Das direkt am Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße gelegene Schaezlerpalais ist Augsburgs bedeutendstes und am besten erhaltene private Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts. Nicht nur deshalb ist diese Perle des Rokoko ein Muss für alle, die Augsburg besuchen. Das 1770 vollendete bürgerliche Palais beherbergt zudem zahlreiche Gemäldesammlungen und Sehenswürdigkeiten.
So befindet sich im ersten Obergeschoss die Deutsche Barockgalerie und eine beeindruckende Enfilade (barocke Raumflucht) von mehr als 100 Metern, welche schließlich in den berühmten Rokoko-Festsaal mündet.
In der zweiten Etage des Gebäudes präsentieren die Kunstsammlungen & Museen Augsburg neben den Gemälden der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung mehrmals im Jahr Sonderausstellungen zu weit gefächerten Themenbereichen.
Einen Teil der Sammlung Steiner, eine umfangreiche Sammlung von Hinterglasgemälden aus dem 18. Jahrhundert, kann man im Erdgeschoss des Schaezlerpalais bewundern. Sie schließt direkt an das Café und Liebertzimmer an, die zum Verweilen einladen.
Der 2005 nach historischen Befunden gestaltete Rokoko-Garten des Palais ist ein geschätzter Erholungsort im Zentrum der Stadt, der auch allen offensteht, die nicht das Museum besuchen.
Veranstaltungen und Ausstellungen
»Seht wie würdevoll!« – Spanische Meistergrafik von Goya und Dalí
Zwei herausragende Bilderfolgen der spanischen Künstler Francisco de Goya (1746–1828) und Salvador Dalí (1904–1989) stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Den Anfang machen die gesellschaftskritischen Blätter aus »Los Caprichos« von Goya, die zwischen 1793 und 1799 entstanden. Sie zählen heute zu den berühmtesten grafischen Zyklen der europäischen Kunst und sind Wegbereiter der Moderne.
Als Hommage an seinen großen Landsmann transformierte zwei Jahrhunderte später von 1973 bis 1977 Salvador Dalí dieses Schlüsselwerk in seine surreale Formensprache und antwortet auf dessen bittere Ironie: »Seht wie würdevoll«! (»Miren que grabes!«). Es erwartet Sie ein künstlerischer Dialog zweier Grafikfolgen, die in einer Auswahl als großzügige Leihgaben aus Spanien für einige Monate zu Gast in Augsburg sind.
»Los Caprichos« – Gesellschaftssatire bei Goya und Dalí
Bereits im Titel »Seht wie würdevoll!« (»Miren que grabes!«) schwingt der ironische Charakter der Grafikfolge mit. Abgeleitet vom italienischen Capriccio – unbeschwerte Laune, Einfall – verharmlost die Bezeichnung »Los Caprichos« den Inhalt des vielfältig gesellschaftskritischen Bilderzyklus. Es handelt sich dabei um eine Serie von 80 Blättern, von denen insgesamt 300 Serien gedruckt wurden. In den Handel kamen 1799 nur wenige davon, da Francisco de Goya diese aus Angst vor Inquisition frühzeitig einstellte. Die inhaltliche Verschlüsselung der Zeichnungen mag auch zu seinem eigenen Schutz gedient haben – damals wie heute noch, stellt die Interpretation dieser mehrdeutigen Gesellschaftssatire eine Herausforderung dar.
Salvador Dalí ließ die komplette Folge mittels eines fotomechanischen Druckverfahren, der sogenannten Heliogravüre, reproduzieren und überarbeitete diese Blätter von 1973 bis 1977. In seiner eigenen Formensprache setzt auch er sich in seinem Zyklus in kritischer Weise mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit auseinander und steigert Goyas »Los Caprichos« ins Surreale.
Die Augsburger Ausstellung im Schaezlerpalais greift jeweils einzelne Bildpaare heraus und betrachtet ihre mögliche Deutung im historischen und gesellschaftlichen Kontext.
Die ausgestellten Grafiken sind Leihgaben der nordspanischen Fundación Museo de Artes do Gravado á Estampa Dixital. Unterstützt wird die Ausstellung durch die Stadtsparkasse Augsburg und die Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung. Herzlichen Dank!
Eröffnung: 23. Oktober 2025, 18 Uhr
Hermann Fischer – Zeichner und Aquarellist
Zum 120. Geburtstag
Der Augsburger Zeichner und Aquarellist Hermann Fischer (1905–1991) zeichnete schon von Kindesbeinen an. Eine Ansicht des Fünffingerles-Turms von 1921 zeigt bereits die Begabung des 16-jährigen. Während seines Architekturstudiums lag sein Fokus anfänglich auf Architektur, Bauwerken und Straßenräumen, die er analytisch erfasste. Daneben galt sein Interesse auch stets der landschaftlichen und städtebaulichen Einbindung von Architektur sowie grundsätzlich dem Verhältnis von Gebautem und dessen Umraum. Letzterer spielte insbesondere bei seinen Aquarellen eine immer größere Rolle.
Während seiner zahllosen Reisen in seiner schwäbischen Heimat, den Alpen, nach Italien und Frankreich, entstanden immer wieder koloristisch wohl abgestimmte Kompositionen von großer Perfektion. Fischer gab seine Kenntnisse bereitwillig weiter. Als Lehrer am Augsburger Polytechnikum war er sehr beliebt, da er es mit großem didaktischem Geschick verstand, seine Studierenden zur Zeichenkunst und zur Kunst des Aquarellierens hinzuführen.
Hermann Fischers Zeichnungen sind teils spontan und skizzenhaft. Sie geben Einblick in seinen Schaffensprozess, der vor allem in den großen Aquarellen gipfelt.
»Sein Gestalten ist niemals penibel, kleinteilig, von Akribie beseelt, sondern großzügig, energisch, trotz aller Disziplin, die die Technik des Aquarells verlangt, in den Pinselstrichen wild.« Dr. Gode Krämer, Autor und Kunsthistoriker
Eröffnung: 30. Oktober 2025, 18 Uhr, im Café und Liebertzimmer des Schaezlerpalais
Der Reichtum der Kunst – Jakob Fugger und sein Erbe
Anlässlich des 500. Todestages von Jakob Fugger dem Reichen zeigen die Kunstsammlungen und Museen Augsburg in Kooperation mit den Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungen eine Sonderausstellung zu den reichen Kunstschätzen aus der Zeit der Fugger. Die Ausstellung, die am 11. Dezember 2025 eröffnen wird, knüpft damit an den Höhepunkt des Programms zum Gedenkjahr der Fuggerschen Stiftungen im Winter 2025 an.
Die kunsthistorische Ausstellung beschäftigt sich vornehmlich mit der Bedeutung der Fugger als wichtige Akteure und Förderer der zeitgenössischen Kunstproduktion. Präsentiert werden länger nicht gezeigte Gemälde aber auch neu erworbener Schmuck, Kunsthandwerk und Grafik. Hierbei werden die eigenen Bestände der Kunstsammlungen und Museen Augsburg durch Leihgaben ergänzt.
Eröffnung: 11. Dezember 2025, 18 Uhr

