3500 Werke aus den wichtigen Epochen der europäischen Kunstgeschichte sowie knapp 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken umfasst die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe. Zurück geht diese auf den Kunstsinn und die Tätigkeit der badischen Markgräfinnen und Markgrafen als Sammler:innen.
Schwerpunkt der Sammlung bilden die Kunst des Mittelalters und der Renaissance, die Niederländische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts sowie die Französische Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit Biedermeier, Romantik, Realismus und Impressionismus ist auch die Malerei des 19. Jahrhunderts mit bedeutenden Werken vertreten. Ebenso präsentiert werden mit der Klassischen Moderne u.a. Konstruktivismus, Expressionismus und Neue Sachlichkeit. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Sammlung mit großen Bemühungen in die Gegenwart überführt, so dass auch Arbeiten des Informel, der Konzeptkunst, der Neuen Figuration sowie medienübergreifende Arbeiten vertreten sind.
Als eines der ersten Museumsgebäude Europas konzipierte Heinrich Hübsch die Kunsthalle Karlsruhe zu Beginn des 19. Jahrhundert als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Malerei und Skulptur. Noch heute ist sie weitgehend in ihrer originalen Gestaltung erhalten. Um hier auch den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden, ist eine bauliche Weiterentwicklung in Planung. Aufgrund einer sanierungsbedinten Schließung ist die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe derzeit im ZKM Karlsruhe zu sehen.
Veranstaltungen und Ausstellungen
See You – Begegnungen mit der Kunsthalle Karlsruhe
Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe ist während der Sanierung ihres Hauptgebäudes zu Gast im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien und lädt hier zum Schauen, Wahrnehmen und Begegnen ein!
Rund 300 Herzstücke aus dem Bestand des Museums sind im 2. Lichthof des Hallenbaus versammelt, darunter Spitzenwerke von Mathias Grünewald, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens, Henri Matisse oder Ernst Ludwig Kirchner. Die Sammlungspräsentation See You lädt zu einem Spaziergang durch die Kunstgeschichte ein – vom Mittelalter bis in die späten 1940er Jahre – und spürt dabei den Fragen nach: Wie kommunizieren Bilder? Was erzählen die Werke über die westeuropäische Kunst, die Gesellschafts- und Kulturgeschichte? Und was haben sie mit dem Hier und Heute zu tun? Immer wieder aufs Neue setzen wechselnde Studioausstellungen in den Ausstellungskojen Akzente in der chronologischen Präsentation und ermöglichen den Besucher:innen unerwartete, vielleicht irritierende oder berührende Begegnungen.
Den Prolog bildet ein filmischer »Schwellenraum« von Anna Henckel Donnersmarck. Die Videoprojektion vergegenwärtigt den eigentlichen Ort der Kunst, das verlassene Gebäude an der Hans-Thoma-Straße. Nach diesem Medienkunstwerk entwickelt sich ein chronologischer Rundgang. Vertraute Bilder treffen auf selten gezeigte Werke; der Beitrag von Künstlerinnen wird besonders hervorgehoben und der Kanon der Kunstgeschichte durch neue Stimmen erweitert.
Neue Akzente im Rundgang setzt unter anderem die Sammlung Röchling, die der Kunsthallen-Sammlung neue Glanzlichter verleiht. Von den mehr als 50 hochrangigen Werken aus der von Dr. Hermann Röchling gegründeten Fontana Stiftung, wird erstmals eine Auswahl gezeigt.
Mit einem digitalen Guide können sich die Besucher:innen multimedial durch die Ausstellung begleiten lassen und weitere Hauptwerke, wie etwa die neu restaurierte Kreuztragung Christi von Matthias Grünewald entdecken. Mehrere thematische Rundgänge eröffnen neue Perspektiven auf die Präsentation.
Die Ausstellung ist als flexibles Diskussionsangebot gedacht, das von Ausstellungen in der Jungen Kunsthalle und weiteren Präsentationen in der Orangerie ab September 2025 ergänzt wird.
Schwarze Materie – Pierre Soulages
Es ist ein spektakulärer Sammlungszuwachs: Das großformatige Gemälde Peinture 252 x 102 cm, 8 février 1990 zählt zu den berühmten Outrenoirs des französischen Malers Pierre Soulages.
Das Werk konnte jüngst mit Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg für die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe erworben werden. Es zeigt sich nun erstmals dem Karlsruher Publikum und steht im Mittelpunkt einer konzentrierten Studioausstellung der Kunsthalle im ZKM, in der neben der Malerei auch Grafik des Künstlers gezeigt wird.
Das eigene Erleben von Lichtreflexionen auf der pastos aufgetragenen schwarzen Farbe in Abhängigkeit von der eigenen Bewegung, die Dynamik von Licht und Dunkelheit, die weiten Raum für Imagination und Gedankenspiele lässt, steht im Fokus dieser konzentrierten Präsentation. Das Bild entstand vor dem Hintergrund seiner bedeutenden Fenster für die romanische Abteikirche im südfranzösischen Conques und wird künftig in der Sammlung spätmittelalterlicher christlicher Kunst der Kunsthalle im ZKM gezeigt werden.
