Das St. Annen-Museum beherbergt die größte Sammlung norddeutscher Schnitzaltäre, einen kleinen, aber hochkarätigen Bestand an Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter Werke von Lucas Cranach, Hans Kemmer, Jacob van Utrecht und Wilm Dedeke sowie Bürgermeister- und Reformatorenporträts, mittelalterliche Holz- und Steinskulpturen sowie kostbare Paramente. Einrichtungen aus Lübecker Bürgerhäusern und Objekte aus der Wunderkammer des Sammlers Jacob von Melle gehören ebenso zum Bestand wie historische Musikinstrumente, Trachten und Kleider, die Stockelsdorfer Fayencen, der Lübecker Silberschatz, wertvolle Tapeten und eine Spielzeugsammlung. Holländische Stilleben, Landschaftsgemälde und Genredarstellungen des Goldenen Zeitalters aus Lübecker Privatsammlungen sind ebenso vorhanden wie eine graphische Sammlung mit Zeichnungen und Drucken des 16. bis 18. Jahrhunderts.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Der Danziger Textilschatz im Zeichen europäischer Freundschaft
In regelmäßigem Wechsel wird eine kleine Auswahl der wertvollen Stücke im Herzen des St. Annen-Museums präsentiert. Bei der Präsentation wird erneut großer Wert auf das Miteinander der Künste im Mittelalter gelegt. So zeigen die Gewänder gemeinsam mit Architektur, Glasmalerei, Malerei und Skulptur des 15. Jahrhunderts ein schönes und stimmiges Gesamtbild. Sie alle dienten dazu, den Gottesdienst als großes Fest für die Christen zu Ehren Gottes zu gestalten.
Feinste Stickereien und asiatische wie auch italienische Seiden zeigen den hohen Wert, der diesen Gewändern ehemals zugemessen wurde. Sie stammen aus der Marienkirche in Danzig und sind vorwiegend im 14. und 15. Jahrhundert, gestiftet von den Danziger Bürgerinnen und Bürgern, entstanden. In der Kirche versteckt, überdauerten sie Reformation und Kriege. Erst im 19. Jahrhundert hat man sie zufällig bei Bauarbeiten wiederentdeckt.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der textilen Schätze von Danziger Bürgern gemeinsam mit dem dortigen Pfarrer Gerhard Gülzow auf ihrer Flucht nach Lübeck mitgenommen und gerettet. 183 weitere Stücke wurden damals nach Thüringen gebracht und nach dem Krieg nach Danzig zurückgeführt.
Im Dezember 2022 hat die UEK in einem gemeinsamen Letter of Intent mit der Danziger Marienkirche die Absicht formuliert, dass auch die Objekte aus Lübeck nach Danzig zurückkehren sollen, wenn die geeigneten Bedingungen dafür geschaffen wurden. Um die Rückkehr professionell und sorgfältig vorzubereiten, wurde ein Fachbeirat mit polnischen und deutschen Experten ins Leben gerufen. Dennoch werden auch weiterhin einige Stücke im Wechsel in Lübeck bleiben und hier präsentiert werden.

