Frankfurt am Main
Museum

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Gabriel-Riesser-Weg 3, 60325 Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt ist eines der ange­se­hens­ten und profi­lier­tes­ten Ausstel­lungs­häu­ser in Europa. 1986 eröff­net, wurden auf rund 2.000 m² bislang mehr als 250 Ausstel­lun­gen präsen­tiert und von mehr als 9,5 Millio­nen Besu­chern gese­hen. Die SCHIRN rich­tet ihren Fokus auf kunst- und kultur­his­to­ri­sche Themen, Diskurse und Trends aus der Perspek­tive der unmit­tel­ba­ren Gegen­wart. Ihr Programm ist viel­fäl­tig, inter­na­tio­nal und progres­siv, versucht neue Sicht­wei­sen zu eröff­nen und tradierte Rezep­ti­ons­mus­ter aufzu­bre­chen. Die Ausstel­lun­gen widmen sich zeit­ge­nös­si­schen Kunst­po­si­tio­nen und der Kunst der Moderne glei­cher­ma­ßen.

 

Die Schirn sprengt räum­li­che und zeit­li­che Gren­zen, denkt die Dinge immer wieder neu, erwei­tert den Ausstel­lungs­raum ins Netz, bietet kosten­lo­ses, flächen­den­ken­des WiFi und fort­schritt­li­che, digi­tale Vermitt­lungs­an­ge­bote. Als eine der euro­pa­weit wich­tigs­ten Kunst­in­sti­tu­tio­nen ist sie seit 30 Jahren auch eine feste Größe im kultu­rel­len Leben der Stadt Frank­furt, ein Ort der Begeg­nun­gen, an dem inter­es­sierte Bürger, Förde­rer und Part­ner, junge oder etablierte Künst­ler, enga­gierte Freunde sowie Menschen aus aller Welt zusam­men­kom­men. Die Schirn ist kein tempo­rä­res Museum – nicht in ihrer inhalt­li­chen Ausrich­tung, insze­na­to­ri­schen Gestal­tung oder kunst­his­to­ri­schen Betrach­tung. Als Insti­tu­tion ohne Samm­lung ist die Aufgabe der Schirn, fundierte Vorschläge aus einer aktu­el­len Perspek­tive zu entwi­ckeln und so einen Diskurs zu fördern, der von Museen wieder aufge­nom­men werden kann.

Veranstaltungen und Ausstellungen

01.10.26 - 10.01.27

Anna Hulačová

Vom 1. Oktober 2026 bis zum 10. Januar 2027 zeigt die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT anlässlich des tschechischen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland.

 

Hulačová, die auf einem Bauernhof aufwuchs, schöpft ihre Kunst aus einer tiefen Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren. Das Verhältnis von Mensch, Natur und Technologie erkundet die Künstlerin aus ökofeministischer Perspektive. In ihren Arbeiten thematisiert sie den Verlust von Biodiversität, das Insektensterben und die Folgen industrieller Landwirtschaft. Die Biene – Sinnbild kollektiver Arbeit, ökologischer Krisen und mystischer Unsterblichkeit – ist zentrale Metapher ihrer Werke und nicht nur das: Hulačovás Arbeiten entstehen in Ko-Kreation mit ihren eigenen Bienenvölkern. Gemeinsam mit diesen lässt die Künstlerin hybride Wesen und gesichtslose Science-Fiction-Figuren entstehen, in denen Beton und Bienenwaben, Organisches und Technoides, Natur und Maschine verschmelzen.

 

Die SCHIRN zeigt Skulpturen, Reliefs und Installationen, die zum großen Teil eigens für die Ausstellung entstanden. Der Titel der Schau bezieht sich auf die Figur der Abundantia, die in der römischen Mythologie für Wohlstand und Überfluss stand. Ihr Attribut, das Füllhorn, schüttet seinen Reichtum auf magische Weise aus, während die aufgewendeten Ressourcen, Mühen und die Arbeit, auf die sich Wohlstand stützt, unsichtbar bleiben.

 

Anna Hulačová präsentiert in der SCHIRN zwei installative Settings. Der erste Ausstellungsraum zeigt wuchtige Beton-Maschinen wie »Engine« (2026) oder »Big Machine« (2026). Von der Decke hängen ebenfalls aus Beton gegossene Reliefs, die mit feinen Zeichnungen aus Grafit versehen sind und mit geschnitztem Lindenholz kombiniert oder durch Bienenwaben ergänzt werden. Hulačová bezieht sich hier auf vielfach an sozialistischen Bauten anzutreffende Reliefs und verwendet aus diesem Kontext vertraute Motive oder Formen wie etwa aufstrebende Ähren. In der SCHIRN verbindet die Künstlerin diese mit den Skulpturen »Alien Bees« (2021 und 2026) – insektenhafte Gestalten, die humanoide Merkmale tragen und an Comics der 1950er-Jahre oder Science-Fiction-Filme erinnern.

 

Im zweiten Ausstellungsraum ist die Neuproduktion »Still Life / Still Alive« (2026) zu sehen, ein Lebensmittel-Förderband vor metallischen, klinisch wirkenden Wänden. Figurinen von Arbeiterinnen sind im Raum verteilt. Am Ende des Förderbandes haben sich Früchte zu einem Berg aufgestaut, eine Arbeiterin versucht der Fülle der Produkte mit einem Quirl beizukommen. Es sind auch Referenzen auf Darstellungskonventionen der westlichen (männlichen) Kunstgeschichte, in denen Frauen vielfach mit einer üppigen Fülle von Früchten verbunden wurden, wie etwa in Marktszenen des 16. Jahrhunderts. Zugleich verweist die Künstlerin auf die nicht nur historische Dimension der Ausbeutung (weiblicher) Arbeitskraft in der arbeitsteiligen und maschinengestützten Produktionskette der Lebensmittelerzeugung bis hin zur Lebensmittel verarbeitende Verbraucherin. Die zweite Arbeit im Raum, »After Bugonia« (2025), adressiert die Milchwirtschaft. Drei Arbeiterinnen mit Gummistiefeln, Arbeitskitteln und Kopftüchern erinnern in Habitus und Ästhetik an die Figurativität des Sozialistischen Realismus. Die totalitäre Kunst propagierte den Archetypus der Mutter mit Begriffen wie Land, Erde, Fruchtbarkeit. Die Köpfe der Arbeiterinnen sind gesichtslos oder mit Bienenwaben ausgefüllt. Der Titel »After Bugonia« entstammt dem antiken Mythos, dem zufolge Bienenvölker aus den toten Körpern von Stieren geboren wurden (Bugonie). Über das Motiv der Biene entsteht ein vielschichtiger Referenzkreis. Nicht zuletzt steht die Biene als weibliches Kollektiv mit Redewendungen wie »tüchtig wie eine Biene« auch für die unsichtbare weibliche Arbeitskraft vieler Frauen in den unterschiedlichsten Gesellschaften.

 

Kuratorin: Martina Weinhart

Kuratorische Assistentin: Theresa Dettinger

Standort
Standort
Gabriel-Riesser-Weg 3, 60325 Frankfurt
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–19:00
Mittwoch10:00–19:00
Donnerstag10:00–22:00
Freitag10:00–19:00
Samstag10:00–19:00
Sonntag10:00–19:00
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