Spurensuche – Aus der Forschung zur Herkunft der Kunstwerke
Die Forschung zur Herkunft von Objekten, die sogenannte Provenienzforschung, gehört mittlerweile an vielen Sammlungsinstitutionen zum festen Bestandteil der Arbeit, auch an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
Die Aufgabe der Provenienzforschung an der Kunsthalle Karlsruhe besteht darin, die Eigentumsgeschichte der Sammlungsobjekte zu rekonstruieren. Bei der Recherche gilt es vor allem herauszufinden, ob ein Kunstwerk während der NS-Zeit verfolgungsbedingt entzogen wurde, es sich also als Raubgut identifizieren lässt.
In der Studioausstellung werden anhand von ausgewählten Kunstwerken verschiedene Informationsquellen vorgestellt, die es erlauben, der jeweiligen Eigentumsgeschichte auf die Spur zu kommen. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Provenienzforschung einen vielfältigen Erkenntniswert hat. Sie sensibilisiert für historische Zusammenhänge und bringt bewegende Geschichten zum Vorschein.
Pettersson, Findus & Co. – Die fabelhafte Welt von Sven Nordqvist
Fleischklößchenbäume und Pfannkuchentorten, Prillan und Gustavsson, Mama Muh und Krähe – Sven Nordqvist hat mit seinen Bild- und Wortwelten voller skurriler und liebenswerter Charaktere so manches Kinderzimmer erobert.
Sven Nordqvists Kinderbücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Die Junge Kunsthalle wird als Highlight 2025 einen bunten Ausschnitt aus Nordqvists Schaffen präsentieren. Es werden sowohl bekannte Illustrationen als auch zumindest hierzulande weniger verbreitete Bilder aus seinem reichen Werk im Original zu sehen sein. Ein besonderer Fokus liegt mit Skizzen und Vorarbeiten auf dem künstlerischen Prozess, dem Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Geschichte.
Die Besucher:innen sind eingeladen, in die fabulierfreudigen, fantastischen Bilder und Geschichten einzutauchen. In den Atelierräumen und der eigens eingerichteten Werkstatt von Pettersson und Findus darf aber auch der eigenen Kreativität und Fantasie freier Lauf gelassen werden.
Archistories – Architektur in der Kunst
Architekturen erzählen von Geschichte und Geschichten, von ihren Erbauern und Nutzern. Sie sind Medien des Ausdrucks von Wertvorstellung und der Gestaltung unserer Welt.
Während das Hauptgebäude der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, eines der ältesten Musemsgebäude Deutschlands, derzeit umfassend erneuert wird, öffnet die benachbarte Orangerie schon im Herbst 2025 nach mehrjähriger Sanierung ihre Türen. Die erste Sonderausstellung, die hier im ehemaligen Gewächshaus zu sehen sein wird, richtet den Blick auf das Thema Architektur in der Kunst.
Die Sonderausstellung Archistories. Architektur in der Kunst versammelt rund 100 Werke von 70 Künstler:innen aus fünf Jahrhunderten, die Gebäude und das Bauen auf unterschiedliche Weise reflektieren. Mal spielerisch, mal humorvoll, mal gesellschaftskritisch setzen sich die gezeigten Arbeiten mit Lebensrealitäten, vergangenen Zeiten oder fantastischen Räumen auseinander. Sie alle zeigen, wie wir unsere Welt gestalten oder in Zukunft gestalten könnten. Dabei spürt die Ausstellung ästhetischen, politischen, sozialen und ökologischen Fragen nach.
Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken aus dem Bestand der Kunsthalle werden ergänzt um Video-Arbeiten, Fotografien und Installationen zeitgenössischer Künstler:innen. Archistories gibt so einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Architekturstücks vom 17. Jahrhundert bis heute und macht deutlich, dass Architektur immer auch Geschichte und Geschichten erzählt.
Ausgestellte Künstler:innen
Franz Ackermann – Nevin Aladağ – Johann Wilhelm Baur – Samuel Beckett – Jean-Jacques de Boissieu – Stephen Craig – Nicolas Daubanes – Robert Delaunay – Alain Delorme – Rudolf Dischinger – Otto Dix – Louis Ducros – Josef Wilhelm Durm – Elger Esser – Lyonel Feininger – Günther Förg – Carl Ludwig Frommel – Giuseppe Galli da Bibiena – Armin Goeck – Vincent van Gogh – Niklas Goldbach – Laurent Goldring – Dionisio González – George Grosz – Beate Gütschow – Henri Joseph Harpignies – Erich Heckel – Candida Höfer – Judith Hopf – Karl Hubbuch – Heinrich Hübsch – Victor Hugo – Alexander Kanoldt – Hubert Kiecol – Barbara Klemm – Fritz Klemm – Günther Knipp – Jochen Kuhn – Wolfgang Laib – Fernand Léger – Nicolas François Daniel Lhuillier – Axel Lieber – Johannes Lingelbach – Claude Lorrain – Albert Marquet – Isa Melsheimer – Adolph Menzel – Friedrich Mosbrugger – Henrique Oliveira – Julia Oschatz – Johann Andreas Pfeffel – Francesco Piranesi – Giovanni Battista Piranesi – Werner Pokorny – Domenico Quaglio – Hans Peter Reuter – Hubert Robert – Johann Heinrich Roos – Gabriel Jacques de Saint-Aubin – Georg Scholz – Sean Scully – Hermann Sprauer – Erwin Spuler – Jakob Kudsk Steensen – Hito Steyerl – Artur Peter Stoll – Rebecco Ann Tess – Francesco Tironi – Wilhelm Trübner – Hendrick Cornelisz. van Vliet – Friedrich Weinbrenner – Michael Wesely – Helmut Wimmer – Fritz Winter

