächtigung neu gestellt werden können. Die Ausstellung zeigt Möglichkeiten, das Antlitz der Versklavung abzulegen und der Viktimisierung, die über Jahrhunderte ein willfähriges Pendant zu Plünderungen und Drangsalierungen bildete, eine Abfuhr zu erteilen – mit dem längst überfälligen Widerspruch neuer Narrative.
Kuratiert von Martin Wassermair
JUDITH FEGERL – calorie
Die Künstlerin Judith Fegerl (*1977 Wien) widmet sich in ihrer Linzer Schau calorie dem Themenkomplex Wärme, indem sie Technik, Material und feministischen Diskurs verbindet. Als Prozess des Austauschs und der Bewegung durchdringt das Konzept der Wärme private, gesellschaftliche und politische Räume gleichermaßen mit der Frage nach der richtigen Temperatur für die Lebens- und Funktionsbedingungen von lebendiger und technischer Umwelt. In diesem Sinne bezeichnet der Ausstellungstitel calorie die historische Maßeinheit von Energie, definiert durch die Erwärmung von einem Gramm Wasser um ein Grad Celsius. Aktuell steht die Kalorie im Zeichen der menschlichen Konsumation und dient häufig als Mess-, Macht- und Kontrollinstrument zur Formung des Körpers.
Schöpferisches und zerstörerisches Potential der Wärme bestimmen die zentralen Diskurse der Gegenwart – von der globalen Erwärmung über technologische Fragen der Energieproduktion, bis hin zur Wärme als Modus des sozialen Zusammenlebens und Gegenpol zur »bürgerlichen Kälte«. Wärme fließt – immer vom wärmeren Körper zum kälteren. Sie ist für das menschliche Auge unsichtbar, erschließt sich über sensorische, körperliche Wahrnehmung. Als Thema, Medium und Material spielen Wärme und Energietransfer im Œuvre Fegerls seit jeher eine zentrale Rolle. Die Ausstellung im OK lässt Werke aus unterschiedlichen Schaffensperioden in neuen räumlichen und konzeptuellen Zusammenhängen sowie Erweiterungen erscheinen. In aktuellen, für das Linzer OK konzipierten Arbeiten, reflektiert die Künstlerin die zeitgenössische Relevanz thermischer Faktoren und lässt diese auf unterschiedlichen Ebenen wahrnehmbar werden. Darüber hinaus wird der Körper des Museums selbst zum Akteur in Fegerls künstlerischer Erforschung des Thermischen und dessen raumübergreifender, transformativen Kraft.
Kuratiert von Susanne Watzenboeck

